Luxemburg in der WeltAnimierter Globus, der sich auf Luxemburg ausrichtet und in derselben Kartenprojektion näher kommt.

Luxemburg

reisezeit
15.10.2026 – 18.10.2026

Die Anreise: Erst Wein, dann Wasser

Von Deutschland fahre ich mit dem Regionalexpress über KölnKölnStadt / OrtNordrhein-Westfalen · Deutschland50,938361° N · 6,959974° O56 m ü. NNGoogle Maps und TrierTrierStadt / OrtRheinland-Pfalz · Deutschland49,75565° N · 6,63935° O141 m ü. NNGoogle Maps an die Mosel, vorbei an Weinbergen bis nach WasserbilligWasserbilligStadt / OrtKanton Grevenmacher · Luxemburg49,716667° N · 6,5000° O132 m ü. NNGrenzort an der Mündung der Sauer in die Mosel, Ortsteil der Gemeinde Mertert.Google Maps , direkt an der luxemburgischen Grenze. Dort übernachte ich ein paar Tage.

Breiter Fluss vor einem steilen Hang mit Weinbergen und einem Dorf am Ufer
Die Mosel mit ihren Weinbergen, aus dem Zugfenster fotografiert. ·

Wasserbillig liegt an der Mündung der Sauer in die Mosel. Hier treffen die beiden Flüsse und die Grenze zu Deutschland aufeinander. Am ersten Abend leuchtet der Himmel über dem Ort in Orange und Rosa. Ein schöner Empfang, bevor in den nächsten Tagen noch viel Beton, Glas und europäische Verwaltung dazukommen.

Orange und rosa leuchtende Wolken über einer Straßenkreuzung mit Häusern und einem Kirchturm
Abendhimmel über Wasserbillig. ·

Bus und Tram: Gratis, laut und doppelstöckig

Während ich in Deutschland mit dem Deutschlandticket bis zur Grenze komme, wird es in Luxemburg noch einfacher: Busse, Tram und die zweite Klasse der Züge sind im ganzen Land kostenlos. Kein Ticketautomat, keine Tarifzonen, einfach einsteigen und losfahren.

Von Wasserbillig aus nutzen wir Züge und Busse, wobei die Busse am Wochenende nicht so häufig fahren. Die Fahrzeuge sind gepflegt, manche Doppeldecker so komfortabel und groß wie Reisebusse. Damit geht es zunächst zum Busbahnhof und von dort weiter.

Blick durch die große Frontscheibe aus dem Oberdeck eines Busses auf eine mehrspurige Kreuzung mit Ampeln und Autos
Ganz vorne im Oberdeck eines Doppeldeckers. ·

In der Tram T1 hört der Fahrer Musik. Nicht heimlich mit einem Ohrstöpsel, sondern so laut, dass man hinter seiner Kabine mithören kann. In Deutschland würde das vermutlich drei Beschwerden, ein Formular und eine Dienstanweisung nach sich ziehen. Hier sagt man mir, das sei bei den Fahrern üblich.

Lange, moderne Straßenbahn an einer überdachten Haltestelle mit Anzeigetafel für die Linie T1
Die Tram an einer Haltestelle. ·

Rauf und runter: Täler, Brücken und ein Aufzug

LuxemburgLuxemburgStadt / OrtKanton Luxemburg · Luxemburg49,611389° N · 6,1300° O300 m ü. NNHauptstadt des Großherzogtums auf einem Felsplateau über den Tälern von Alzette und Petruss; Altstadt und Festungsanlagen sind UNESCO-Welterbe.Google Maps ist eine Stadt auf mehreren Etagen, und wer sie zu Fuß erkundet, merkt schnell, wie groß die Höhenunterschiede sind. Die Oberstadt liegt auf einem Felsplateau, darunter verlaufen die Täler der Alzette und der Petruss. Dazwischen gibt es steile Hänge, alte Festungsmauern und erstaunlich viele Brücken. Was früher ein militärischer Vorteil war, macht den Stadtspaziergang heute zu einer Mischung aus Aussichtstour und Treppentraining. Die alten Stadtviertel und Festungsanlagen gehören seit 1994 zum UNESCO-Welterbe.

Zum Glück muss man nicht jede Höhenstufe zu Fuß bewältigen. Der Panoramaaufzug PfaffenthalPanoramaaufzug PfaffenthalPanoramaaufzugLuxemburg · Luxemburg49,615528° N · 6,130583° OGläserner Aufzug, der den Pescatore-Park in der Oberstadt mit dem 71 m tiefer gelegenen Pfaffenthal verbindet; kostenlos nutzbar.Google Maps verbindet den Pescatore-Park in der Oberstadt mit dem 71 Meter tiefer gelegenen Viertel. Die Aussicht gibt es gratis dazu. Für Touristen ist das bequem, für Menschen, die hier wohnen oder arbeiten, dürfte der Aufzug eine wichtige Alltagsverbindung sein.

Schlanker Betonturm mit verglaster Aussichtsplattform vor einer roten Stahlbrücke über ein herbstlich bewaldetes Tal
Der Panoramaaufzug ins Pfaffenthal, dahinter die rote Brücke zum Kirchberg. ·

Pfaffenthal und Grund liegen beide unten im Alzette-Tal, sind aber zwei verschiedene Viertel. Gerade im Grund wirkt Luxemburg stellenweise fast dörflich, obwohl wir mitten in der Hauptstadt sind. Kleine Häuser und enge Straßen liegen zwischen den steilen Hängen, während hoch darüber die Oberstadt mit ihren Befestigungen aufragt. Auch eine Outdoor-Fitnessanlage gibt es hier. Nach unseren Wegen bergauf und bergab haben wir allerdings schon genug trainiert. Vernünftige öffentliche Toiletten sind gleich nebenan, was bei einem längeren Stadtspaziergang durchaus erwähnenswert ist.

Einen besonders guten Blick auf den Grund hat man vom Chemin de la Corniche. Die Promenade verläuft oberhalb des Viertels entlang der alten Festungsmauern und wird gerne als „schönster Balkon Europas“ bezeichnet. Von hier oben schaut man auf die Häuser, die Alzette und die alten Befestigungen. Besonders gut sieht man, wie eng die verschiedenen Ebenen der Stadt zusammenliegen. Unten das fast dörfliche Grund, oben die Altstadt und dazwischen etliche Höhenmeter.

Dass die Stadt so viele Brücken hat, ist bei dieser Topografie kein Wunder. Wir laufen über einige davon. Die knallrote Brücke zum Kirchberg heißt offiziell Pont Grande-Duchesse CharlottePont Grande-Duchesse CharlotteBrückeLuxemburg · Luxemburg49,617778° N · 6,130833° ORote Stahlbrücke von 1966 über das Pfaffenthal, die die Stadt mit dem Kirchberg-Plateau verbindet.Google Maps . Sie wurde 1966 eingeweiht und verbindet die Stadt über das Pfaffenthal hinweg mit dem Kirchberg-Plateau. Damit wurde das damals neu erschlossene Gebiet besser erreichbar und konnte sich zu einem wichtigen Standort der europäischen Institutionen entwickeln.

Rote Stahlbrücke hoch über weißen Häusern, herbstlich gefärbten Bäumen und einem ruhigen Fluss
Unter der Pont Grande-Duchesse Charlotte im Pfaffenthal. ·

Besonders gefällt mir aber die Adolphe-BrückeAdolphe-BrückeBrückeLuxemburg · Luxemburg49,608314° N · 6,127072° OSteinbogenbrücke über das Petruss-Tal, 1900–1903 erbaut; seit 2017 mit einem Fuß- und Radweg unter der Fahrbahn.Google Maps mit ihrem eigenen Weg darunter, nur für Fußgänger und Radfahrer. Eine Brücke unter der Brücke, sozusagen. Die Steinbogenbrücke wurde zwischen 1900 und 1903 gebaut und war mit ihrem großen Bogen von rund 85 Metern Spannweite damals eine technische Sensation. Durch sie konnte sich die Stadt besser in Richtung Bahnhofsviertel ausdehnen. Der zusätzliche Fuß- und Radweg unter der Fahrbahn kam erst 2017 hinzu. Zwischen den alten Steinbögen hat man einen schönen Blick ins Petruss-Tal, während der Verkehr oben weiterrollt. Eine ziemlich gelungene Ergänzung.

Im Petruss-Tal sehen wir auch den Skatepark PéitrussSkatepark PéitrussSkateparkLuxemburg · Luxemburg49,606854° N · 6,132873° OSkatepark mit geschwungenen Betonbecken im Petruss-Tal unterhalb der Passerelle.Google Maps mit seinen geschwungenen Betonflächen und den hohen Brücken im Hintergrund. Dazu gehört die PasserellePasserelleViaduktLuxemburg · Luxemburg49,605837° N · 6,133611° OSteinerner Viadukt über das Petruss-Tal zwischen Oberstadt und Bahnhofsviertel, auch Luxemburger Viadukt genannt.Google Maps , die ältere Talbrücke mit ihrer langen Reihe schlanker Steinbögen. Sie verbindet die Oberstadt mit dem Bahnhofsviertel. Zusammen zeigen die Brücken, wie Luxemburg funktioniert: Wer von einem Plateau zum nächsten möchte, muss entweder tief hinunter und wieder hinauf oder eine Brücke nehmen. Wir sind jedenfalls froh, dass es davon genügend gibt.

Geschwungene Betonbecken eines Skateparks im Tal, dahinter ein Viadukt mit hohen Steinbögen
Der Skatepark Péitruss vor der Passerelle. ·

Der eigentliche Stadtkern von Luxemburg ist überraschend kompakt. Bei einer unserer Runden haben wir ihn mit ungefähr 10 000 Schritten umrundet. Mit dem Kirchberg und den Wegen durch die Täler werden es natürlich deutlich mehr. Alles wirkt ordentlich und aufgeräumt, und es gibt erstaunlich viele öffentliche Toiletten. Gerade wenn man den ganzen Tag zu Fuß unterwegs ist, weiß man das zu schätzen.

Palast und Pescatore: Pracht mit verschiedenen Aufgaben

Den Großherzoglicher PalastGroßherzoglicher PalastPalastLuxemburg · Luxemburg49,610889° N · 6,132833° ORenaissancebau in der Altstadt, ursprünglich Rathaus von 1572/73, seit 1890 Amtssitz des Großherzogs.Google Maps sehen wir natürlich von außen. Seine reich verzierte Renaissancefassade ist eindrucksvoll, trotzdem steht er erstaunlich selbstverständlich zwischen den Häusern und Restaurants der Altstadt. Der älteste Teil des heutigen Gebäudes wurde 1572/73 als Rathaus errichtet. Seit 1890 dient es als großherzoglicher Palast, in dem das Staatsoberhaupt offizielle Aufgaben wahrnimmt. Direkt daneben liegt die AbgeordnetenkammerAbgeordnetenkammerParlamentLuxemburg · Luxemburg49,610707° N · 6,133176° OSitz des luxemburgischen Parlaments direkt neben dem Großherzoglichen Palast.Google Maps . Monarchie und Parlament sind in Luxemburg unmittelbare Nachbarn.

Reich verzierte Sandsteinfassade mit Erkern und spitzen Türmchen, davor ein Wachhäuschen auf einem gepflasterten Platz
Die Renaissancefassade des Großherzoglichen Palasts. ·

Ein weiteres prächtiges Gebäude ist die Fondation J.-P. PescatoreFondation J.-P. PescatoreAltenheimLuxemburg · Luxemburg49,616274° N · 6,127779° ONeugotischer Bau in der Oberstadt, seit 1892 Altenheim aus dem Vermächtnis von Jean-Pierre Pescatore.Google Maps nahe dem Park und dem oberen Zugang zum Pfaffenthal-Aufzug. Auf den ersten Blick könnte man es ebenfalls für einen Palast halten, tatsächlich ist es aber seit 1892 ein Altenheim. Die Einrichtung geht auf das Vermächtnis von Jean-Pierre Pescatore zurück. Es handelt sich also nicht um einen ehemaligen Fürstensitz, der irgendwann zum Pflegeheim umgebaut wurde. Das Haus war von Anfang an für ältere Menschen gedacht. Wenn schon Ruhestand, dann mit einer solchen Fassade. Schade, dass man nicht hineingehen kann.

Großes neugotisches Sandsteingebäude mit Spitzgiebeln und Torbogen hinter einer Rasenfläche
Die Fondation J.-P. Pescatore. ·

Plätze mit Vorgeschichte: Cercle Cité und Knuedler

An der Place d’ArmesPlace d’ArmesPlatzLuxemburg · Luxemburg49,611372° N · 6,128958° OZentraler Platz der Oberstadt mit Cafés und dem Cercle Cité.Google Maps steht das Cercle CitéCercle CitéKultur- und VeranstaltungsortLuxemburg · Luxemburg49,61134° N · 6,12996° ORepräsentatives Gebäude an der Place d’Armes, heute Kultur- und Veranstaltungsort; 1953–1969 Tagungsort der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl.Google Maps . Die Fassade sieht beinahe aus, als würde sich dahinter eine weitere Regierung verbergen. Heute ist das Gebäude ein Kultur- und Veranstaltungsort. Ein Relief an der Fassade erinnert an Gräfin Ermesinde, die der Stadt 1244 einen Freiheitsbrief verlieh. Der war für die Entwicklung der städtischen Selbstverwaltung wichtig. Auch die europäische Geschichte hat hier Spuren hinterlassen: Von 1953 bis 1969 nutzte die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl das Gebäude für Sitzungen und Zusammenkünfte.

Historisches Gebäude mit Uhrengiebel, Rundbogenfenstern und Eckturm zwischen herbstlichen Bäumen, davor viele Menschen
Das Cercle Cité an der Place d’Armes. ·

Auf der Place Guillaume IIPlace Guillaume IIPlatzLuxemburg · Luxemburg49,610833° N · 6,130278° OPlatz in der Oberstadt, luxemburgisch Knuedler, mit Rathaus und Reiterstandbild Wilhelms II.Google Maps sehen wir das Rathaus LuxemburgRathaus LuxemburgRathausLuxemburg · Luxemburg49,610145° N · 6,130492° ORathaus an der Place Guillaume II, 1830–1838 überwiegend aus Steinen des abgetragenen Franziskanerklosters erbaut.Google Maps und das Reiterstandbild Wilhelms II.Reiterstandbild Wilhelms II.DenkmalLuxemburg · Luxemburg49,610685° N · 6,131298° OReiterdenkmal für Wilhelm II., König der Niederlande und Großherzog von Luxemburg, auf der Place Guillaume II.Google Maps . Der Platz heißt auf Luxemburgisch auch Knuedler, ein Name, der auf die Knoten in den Gürteln der Franziskanermönche zurückgeht. Ihr Kloster stand früher an dieser Stelle, und als zwischen 1830 und 1838 das Rathaus gebaut wurde, verwendete man überwiegend Steine des abgetragenen Klosters. Der Wilhelm auf dem Pferd war König der Niederlande und zugleich Großherzog von Luxemburg. Das Denkmal erinnert auch an die Verfassung von 1848.

Kirchberg: Europa zum Durchlaufen

Auf dem Kirchberg bekommt Luxemburg ein anderes Gesicht. Breite Straßen, Tram, große Glasfassaden und Gebäude, in denen europäische Politik vorbereitet, übersetzt und verwaltet wird. Vor dem Konrad-Adenauer-GebäudeKonrad-Adenauer-GebäudeEU-GebäudeLuxemburg · Luxemburg49,621344° N · 6,147644° OGebäude auf dem Kirchberg mit den in Luxemburg ansässigen Dienststellen des Europäischen Parlaments.Google Maps fotografieren wir den großen EUROPA-Schriftzug. Das Gebäude beherbergt die in Luxemburg ansässigen Dienststellen des Europäischen Parlaments. Hier arbeiten Teile der Verwaltung, die den Parlamentsbetrieb unterstützen.

Große blaue Buchstaben EUROPA mit Sternenkranz im O vor einem Bürogebäude mit gelben und grünen Fassadenteilen
Der EUROPA-Schriftzug vor dem Konrad-Adenauer-Gebäude. ·

Dass es nach dem Was-kümmert-mich-mein-Geschwätz-von-gestern-Kanzler benannt ist, passt schon. Konrad Adenauer gehörte schließlich zu den Wegbereitern der europäischen Einigung. Am 18. April 1951 unterzeichnete er in Paris den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). 1957 folgten die Römischen Verträge, mit denen die EWG und Euratom gegründet wurden.

Auch damals war keineswegs jeder begeistert. Wirtschaftsminister Ludwig Erhard bevorzugte eine Freihandelszone für ganz Europa und stand der engeren wirtschaftlichen Integration skeptisch gegenüber. 1963 schloss Adenauer mit Charles de Gaulle den Élysée-Vertrag, der zu einem wichtigen Meilenstein der deutsch-französischen Aussöhnung wurde. Sie ist bis heute eine Grundlage der europäischen Integration. Das hat „Der Alte“ gut gemacht.

Im Europäischen Gerichtshof hinter den goldenen Fassaden

Beim Gerichtshof der Europäischen UnionGerichtshof der Europäischen UnionGerichtLuxemburg · Luxemburg49,620896° N · 6,141171° OSitz des Gerichtshofs der EU auf dem Kirchberg mit goldfarbenen Türmen und Sitzungssälen für Verfahren in allen 24 Amtssprachen.Offizielle Website Google Maps bleibt es nicht beim Blick von außen. Es ist Tag der offenen Tür, und wir können uns das Gebäude auch von innen ansehen. Wir kommen in Sitzungssäle mit langen Tischreihen, Mikrofonen und Arbeitsplätzen für Dolmetscher. Auf den Fotos wechseln sich Holz, rotes Gestühl, goldene Flächen und großzügige Flure ab. Dazwischen hängen Kunstwerke, sogar ein Kronleuchter ist dabei. Alles wirkt ziemlich feierlich, muss im Alltag aber vor allem funktionieren.

Langgestrecktes Gebäude mit goldbraunen Fassadenlamellen, davor ein weiter Vorplatz mit weißen Zelten
Der Gerichtshof am Tag der offenen Tür. ·

Der Gerichtshof sorgt dafür, dass EU-Recht in allen Mitgliedstaaten einheitlich ausgelegt und angewandt wird. Nationale Gerichte können ihm Fragen zum europäischen Recht vorlegen. Der Gerichtshof klärt dann die Auslegung, und das nationale Gericht entscheidet seinen Fall auf dieser Grundlage. So kann ein einzelner Rechtsstreit Auswirkungen weit über die Grenzen eines Landes hinaus haben. Die Geschichte des Gerichtshofs reicht bis 1952 und zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl zurück.

Besonders interessant finde ich die Mehrsprachigkeit. Der Gerichtshof arbeitet mit allen 24 Amtssprachen der EU. Für die Verfahren gelten feste Sprachregeln, während die Richter untereinander auf Französisch beraten. Entsprechend viel Übersetzungs- und Dolmetscharbeit steckt hinter den Verfahren. Die Technik in den Sitzungssälen ist deshalb kein Luxus, sondern notwendig, damit alle Beteiligten einander verstehen und ihre Rechte wahrnehmen können. KI hält auch hier langsam Einzug in die Übersetzungsarbeit.

Eine unangenehme Begegnung gibt es allerdings auch. Als ich die Männertoilette benutze, kommen zwei schwarze Frauen vom Reinigungspersonal herein, offenbar um die Toiletten zu kontrollieren oder zu reinigen. Ich bin ein Mann auf einer Männertoilette, und plötzlich stehen Frauen im Raum. Das empfinde ich als übergriffig. Dass Reinigungskräfte ihre Arbeit machen müssen, ist selbstverständlich. Aber eine Männertoilette sollte auch ein geschützter Raum für Männer sein, genauso wie Frauen auf einer Frauentoilette ihre Privatsphäre erwarten dürfen. Gerade im Europäischen Gerichtshof, wo es um Rechte und Regeln geht, hätte ich mehr Sensibilität dafür erwartet.

Ein Garten für die Sprachen

Dazu passt der Jardin du MultilinguismeJardin du MultilinguismeGartenLuxemburg · Luxemburg49,622944° N · 6,143028° OÖffentlicher Garten der Mehrsprachigkeit zwischen den EU-Gebäuden auf dem Kirchberg, eröffnet am 9. Mai 2023.Google Maps , der Garten der Mehrsprachigkeit, der am Europatag, dem 9. Mai 2023, eröffnet wurde. Zwischen den Gebäuden der europäischen Institutionen ist hier ein öffentlicher Garten entstanden, der sich mit der sprachlichen Vielfalt beschäftigt. Stelen und eine Dolmetschkabine zeigen, was normalerweise hinter den Fassaden der europäischen Einrichtungen geschieht. Eine gute Idee, das Thema Mehrsprachigkeit einmal nicht nur in Konferenzsälen zu behandeln.

Skulptur aus aufgetürmten bunten Steinen auf einer Wiese vor einem dunklen Hochhaus
Im Jardin du Multilinguisme. ·

Nationalbibliothek

Auch in die Bibliothèque nationale du LuxembourgBibliothèque nationale du LuxembourgNationalbibliothekLuxemburg · Luxemburg49,629254° N · 6,165592° ONationalbibliothek Luxemburgs; der Neubau auf dem Kirchberg wurde 2019 bezogen.Offizielle Website Google Maps auf dem Kirchberg gehen wir. Von außen wirkt das Gebäude eher zurückhaltend, innen öffnet sich ein heller Lesebereich über mehrere Ebenen, mit viel Holz, Arbeitsplätzen und langen Bücherregalen. Großartiges Design und Typografie.

Im Regal für Programmiersprachen entdecke ich dann mein eigenes Buch, „Java ist auch eine Insel“. Es freut mich natürlich, in der Nationalbibliothek eines anderen Landes auf meine eigene Arbeit zu stoßen. Überrascht bin ich allerdings über die Ausgabe: Die ist bestimmt schon zehn Jahre alt.

Die Bibliothèque nationale du Luxembourg geht auf eine öffentliche Bibliothek von 1798 zurück. Ihren Neubau auf dem Kirchberg bezog sie 2019. Sie sammelt und bewahrt das veröffentlichte Kulturerbe Luxemburgs und ist gleichzeitig eine wissenschaftliche Bibliothek. Gerade in einem kleinen Land mit mehreren Sprachen ist das eine besondere Aufgabe. Literatur und Forschung erscheinen in unterschiedlichen Sprachen, gehören aber zur gemeinsamen Geschichte des Landes.

Philharmonie: Ein Wald aus weißen Säulen

Die Philharmonie LuxembourgPhilharmonie LuxembourgKonzerthausLuxemburg · Luxemburg49,618494° N · 6,142089° OKonzerthaus von Christian de Portzamparc auf dem Kirchberg, umgeben von 823 weißen Säulen.Offizielle Website Google Maps sehen wir von außen, direkt gegenüber unserer Tram-Haltestelle. Das runde, helle Gebäude mit seinen vielen schlanken weißen Säulen fällt zwischen den Bürogebäuden sofort auf. Architekt Christian de Portzamparc hat das Konzerthaus mit 823 Säulen umgeben. Sie wirken ein wenig wie ein lichter Wald und bilden einen Übergang zwischen Straße und Gebäude. Für einen Konzertbesuch müssten wir noch einmal wiederkommen.

Rundes Gebäude hinter einer dichten Reihe schlanker weißer Säulen unter grauem Himmel
Die Philharmonie mit ihren weißen Säulen. ·

Parks: Platz zum Spielen

Zwischen den ganzen repräsentativen Gebäuden gibt es erfreulich viel Platz für andere Dinge. Im Stadtpark kommen wir am Piratenschiff-SpielplatzPiratenschiff-SpielplatzSpielplatzLuxemburg · Luxemburg49,610586° N · 6,123056° OSpielplatz im Stadtpark mit großem Holzschiff, Wasserläufen, Steinen und Sand.Google Maps vorbei, mit einem großen Holzschiff, Wasserläufen, Steinen und Sand statt abgesperrtem Zierrasen. Luxemburg hat das Geld.

Spielplatz mit hölzernem Schiff, Sandflächen und flachen Steinen zwischen Büschen und Bäumen
Der Piratenschiff-Spielplatz im Stadtpark. ·

Dass rund um die Oberstadt überhaupt so viel Grün vorhanden ist, hat historische Gründe. Nach dem Londoner Vertrag von 1867 wurden große Teile der Festungsanlagen geschleift. Wo vorher militärische Befestigungen standen, entstanden neue Stadtviertel, Parks und Promenaden. Heute kann man hier spazieren gehen, ohne ständig zwischen Autos unterwegs zu sein.

Sprachen: Etwas von allem

Auf Speisekarten und Schildern dominiert Französisch. Daneben begegnen uns Luxemburgisch, Deutsch, Englisch und Portugiesisch. Luxemburgisch ist die Nationalsprache, während Französisch, Deutsch und Luxemburgisch gesetzlich geregelte Aufgaben im öffentlichen Leben haben. Dazu kommen die vielen Menschen mit portugiesischen Wurzeln und die Grenzpendler aus Deutschland, Frankreich und Belgien.

Gezeichneter Stadtplan in einem Schaukasten mit der Überschrift Pafendall
Stadtplan des Pfaffenthals, auf Luxemburgisch Pafendall. ·

Wer hier welche Sprache spricht, lässt sich im Vorbeigehen kaum feststellen. Es sind einfach zu viele Pendler und Touristen unterwegs. Luxemburgisch höre ich in der Hauptstadt erstaunlich selten. Gerade tagsüber merkt man, wie international der Arbeitsalltag in diesem kleinen Land ist.

Verbraucherpreise

Die Preise liegen bei unseren Besuchen etwas über dem Niveau, das ich aus Deutschland kenne. Eine erfreuliche Ausnahme ist der Döner, der ungefähr so viel kostet wie zu Hause. Flammkuchen gehört ebenfalls zu meinen kulinarischen Erfahrungen dieser Reise. Der stammt zwar eher aus dem Elsass, schmeckt aber trotzdem. Und das zählt.

Ein Blick auf typische Preise im Restaurant bestätigt den Eindruck: Fast alles kostet in Luxemburg etwas mehr, beim einfachen Essen im Restaurant sind es gleich ein paar Euro. Die Ausnahme ist die Fahrt mit Bus und Tram, die gar nichts kostet.

Restaurant- und Fahrpreise in Luxemburg und Deutschland – Oktober 2026

Durchschnittspreis in Euro

Nicht alles ist in Luxemburg teurer. Zigaretten, Kraftstoff, Heizöl, Bus und Bahn und vor allem Strom und Gas kosten weniger als in Deutschland. Auch die Mehrwertsteuer ist niedriger: Der Normalsatz liegt in Luxemburg bei 17 Prozent, in Deutschland bei 19 Prozent. Beim Strom hat das auch politische Gründe: Als die Energiepreise 2022 stark stiegen, hielt der luxemburgische Staat die Strompreise für Haushalte in den Jahren 2023 und 2024 auf dem Niveau von 2022 und übernahm die Mehrkosten. Seit Januar 2026 trägt er zudem einen großen Teil der Netzentgelte. Die Stromsteuer für Haushalte liegt in Luxemburg ohnehin auf dem EU-Mindestsatz von 0,1 Cent je Kilowattstunde. In Deutschland zahlen Haushalte weiterhin 2,05 Cent; die Senkung auf den Mindestsatz gilt seit Januar 2026 nur für Industrie, Land- und Forstwirtschaft. Darauf warten wir als Privatkunden immer noch. Wer Kaffee im Supermarkt kauft, spart in Luxemburg zumindest die deutsche Kaffeesteuer von 2,19 Euro je Kilogramm Röstkaffee. Im Café merkt man davon allerdings nichts: Der Cappuccino ist dort sogar etwas teurer.

Was in Luxemburg günstiger ist als in Deutschland – 2026

Durchschnittspreis in Euro je angegebener Einheit

Zigaretten: gewichteter durchschnittlicher Verkaufspreis am 1. Januar 2026 laut Taxes in Europe Database der EU-Kommission. Kraftstoff und Heizöl: Durchschnittspreise einschließlich Steuern vom 19. Oktober 2026 laut Weekly Oil Bulletin. Strom und Erdgas: Eurostat, Haushaltspreise einschließlich Steuern und Abgaben im ersten Halbjahr 2026, mittlerer Verbrauch (nrg_pc_204, nrg_pc_202).

Quelle: EU-Kommission, Weekly Oil Bulletin

Was ich verpasse: Die Liste fürs nächste Mal

Trotz der vielen Stationen bleibt einiges für einen weiteren Besuch. Was noch auf dem Programm steht:

  • Kasematten am Bock: Die unterirdischen Gänge der alten Festung von innen erkunden.
  • Abtei Neumünster: Das ehemalige Kloster im Grund als Kulturzentrum genauer kennenlernen.
  • Standseilbahn Pfaffenthal–Kirchberg: Das Gegenstück zum Panoramaaufzug. Natürlich ebenfalls gratis.
  • Kathedrale Notre-Dame: Mit der Gruft der großherzoglichen Familie.
  • Gëlle Fra: Das goldene Denkmal mit Blick über das Petruss-Tal.
  • Echte luxemburgische Küche: Judd mat Gaardebounen (geräucherter Schweinenacken mit dicken Bohnen), Gromperekichelcher (Kartoffelpuffer) und Rieslingspaschtéit. Der Flammkuchen bekommt Konkurrenz.
  • Crémant oder Moselwein: Wenn ich schon an all den Weinbergen vorbeifahre, sollte ich den Wein auch probieren.
  • Ein Ausflug ins Umland: Etwa nach Vianden mit seiner Burg oder ins Müllerthal, die „Kleine Luxemburger Schweiz“.
  • Mudam und ein Konzert in der Philharmonie: Nach der Architektur auch Kunst und Musik erleben.

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Erwähnte Orte in Luxemburg

19 Positionen aus den Reiseberichten.

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  1. Panoramaaufzug PfaffenthalPanoramaaufzug
  2. Pont Grande-Duchesse CharlotteBrücke
  3. Adolphe-BrückeBrücke
  4. Skatepark PéitrussSkatepark
  5. PasserelleViadukt
  6. Großherzoglicher PalastPalast
  7. AbgeordnetenkammerParlament
  8. Fondation J.-P. PescatoreAltenheim
  9. Place d’ArmesPlatz
  10. Cercle CitéKultur- und Veranstaltungsort
  11. Place Guillaume IIPlatz
  12. Rathaus LuxemburgRathaus
  13. Reiterstandbild Wilhelms II.Denkmal
  14. Konrad-Adenauer-GebäudeEU-Gebäude
  15. Gerichtshof der Europäischen UnionGericht
  16. Jardin du MultilinguismeGarten
  17. Bibliothèque nationale du LuxembourgNationalbibliothek
  18. Philharmonie LuxembourgKonzerthaus
  19. Piratenschiff-SpielplatzSpielplatz

land kompakt

Auf einen Blick

Hauptstadt
Luxemburg
Staatsform
Parlamentarische konstitutionelle Monarchie (Großherzogtum)
Währung
Euro (€)
Fläche
ca. 2600 km²
Bevölkerung
ca. 0,68 Mio. (2024)
Sprachen
Luxemburgisch, Französisch und Deutsch
Religionen
Christlich geprägt (46 % katholisch); großer konfessionsloser Anteil
Stromsystem
230 V · 50 Hz · Steckertyp C/F
Telefonvorwahl
+352
Zeitzone
MEZ (UTC+1) · MESZ (UTC+2)
BIP pro Kopf (nominal)
ca. 130 000 € (2025)
Lebenserwartung
83,2 Jahre (2024)

klima

Temperatur & Niederschlag

Luxemburg · Klimanormal 1991–2020 (NASA POWER / MERRA-2)

Mittlere Monatstemperatur und mittlerer Monatsniederschlag für Luxemburg20°10010°500°0JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
● Temperatur (°C)▮ Niederschlag (mm)

tageslicht

Helle Stunden im Jahreslauf

7.9–16.1 Std. Tageslicht · 49,8° N

Sonnenaufgang und Sonnenuntergang im Jahreslauf für Luxemburg06121824JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Helle Fläche: Tageslicht · Mittlerer Monatstag · solare Ortszeit