Deutsches Fußballmuseum Dortmund

Nach der (möglicherweise gekauften) Fußballweltmeisterschaft in Deutschland 2006 begann der DFB mit den Planungen für ein Fußballmuseum (kurz DFM, nicht zu verwechseln mit Dresdner-Fußball-Museum oder dem FIFA-Fußballmuseum). Mehrere Städte bewarben sich, letztendlich bekam Dortmund im April 2009 den Zuschlag.

Neben Dortmund hatten sich in der letzten Phase auch Gelsenkirchen und Köln als Standort für das DFB-Museum beworben. Doch ein Gutachten, das die Stadt Köln anfertigen ließ und das dem WDR vorliegt, ergab, dass mit jährlichen Verlusten von 720.000 Euro zu rechnen sei. Daraufhin zog die Domstadt offenbar ihre Bewerbung zurück – zumindest schied sie sehr kurze Zeit nach der Fertigstellung des Gutachtens aus dem Kreis der Bewerber aus. (Immobilien Zeitung)

Im September 2012 begannen die Bauarbeiten. Als erstes musste der Busbahnhof verschoben werden, die Kosten dafür tauchen offiziell nicht auf, auch nicht die Kosten für die Bewerbung und Architektenausschreibung-/auswahl. Gelegen ist das Gebäude perfekt gegenüber dem Bahnhof in der Innenstadt.

Im April 2013 war die Grundsteinlegung, ein Jahr später das Richtfest. Zwar wurde die Museumseröffnung ist für den Herbst 2014 angekündigt, doch erst am 26. September 2015 öffnete es die Pforten. Grund für die Verschiebung: Der Gewinn der Fußballweltmeisterschaft Mitte 2014. Die Ausstellungsmacher mussten die Ausstellung neu überarbeiten.

Kenndaten:

TRIAD

Verantwortlich für die Szenographie ist die TRIAD Berlin Projektgesellschaft mbH.

600 Projekte, 20 Millionen Besucher, 49 Länder. Von Berlin bis Shanghai. Von der Idee bis zur Umsetzung.

TRIAD beschäftigt ein Team von 180 Mitarbeiten, deren Arbeiten wurden ausgezeichnet mit dem red dot Award, communication design award, Art Directors Club (ADC) Award, EVA Award, usw. Beim Fußballmuseum hat TRIAD wieder Können bewiesen, das Museum vermittelt einen hochwertigen Eindruck und arbeitet mit modernen Medien wie 3D-Hologrammen.

19 Beamer, 25 Stunden Filmmaterial, interaktive Quizautomaten, nachgebaute Kommentatoren-Kabinen, die Trainerbank von Jogi Löw, ein 3D-Kino, Beschallung von überall.

Nach der Eröffnung wird das Museum gut angenommen und nach einer Woche sind laut Presseberichte 10.000 Tickets verkauft worden. Ein super Start!

Allerdings gibt es auch Kritik am Projekt.

Die Kosten

Der Wert des Grundstücks wird auf ca. 5 Mil. Euro geschätzt; es wurde dem Projekt von der Stadt Dortmund umsonst zur Verfügung gestellt. „Der Beitrag wurde in der falschen Hoffnung geleistet, das Land werde davon 80 Prozent übernehmen.“ schreiben die DEUTSCHEN WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN. Dabei hat Dortmund kein Geld, ist hoch verschuldet, fast 2,4 Milliarden Euro stehen in den Büchern; Bürgermeister, BVB und Fußball sind eng verbunden.

Das Museum kostet 41 Millionen Euro, 36 davon für den Bau, 5 für den Vorplatz und das Drumherum. 18,5 Millionen kamen vom Land Nordrhein-Westfalen, je 5 Millionen von den WM-Sponsoren Adidas und Mercedes Benz, noch mal 5 Millionen aus einem EU-Topf  und der Rest kam aus dem wirtschaftlichen Gewinn der WM 2006. (Museumschef Neukirchner)

Wird es teurer, so muss die Stadt Dortmund bezahlen. Bei Verlusten gilt: Der DFB zahlt maximal 250.000 €, der Rest die Stadt Dortmund. Doch diese Informationen sind alle nicht öffentlich. Der Bund der Steuerzahler führt im Schwarzbuch 2012 diese Schieflage auf und sagt: „Zu viel Steuergeld für eine Nebensache“. Ein WDR-Beitrag macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: Sponsoren sollen 350.000 €/Jahr für das Fußballmuseum locker machen, doch davon scheint man weit entfernt.

bis auf den Dortmunder Energieversorger DEW21 bis jetzt noch kein Sponsor angebissen – und DEW21 gehört der Stadt. (Immobilien Zeitung)

Als Konsequenz ziehen die Stadtwerke nun Sponsorengelder vom Konzerthaus ab und schichten sie auf das DFM um.

Das Konzerthaus muss deshalb ab 2016 auf 75.000 Euro an Sponsoring-Geldern pro Jahr verzichten.

Für das Jahr 2015 fehlt Geld und zwar 1/3 der Summe – so schreiben es die RuhrNachrichten.

Nur 250.000 Euro statt 350.000 Euro pro Jahr kamen über regionale Sponsoren zusammen. Mehrere potenzielle Geldgeber passten dem DFB nicht. […] Wenn der Oberbürgermeister und er nach Gesprächen mit Unternehmensvorständen „eine Kollektion“ zusammengehabt hätten, habe der DFB abgewunken („Lieber nicht“), weil das zu Kollisionen mit dem DFB-Sponsorenportfolio geführt hätte.

Der Gewinn?

Ob das Museum in die versprochene Gewinnzone kommt ist offen. Es gibt eine Studie, die einen Umsatz von 19 Millionen Euro prognostiziert, und 280 Vollzeitarbeitsplätze. Pikant nur: Die Studie wurde von DORTMUNDtourismus in Auftrag gegeben – die eigene Webseite erklärt: „DORTMUNDtourismus ist die offizielle Tourismusmarketingorganisation der Stadt Dortmund. Als selbstständiger Verein mit Wirtschaftsbetrieb und rund 110 Mitgliedern aus Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und weiteren touristisch assoziierten Unternehmen sowie 11 angestellten und rund 30 freien Mitarbeitern agiert DORTMUNDtourismus im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit der Stadt Dortmund. Die Hauptaufgabe ist es, Dortmund als Reiseziel und Tagungs- bzw. Kongressstandort bekannt sowie buchbar zu machen und so den Wirtschaftsfaktor Tourismus in der Stadt zu fördern.“

Die Studie stammt vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif) aus München und wird nicht online angeboten, allerdings von der Webseite des Fußballmuseums zitiert:

– Bereits vor seiner Eröffnung entstehen durch die Planung und durch den Bau des DFB-Fußballmuseums umfangreiche wirtschaftliche Effekte. Insgesamt ergibt sich eine Gesamtwertschöpfung von rund 50,5 Mio. € für die regionale und überregionale Bauwirtschaft, wodurch eine Beschäftigung in Höhe von rund 820 Vollzeitstellen ausgelöst wird.
– Durch den späteren Betrieb des DFB-Fußballmuseums entstehen jährlich direkte und indirekte Umsätze in Höhe von bis zu 19 Mio. € für die regionale Wirtschaft. Die Ausgaben des durchschnittlichen Tagesbesuchers werden dabei ca. 35,50 € betragen, wovon insbesondere die Gastronomie, das Hotelgewerbe sowie der Einzelhandel profitieren werden.
– Durch den späteren Betrieb wird das DFB-Fußballmuseum ab 2014 in und außerhalb des Museums langfristig bis zu mehr als 280 Vollzeitarbeitsplätze in der Region schaffen.
– Durch die direkten und indirekten Umsätze der Besucher in und außerhalb des Museums fließen der öffentlichen Hand nach der Eröffnung jährliche Steuereinnahmen in Höhe von bis zu 1,5 Mio. € zu.

Die Zahlen sind nicht zu verifizieren und Aussagen wie „werden dabei ca. 35,50 € betragen“ und „profitieren werden“ wirken sonderbar. Zu den Arbeitsplätzen aktuell:

Wir haben auch Konzepte für die Nordstadt. Zudem sind durch das Fußballmuseum rund 100 Arbeitsplätze geschaffen worden, davon profitieren auch die Menschen aus der Nordstadt.

Der Eintritt

Der DFB hat Geld, viel Geld, und die Fußball-Freunde sind es gewohnt, für Spiele Eintrittspreise von 100 € in der Kategorie 1 zu zahlen. Überträgt sich das auf die Eintrittspreise für das DFM?

17 € kostet die Karte am Eingang, 15 € online. („Ursprünglich kalkuliert war es mit einem Preis von knapp mehr als sieben Euro.“) Das ist für ein Museum im oberen Segment, enthält aber ein VRR-Ticket, was einige Käufer dazu bewegen wird das Eintrittsticket als vergünstigte Fahrkarte zu nutzen und niemals ins Museum zu gehen.

Um an das VRR-Ticket zu kommen ist leider ein Umweg über die VRR-Seite nötig. Das Museums-Ticket enthält nur einen Code, der auf der Webseite vom VRR einzulösen ist. Lästig: Alle Personaldaten sind neu einzugeben und sehr private Informationen wie die Kontonummer/Gültigkeit oder Personalausweisnummer. Außerdem sind zwei Tickets in der Tasche, da ist das Kombi-Ticket, z.B. bei der Gamescom, praktischer.

Es gibt öffentliche Kritik auf Facebook, diese bleibt vom Museum unkommentiert, wohl, weil man einen schlauen Social-Media-Experten bestellt hat. Großartig, dass das Museum Eintrage nicht löscht, auch wenn diese falsch, provokativ oder im Ton vergriffen sind:

  • „Eintrittskarten viel zu teuer, Erwachsene 17.00 Euro. ….Familien Karte 55.00 Euro. Die Spinnen wohl. …“
  • „Nichtmals am ersten Tag Eintritt frei? Das ist peinlich!“
  • „Ingo Zachos Im Eingangsbereich steht Franz Beckenbauer als Weihnachtsmann. Der unterschreibt dann jeden Scheck und jeden Schuldschein ohne hinzusehen!“

Dass ein Mitarbeiter die Kommentare liest kann man gut an diesem Beispiel ablesen

  • 12:33 Uhr: „Ich war am Donnerstag in der Ausstellung und habe den Besuch genossen. […]“
  • 12:40 Uhr: „Danke für das ausführliche Feedback!“

270.000 Besucher sollen jährlich kommen, bei 315 geöffneten Tagen sind das knapp 860 Besucher am Tag.

6000 Besucher zählte das Museum in der ersten Woche. „Damit liegen wir voll im Plan“, bilanziert Manuel Neukirchner. Gut 5000 Besucher pro Woche sind nötig, um nach Jahresfrist mit dem Museumsbetrieb schwarze Zahlen schreiben zu können.

Bereits nach einem Monat Betriebszeit lag die Besucherzahl bei stolzen 25.000.

Die Besucher bringen bei maximal 17 € Eintritt insgesamt 4,6 Millionen Euro Umsatz im Jahr für das Museum. Davon müssen 25 Mitarbeiter bezahlt werden, ein PR-Manger wird aktuell gesucht

Geometrie des Hauses

Das Museum verteile die Exponate und Erlebnisse auf zwei Etagen. Um die Etagen zu wechseln ist ein Gang durch eine 3D-Hologramm-Präsentation von 12 Minuten vorgesehen, „der peinliche Höhepunkt der Ausstellung„. Unkompliziert die Etagen zu wechseln ist vom DFB nicht gewollt.

Die Exponate

Ca. 1600 Exponate zeigt das Museum. In den diversen Quellen tauchen immer drei zentrale Objekte auf: Der Bus der Nationalmannschaft, der WM-Ball (einer von den vielen) und der von Sebastian Schweinsteiger gestiftete Schuh von der WM 2014. (Auf dem immer noch der Name seiner Ex-Frau Sarah steht – die wird sich freuen …)

Gerade bei den Trophäen finden sich in der „Schatzkammer“, also dem Raum, in dem die WM-Pokale stehen, viele „Zweitoriginale“, also Nachbildungen der Originale. Und viele Exponate sind auch nur Leihgaben auf bestimmte Zeit:

Weit mehr als die Hälfte der Exponate in der Ausstellung sind private Leihgaben, nach Aussagen von Sammlern mit zeitlich befristeten Leihverträgen. Die meisten Objekte sind Kopien, Faksimile oder Zweitobjekte.

Ob getragene T-Shirts, Schuhe und jede Menge Video-Material für die Besucher allerdings so spannend sind, wird sich zeigen.

Fotografie

In der Smartphone- und Selfie-Generation ist nicht zu vermeiden, dass Menschen Fotos machen. Im Museum sind Aufnahmen grundsätzlich gestattet, nur eben an gewissen Stellen nicht, etwa bei den FIFA-Pokalen. Mitarbeiter müssen immer auf das Fotoverbot hinweisen, doch können letztendlich nicht verhindern, dass vereinzelnd Fotos gemacht werden. Am Ende haben ein paar Besucher Fotos geschossen, andere wiederum nicht; die FIFA sollte die Bildrechte der einfachheitshalber abgeben.

Themen und Hintergründe

Der DFB setzt bei dem Museum auf Bilder, Videos, Töne und Emotionen, Hintergründe bleiben eher flach. Die weibliche Nationalmannschaft? Kurz angerissen. Fußball zur NS-Zeit? Unangenehmes Thema, schnell weiter. Bundesliga-Skandale? Aktueller DFB-Skandal? Kommerzialisierung? Ultras in den Stadien oder Hooligan-Problem? Nix, nix, nix, nix.

Absolut positiv hervorzuheben ist die Wahrheitsfindung vom Wembley-Tor 1966 in Form eines Scotland-Yard-Tatortes.

Sponsoring und Werbung

Es ist nichts neues, dass der DFB eng mit Sponsoren verknüpft ist. Das spült viel Geld in die Kassen.

Der Adidas-Vertrag soll dem DFB bis 2018 durchschnittlich rund 28 Millionen Euro pro Jahr einbringen.

Unternehmen wie Adidas oder Mercedes-Benz bekommen im Museum viel Werbefläche. Besonders die Logos von Adidas sind omnipräsent und treten schon fast vulgär auf. Für 17 € erfährt der Besucher alles über die neusten Adidas-Schuhe und Bälle. Für ein internationales – und bestenfalls neutrales – Fußballmuseum ist diese Anbiederung unwürdig, reflektiert aber den Ist-Zustand im Deutscher Fußball-Bund e.V.

Den Ausstellungsmachern des Deutschen Fußballmuseums ist ein Bus eingefallen, in dem die deutschen Spieler nach ihrer Rückkehr aus Brasilien genau 23 Minuten lang saßen, um von Tegel nach Moabit zu fahren und auf einen offenen Truck umzusteigen.

Dieser Bus wird nun ein „Herzstück“ der Ausstellung in Dortmund werden, wie das Museum und sein „Premium Partner“ Mercedes-Benz heute mitteilten. Diese Entscheidung ist nicht nur peinlich. Sie sagt auch viel darüber aus, was man leider von dem Museum erwarten muss.

Ein Vertreter von Mercedes wurde gestern mit der Aussage zitiert, der Bus sei „ein Stück Fußballgeschichte“. Nein, ist er nicht. Er ist ein Vehikel, um einem Sponsor Zugang zu einem Ort zu verschaffen, an dem er nichts zu suchen hat. In dieser Hinsicht hat das Exponat vielleicht sogar doch eine Berechtigung: als Symbol dafür, wie sehr sich der deutsche Fußball bei seinen Geldgebern angebiedert hat. (Quelle)

Weitere Quellen

  • http://www.manager-magazin.de/lifestyle/fitness/a-991688-2.html
  • http://www.welt.de/sport/article138075479/Erbitterter-Kampf-der-Ausruester-um-die-Nationalelf.html

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