Innerhalb eines Jahres hat sich China gewaltig verändert, so jedenfalls mein Eindruck. War eine Taxifahrt 2005 noch ein ständiges Hupen und Spurwechseln, ist es 2006 völlig anders: Die Fahrer fahren anständig, und die Hupe hört man nur selten. Alle Städte machen einen modernen, aufgeräumten und sehr sauberen Eindruck. (Vielleicht kommt uns das nach drei Wochen Indien auch nur so vor.) Spuckende und rotzende Chinesen sehen wir aber immer noch.
Die Taxipreise sind gestiegen, für uns aber immer noch sehr günstig. Das Angebot an illegalen CDs und DVDs scheint ebenfalls kleiner geworden zu sein. DVDs gibt es für 1 Euro, manche sogar für 80 Cent.
Peking
Der Beijing Capital International Airport ist komplett renoviert worden und sieht sehr schick aus. Es gibt Pringles-Chips aus Belgien, die 2,20 Euro kosten. Man hat den Eindruck, dass China sich für die Olympischen Spiele 2008 große Mühe gibt, sich gut zu präsentieren und den Besuchern nur das beste Bild vom Land zu zeigen. (Es ist vermutlich unfair, aber mich erinnert das an die Olympischen Spiele 1936 in Berlin.) Auch die Taxistände am Flughafen sind neu organisiert worden. Wo sich früher die Taxis knubbelten und um Fahrgäste stritten, gibt es jetzt eine ordentliche Schlange mit Taxis und Gästen. Über einen Festpreis wird nicht mehr verhandelt, das Taxameter ist Standard. So kommen wir zu einem guten Preis (70 CNYWährungseinordnung70 CNYReferenzkurs 10.10.20067,04 €Stand 08.10.20269,31 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert + 10 CNYWährungseinordnung10 CNYReferenzkurs 10.10.20061,01 €Stand 08.10.20261,33 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert Maut) in unser Hotel. Teurer geworden ist das Taxifahren in PekingPekingStadt / OrtChina39,9075° N · 116,39723° OHauptstadt Chinas, auch als Beijing bekannt. Die Einwohnerzahl umfasst das gesamte administrative Stadtgebiet, nicht nur den bebauten Stadtkern.Google Maps trotzdem: Die Fahrt beginnt bei 10 CNYWährungseinordnung10 CNYReferenzkurs 10.10.20061,01 €Stand 08.10.20261,33 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert, jeder weitere Kilometer kostet nun 2 CNYWährungseinordnung2 CNYReferenzkurs 10.10.20060,20 €Stand 08.10.20260,27 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert.
Wir haben im Poly PlazaPoly PlazaUnterkunftPeking · China39,9333° N · 116,42954° OHotel im Poly-Plaza-Komplex an der Dongzhimen South Avenue.Google Maps reserviert, einem Hotel, das – wie viele unserer späteren Hotels – den Taxifahrern unter seinem westlichen Namen nicht bekannt ist. Es dauert ein wenig, bis wir dem Fahrer klargemacht haben, wohin wir wollen. Das Poly Plaza ist ein feines Hotel und bietet freien Internetzugang, sogar mit eigenem Rechner und Bildschirm im Zimmer. Da haben wir eine gute Wahl getroffen.
Am nächsten Tag nehmen wir uns ein Taxi zum SommerpalastSommerpalastPalastPeking · China39,9975° N · 116,2689° OKaiserliche Garten- und Palastanlage Yiheyuan am Kunming-See; UNESCO-Welterbe.Google Maps , der weitläufigen kaiserlichen Gartenanlage rund um den Kunming-SeeKunming-SeeSeePeking · China39,99167° N · 116,27222° OKünstlich angelegter See im Sommerpalast Yiheyuan im Nordwesten Pekings; nicht ein See bei der Stadt Kunming.Google Maps im Nordwesten der Stadt. Die halbstündige Fahrt führt uns für rund 60 CNYWährungseinordnung60 CNYReferenzkurs 10.10.20066,03 €Stand 08.10.20267,98 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert über die gut ausgebauten Ringstraßen von der Innenstadt weit hinaus. Der Sommerpalast ist gut besucht. Der Eintritt von 30 CNYWährungseinordnung30 CNYReferenzkurs 10.10.20063,02 €Stand 08.10.20263,99 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert gilt für die Anlage, für weitere 30 CNYWährungseinordnung30 CNYReferenzkurs 10.10.20063,02 €Stand 08.10.20263,99 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert kann man alle Museen und Hallen besuchen. Die Aussicht vom Hügel der LanglebigkeitHügel der LanglebigkeitBerg oder GebirgePeking · China39,9983° N · 116,2692° OWanshou Shan im Sommerpalast Yiheyuan, mit Tempeln und Aussicht auf den Kunming-See.Google Maps ist großartig, zeigt aber auch, dass Beijing immer mehr zu einer Großstadt voller Hochhäuser wird.
Tianjin
Wie im letzten Jahr nehmen wir den Zug von Beijing nach TianjinTianjinStadt / OrtChina39,1250° N · 117,1950° ORegierungsunmittelbare Stadt südöstlich von Peking. Die Einwohnerzahl umfasst das gesamte administrative Stadtgebiet, nicht nur den bebauten Stadtkern.Google Maps (45 CNYWährungseinordnung45 CNYReferenzkurs 10.10.20064,52 €Stand 08.10.20265,99 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert). Mit dem Taxi (20 CNYWährungseinordnung20 CNYReferenzkurs 10.10.20062,01 €Stand 08.10.20262,66 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert Festpreis) fahren wir zum Hyatt Regency Tianjin (historischer Standort)Hyatt Regency Tianjin (historischer Standort)UnterkunftTianjin · ChinaFrüheres Hyatt Regency an der Jiefang North Road, 1986 eröffnet und 2009 geschlossen. Nicht der 2014 eröffnete Standort Tianjin East.Hyatt · Hyatt Regency — Ehemaliges Hyatt Regency; geschlossen 2009. Unsere Fahrerin kennt den Namen nicht, über Straße und Hausnummer finden wir dann aber hin. (Wir haben uns angewöhnt, nicht nur die Hotelnamen aufzuschreiben, sondern auch Straße, Hausnummer und Telefonnummer. In China kommt man mit westlichen Bezeichnungen viel schlechter weiter als etwa in Indien, wo man mit westlichen Namen vertrauter ist.) Der Weg ist kurz, eigentlich hätte der Taxi-Grundpreis von 8 CNYWährungseinordnung8 CNYReferenzkurs 10.10.20060,80 €Stand 08.10.20261,06 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert gereicht.
Beim Hyatt haben wir uns vom Namen anziehen lassen – und würden am liebsten gleich wieder ausziehen. Das Hotel ist relativ alt, in der Lobby riecht es unangenehm nach Essen, und das Internet ist mit 10 Euro pro Tag teuer. Da auch das Frühstück nicht inklusive ist, ist es ein teures Vergnügen ohne Spaß. Wir würden das Hotel nicht noch einmal buchen. Vermutlich lassen sich viele Gäste ebenfalls vom Namen locken, denn vor dem Hotel stehen die Autos der besseren Gesellschaft: Mercedes, BMW, ein Hummer H1, neue Nissans und so weiter. Ob die Gäste ihre Hotelwahl bereuen, fragen wir nicht.
Abends wollen wir ausgehen, und im Internet finde ich einen einzigen Hinweis: den DD Club. Ein Taxi bringt uns hin, doch den Club gibt es nicht mehr. Daraus ist ein einfaches KTV geworden, also eine Karaoke-Bar, und darauf haben wir keine Lust. Das Taxi fährt uns weiter zu einem anderen Club, der aber auch nur Karaoke bietet. Ein neuer Taxifahrer kennt eine bessere Gegend: Jiubadian. Dort gibt es die Disko Coco, die ganz nach unserem Geschmack ist. Zwar gibt es innerhalb einer Stunde gleich zwei Rangeleien mit fliegenden Biergläsern, nach denen ein paar betrunkene Chinesen hinausgeworfen werden, aber die Musik ist gut. Für einen Tisch müssen wir nichts zahlen, was sonst üblich ist.
Während der erste Tag in Tianjin einen wunderbar klaren Himmel hatte, ist der nächste Tag so diesig, dass wir mittags in die Sonne schauen können, ohne dass die Augen schmerzen. Trotzdem fahren wir zum Funk- und Aussichtsturm TianjinFunk- und Aussichtsturm TianjinTurmTianjin · China39,09194° N · 117,1750° ORadio- und Fernsehturm mit Aussichtsplattform im Süden Tianjins.Google Maps , der mit seinen 415 Metern mitten in einem künstlichen See steht, und kaufen Tickets für 100 CNYWährungseinordnung100 CNYReferenzkurs 10.10.200610,05 €Stand 08.10.202613,30 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert. Das ist natürlich völlig unsinnig, denn im Dunst kann man gerade mal zwei Blocks weit sehen. Das wissen auch alle anderen, und so sind wir außer dem Personal die einzigen Menschen auf dem Turm. Im Turm gibt es diverse Geschäfte, und in einem davon werden wir zu einer kostenlosen Verlosung eingeladen, an der man mit der Eintrittskarte teilnehmen darf. Ich habe Glück und darf mir ein Bild aussuchen. Ich freue mich schon, doch dann erfahren wir, dass das Bild zwar geschenkt ist, aber fest mit einem Rahmen verbunden ist, und der kostet ab 190 CNYWährungseinordnung190 CNYReferenzkurs 10.10.200619,10 €Stand 08.10.202625,27 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert. Ich nehme das Geschenk nicht an.
Kunming
Von Tianjin fliegen zwei Airlines nach KunmingKunmingStadt / OrtChina25,0464° N · 102,7094° O1900 m ü. NNHauptstadt der Provinz Yunnan. Die Einwohnerzahl umfasst das gesamte administrative Stadtgebiet, nicht nur den bebauten Stadtkern.Google Maps , doch zwei Tage vor unserer Weiterreise sind alle Plätze ausgebucht. Also fahren wir für 70 CNYWährungseinordnung70 CNYReferenzkurs 10.10.20067,04 €Stand 08.10.20269,31 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert mit dem Shuttlebus von Air China von Tianjin nach Beijing und nehmen von dort den dreistündigen Flug (plus 45 Minuten Verspätung). Als wir nachts in Kunming ankommen, geht das Taxispiel los, das wir schon von unserer letzten Reise kennen: Taxifahrer sprechen einen an und versuchen, einem einen teuren Pauschalpreis abzuluchsen. Wir gehen ein Stück weiter und suchen uns ein normales Taxi, das uns zum üblichen Preis zum Hotel bringt. Unsere Wahl ist auf das Kunming HotelKunming HotelUnterkunftKunming · ChinaHotel an der Dongfeng East Road im Bezirk Panlong. gefallen, und die ist gut. Das Frühstück ist inklusive und die Auswahl ausreichend. Der Internetzugang kostet wenig, funktioniert aber nicht reibungslos: Am ersten Abend kommen wir nach 20 Minuten ins Netz, am zweiten Tag klappt es gar nicht. Es stellt sich heraus, dass das Kabel defekt ist.
Kunming hat etwa 5 Millionen Einwohner und ist mir bisher die sympathischste Stadt in China. Sie liegt knapp 1900 m hoch und wegen des milden Klimas nennen die Chinesen sie „Stadt des ewigen Frühlings“. Viele Sehenswürdigkeiten gibt es nicht, aber mir gefällt die gut ausgebaute Innenstadt mit ihren Grünanlagen und dem kleinen Fluss. Recht zentral stehen die Ostpagode KunmingOstpagode KunmingTurmKunming · ChinaHistorische Dongsi-Pagode an der Shulin Street; gehört mit der Westpagode zu den alten Bauwerken Kunmings. und Westpagode KunmingWestpagode KunmingTurmKunming · ChinaHistorische Xisi-Pagode an der Dongsi Street; Gegenstück zur Ostpagode.. Sie gehen auf das 9. Jahrhundert zurück, als die Gegend zum Nanzhao-Reich gehörte, und zählen damit zu den ältesten Bauwerken der Stadt, auch wenn die Ostpagode nach einem Erdbeben im 19. Jahrhundert neu aufgebaut werden musste. Sehr schön ist der etwas außerhalb gelegene Black Dragon Park KunmingBlack Dragon Park KunmingPark oder SchutzgebietKunming · China25,14479° N · 102,74924° OPark mit Tempelanlagen und dem Schwarzen Drachenteich im Norden Kunmings; nicht der gleichnamige Park in Lijiang.Google Maps mit seinem Quellteich und alten taoistischen Tempeln. Viele Chinesen treffen sich dort zum Karten- und Brettspielen, für uns ist es nur zum Anschauen.
Das zweite große Ausflugsziel ist der Steinwald ShilinSteinwald ShilinNaturdenkmalKunming · China24,82528° N · 103,32361° OKalksteinformationen südöstlich von Kunming; Teil des UNESCO-Welterbes Südchinesischer Karst.Google Maps , beworben als einer der UNESCO-Geoparks. Die bizarren, oft über 20 m hohen Kalksteinsäulen sind aus ehemaligem Meeresboden entstanden, den Wasser über Jahrmillionen ausgewaschen hat. Mit dem Bus ist man etwa drei Stunden unterwegs, allerdings mit Zwischenstopps: Für 100 CNYWährungseinordnung100 CNYReferenzkurs 10.10.200610,05 €Stand 08.10.202613,30 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert pro Person bekommen wir unterwegs noch einen Tempelbesuch und zwei Geschäfte, die vor allem als Toilettenstopp dienen. Im Tempel sehen wir zum ersten Mal richtig dicke Räucherstäbchen, etwa 20 cm im Durchmesser. Ihre Rauchschwaden ziehen bis in den Wald und kratzen in den Augen. Der Eintritt in den Steinwald kostet für jeden noch einmal 100 CNYWährungseinordnung100 CNYReferenzkurs 10.10.200610,05 €Stand 08.10.202613,30 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert. Weil das Gelände in unseren drei Stunden kaum zu Fuß zu schaffen ist, nehmen wir uns für 200 CNYWährungseinordnung200 CNYReferenzkurs 10.10.200620,10 €Stand 08.10.202626,60 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert ein Elektroauto. Gefahren werden alle Elektroautos von Frauen in der Tracht der Sani, einer Volksgruppe der Yi, die rund um den Steinwald lebt. So können wir in einer ersten Runde bequem die Felsen bewundern und kommen am Ende der Fahrt zum Herzstück des Parks, dem Großen Steinwald. Dort gibt es viel zu klettern und zu sehen.
Lijiang
Nach LijiangLijiangStadt / OrtChina26,8552° N · 100,2259° O2400 m ü. NNStadt in Yunnan mit einer historischen Altstadt am Fuß des Jadedrachen-Schneebergs. Die Einwohnerzahl umfasst das gesamte administrative Stadtgebiet, nicht nur den bebauten Stadtkern.Google Maps kommt man entweder mit dem Flugzeug oder, wie wir, von Kunming aus mit dem Bus. Die Organisation ist unkompliziert: Beim Abendspaziergang kommen wir zufällig an einem kleinen Reisebüro vorbei (das auch Reisen nach Laos und Vietnam anbietet), das Bustickets verkauft. Morgens um 10 treffen wir uns vor dem Büro und fahren zum Busbahnhof, allerdings nicht zu demselben wie bei unserer Fahrt zum Steinwald. Der Bus für 185 CNYWährungseinordnung185 CNYReferenzkurs 10.10.200618,59 €Stand 08.10.202624,61 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert ist komfortabel, auch wenn die Toilette abgeschlossen ist, und wir halten mehrmals für Pinkelpausen und zum Essen. Landschaftlich interessant wird die Strecke für mich erst im letzten Drittel. Unterwegs kommen wir durch Dali, das auf den ersten Blick nicht besonders spannend wirkt; drei Engländer steigen dort aus. Immerhin liegt Dali schön am Erhai-See vor der Bergkette des Cangshan.
In Lijiang fährt unser Bus am gebuchten Hotel vorbei, und ich frage, ob wir schon aussteigen können. Andere sind auch schon vorher ausgestiegen, hatten aber kein Gepäck dabei. Man versteht mich nicht. Das macht aber nichts, denn zwei Sekunden später hält der Bus an seiner Endstation, direkt gegenüber dem Adange HotelAdange HotelUnterkunftLijiang · ChinaHotel an der Shangri-La Road in Lijiang.. Nach dem Check-in müssen wir feststellen, dass es im Zimmer keinen Internetanschluss gibt (auch kein WLAN) und dass das KTV nebenan laut dröhnt. Eine einzige Musikrichtung wäre vielleicht nicht schlimm, aber mehrere durcheinander ergeben ein ziemlich unschönes Klangbild.
Abends gehen wir zum Essen raus. Zwar sind die Hotelpreise für Essen und Wäsche sehr günstig, aber wir wollen etwas von der Stadt sehen. Um 22 Uhr haben die meisten Geschäfte allerdings schon geschlossen, nur ein paar „Restaurants“ in Garagen nehmen noch Gäste auf. Schließlich landen wir zum Essen in einem Hotel und staunen über die hohen Preise: Auf der Rechnung stehen eine Zwiebelsuppe für umgerechnet 3,80 Euro, Reis mit Ei für 4 Euro und eine Cola für 1,80 Euro.
Unglaublich laut ist auch die Disko Hou Jian, etwa drei Autominuten vom Hotel entfernt. In zwei Räumen läuft laute elektronische Musik, immer wieder unterbrochen von Ansagen des DJs. Das Publikum ist jung und tanzt ausgelassen. Einige Männer hüpfen mit freiem Oberkörper herum, wobei die Fettverteilung bei den Herren eher ungünstig ist und bei einer Frau bestimmt besser aussehen würde. Eine kleine ältere Frau drängt sich immer wieder an uns heran; offenbar hat jemand sie auf uns „angesetzt“. Wir sind die einzigen Westler und werden die ersten zehn Minuten auch entsprechend angeschaut. Einige grüßen uns. Nach weiteren 20 Minuten finden wir, dass der Abend in der Lokaldisko jetzt enden muss.
Bemerkenswert ist in Lijiang vor allem die Altstadt Dayan, die seit 1997 zum UNESCO-Welterbe gehört. Sie ist rund 800 Jahre alt und war lange das Handelszentrum der Naxi an der Tee-Pferde-Straße. Durch die Gassen mit ihren Pflastersteinen fließen kleine Kanäle, die vom Quellteich des Black Dragon PoolBlack Dragon PoolSeeLijiang · China26,887608° N · 100,233275° OQuellteich Heilongtan im Jade Spring Park nördlich der Altstadt Dayan; nicht der gleichnamige Park in Kunming.Google Maps am Stadtrand gespeist werden, und dazwischen stehen niedrige Holzhäuser mit geschwungenen Dächern. Eine Stadtmauer gibt es nicht. Der Legende nach wollte die Herrscherfamilie Mu keine, weil ihr Name in einem Rahmen das chinesische Schriftzeichen für „gefangen“ ergeben hätte. Ein Erdbeben richtete 1996 große Schäden in Lijiang an, die alten Holzhäuser überstanden es aber erstaunlich gut. Mitten in der Altstadt liegt der Marktplatz Sifang JieSifang JiePlatzLijiang · ChinaHistorischer Marktplatz im Zentrum der Altstadt Dayan. Nicht der gleichnamige Platz in Shuhe., und in den Gassen findet man noch die Dongba-Schrift der Naxi, eine der letzten Bilderschriften, die noch verwendet werden.
Die beliebten Ausflugsziele TigersprungschluchtTigersprungschluchtNaturdenkmalLijiang · China27,2300° N · 100,1400° OTiefe Schlucht des Jinsha-Flusses zwischen dem Jadedrachen- und dem Haba-Schneeberg.Google Maps und Jadedrachen-SchneebergJadedrachen-SchneebergBerg oder GebirgeLijiang · China27,09833° N · 100,1750° OGebirgsmassiv nördlich von Lijiang, auch als Yulong Snow Mountain bekannt.Google Maps teilen wir auf zwei Tage auf, denn beide liegen recht weit von Lijiang entfernt. Für die erste Tour nehmen wir ein Hoteltaxi für 450 CNYWährungseinordnung450 CNYReferenzkurs 10.10.200645,23 €Stand 08.10.202659,85 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert und fahren zuerst zum kleinen tibetisch-buddhistischen Kloster Yufeng MonasteryYufeng MonasteryKlosterLijiang · China26,99405° N · 100,196031° OBuddhistisches Kloster nördlich von Lijiang am Fuß des Jadedrachen-Schneebergs.Google Maps (20 CNYWährungseinordnung20 CNYReferenzkurs 10.10.20062,01 €Stand 08.10.20262,66 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert), das für seine uralte Kamelie bekannt ist, und dann zu einem See im Jade Water VillageJade Water VillagePark oder SchutzgebietLijiang · China27,00254° N · 100,1997° OKultur- und Ausflugsanlage Yushui Zhai nördlich von Lijiang mit Quellen und Wasserbecken.Google Maps (30 CNYWährungseinordnung30 CNYReferenzkurs 10.10.20063,02 €Stand 08.10.20263,99 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert), einem Dorf der Naxi. Das Wasser kommt direkt aus den Bergen und ist unglaublich klar. In einigen Becken werden Fische gehalten, und da wir zur Mittagszeit dort sind, bestellen sich einige Chinesen einen Fisch aus dem Teich, der gefangen, herumgetragen, fotografiert, gewogen und schließlich verspeist wird. Wir essen Suppe.
Das wichtigste Ziel des Tages ist aber der Schneeberg (160 CNYWährungseinordnung160 CNYReferenzkurs 10.10.200616,08 €Stand 08.10.202621,28 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert). Das Bergmassiv erreicht mit seinem höchsten Gipfel 5596 m und ist für die Naxi ein heiliger Berg. Mit der großen Seilbahn geht es hinauf auf gut 4500 m, wo man über Holzstege bis nah an den Gletscher laufen kann. Vorher bekommen wir rote Daunenjacken, und überall werden kleine Sauerstoffflaschen verkauft. Die Luft dort oben ist so dünn, dass man schon nach ein paar Stufen außer Atem ist.
Zum Schluss besuchen wir noch The Ancient Town of Shuhe, ein altes Naxi-Dorf wenige Kilometer nordwestlich von Lijiang, das früher eine Station an der alten Tee-Pferde-Straße nach Tibet war. Wir sehen dort allerdings vor allem Geschäfte, und dafür sollen wir auch noch 30 CNYWährungseinordnung30 CNYReferenzkurs 10.10.20063,02 €Stand 08.10.20263,99 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert Eintritt zahlen.
Tigersprungschlucht
Am zweiten Tag geht es zur Tigersprungschlucht. Dort hat sich der Jinsha Jiang, der Oberlauf des Jangtse, zwischen dem Jade Dragon Snow Mountain und dem Haba Snow Mountain fast 4000 m tief eingegraben. Der Legende nach soll an der engsten Stelle ein Tiger über den Fluss gesprungen sein, daher der Name.
Unterwegs halten wir am Lashi-SeeLashi-SeeSeeLijiang · China26,88333° N · 100,13333° OFlacher Hochlandsee Lashihai westlich von Lijiang. See und umliegende Feuchtgebiete sind ein wichtiger Rast- und Überwinterungsplatz für Wasservögel und seit 2004 Ramsar-Schutzgebiet.Google Maps , einem flachen Bergsee westlich von Lijiang, an dem im Winter viele Zugvögel rasten. Der Eintritt kostet 30 CNYWährungseinordnung30 CNYReferenzkurs 10.10.20063,02 €Stand 08.10.20263,99 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert. Dort werden Pferde zum Reiten angeboten, was allerdings teuer ist, und Bootsfahrten für 100 CNYWährungseinordnung100 CNYReferenzkurs 10.10.200610,05 €Stand 08.10.202613,30 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert pro Person.
Shenzhen
Anschließend führt uns die Reise weiter nach ShenzhenShenzhenStadt / OrtGuangdong · China22,5459° N · 114,0543° OStadt in Guangdong unmittelbar nördlich von Hongkong. Die Einwohnerzahl umfasst das gesamte administrative Stadtgebiet, nicht nur den bebauten Stadtkern.Google Maps , und der Kontrast zu Lijiang könnte kaum größer sein. Statt Holzhäusern und Bergen erwartet uns eine Stadt aus Glas und Beton direkt an der Grenze zu Hongkong. Noch um 1980 war Shenzhen ein unbedeutender Ort, dann wurde es zur ersten Sonderwirtschaftszone Chinas und wuchs in kaum mehr als 25 Jahren zur Millionenmetropole heran. Entsprechend modern, aber auch teurer ist hier vieles. Das merken wir schon beim Taxifahren: Mit 12,5 CNYWährungseinordnung12,5 CNYReferenzkurs 10.10.20061,26 €Stand 08.10.20261,66 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert Grundpreis und 2,4 CNYWährungseinordnung2,4 CNYReferenzkurs 10.10.20060,24 €Stand 08.10.20260,32 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert pro Kilometer sind die Taxis hier die teuersten der ganzen Reise.
Mit dem Taxi geht es dann vom Hauptbahnhof nach Dafen, einem Viertel etwas außerhalb des Zentrums, in dem Hunderte Maler Kopien berühmter Kunstklassiker malen. Ein großer Teil der weltweit verkauften Ölbild-Kopien soll von hier stammen. Wir kaufen eine Mona Lisa für 25 Euro und zwei Bilder von Vincent van Gogh (Sonnenblumen und Sternennacht) für je 4 Euro. Meine Sonnenblumen haben einen gelben Hintergrund, es gibt sie aber auch mit schlumpfblauem. Die Künstler passen den Farbton gern an. In einem Spiegel-Artikel habe ich gelesen, dass Europäer wegen ihrer hellen Wände die Bilder eher heller haben wollen, während Amerikaner dunklere Wände haben und die Bilder entsprechend dunkler bekommen.
Für den Abend haben wir uns etwas ganz anderes vorgenommen: den Club True Color. Mit einer sehr gut gemachten Webseite, einem Jazz-Restaurant, einem Raum mit Livemusik und einem Raum mit Disko lockt er uns nach Dongmen, dem alten Einkaufsviertel ein paar Autominuten vom Bahnhof entfernt. Der Club ist klasse, nur die Tanzfläche ist relativ klein. Am vollsten ist es gegen 1 Uhr, um 3 Uhr wird es deutlich leerer. An dem Abend sind zeitweise genauso viele Westler auf der Tanzfläche wie Asiaten, wobei sich die Chinesen besser benehmen und keine so peinliche Show abziehen. Musikalisch gibt es am Freitag mit einem westlichen DJ typische Club-Disko-Musik, und zwar ziemlich laut.
Nach Shenzhen führt uns die Reise weiter nach Hongkong; auch Macau gehört noch zu den letzten Stationen unserer fünf Wochen in Asien.