Aegean Airlines bringt mich für 105 EUR von Athen nach IstanbulIstanbulStadt / OrtTürkei41,0082° N · 28,9784° O39 m ü. NNGoogle Maps . Zu diesem Zeitpunkt hat die Stadt zwei große internationale Flughäfen: den Atatürk Airport auf der europäischen und den Flughafen Istanbul-Sabiha Gökçen auf der asiatischen Seite. Gleichzeitig ist im Norden der europäischen Seite bereits ein neuer Großflughafen geplant. Ich lande am Atatürk Airport und fahre zunächst mit der M1A, dann mit der T1 nach Sultanahmet im Stadtteil Fatih. Der öffentliche Nahverkehr ist für mich das beste Verkehrsmittel in dieser riesigen Stadt, auch wenn die Bahnen zu Stoßzeiten rappelvoll sind.
Mit rund 14 Millionen Einwohnern wirkt Istanbul weniger wie eine einzelne Stadt als wie mehrere Städte, die ineinander übergehen. Einen eindeutigen Mittelpunkt gibt es kaum. Sultanahmet ist für meinen Aufenthalt trotzdem eine gute Wahl: Hier liegt die historische Halbinsel, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind zu Fuß erreichbar, und mit der T1 komme ich schnell Richtung Eminönü, Karaköy und Kabataş.
Ich wohne im Sultanahmet Park HotelSultanahmet Park HotelHotelIstanbul · Türkei41,0058° N · 28,9750° OGoogle Maps , nur wenige Minuten von der Haltestelle entfernt. Das Zimmer kostet 41 EUR pro Nacht inklusive Frühstück. Unten hängt zwar ein Preis von 200 EUR aus, was ich kaum glauben kann. Das Hotel ist in Ordnung, das Zimmer elegant eingerichtet, nur etwas klein. Von hier sehe ich sogar die Blaue Moschee. Im Fernseher gibt es mehr als 300 Programme, darunter ZDF und RTL II. Beim Durchzappen stoße ich auf Ranga Yogeshwar, der die Funktionsweise von Sonnencreme erklärt. Darüber liegt eine türkische Tonspur. Istanbul empfängt mich also mit einer ziemlich eigenartigen Mischung aus Weltstadt, Geschichte und deutschem Wissenschaftsfernsehen.
Altstadt: Sultanahmet, Hagia Sophia und Topkapı
Der nächste Tag ist mein Altstadt-Tag. Ich beginne mit der Sultan-Ahmed-Moschee (Blaue Moschee)Sultan-Ahmed-Moschee (Blaue Moschee)MoscheeIstanbul · Türkei41,0054° N · 28,9768° OGoogle Maps , besser bekannt als Blaue Moschee. Sultan Ahmed I. lässt sie zu Beginn des 17. Jahrhunderts errichten; ihr Inneres ist mit mehr als 20 000 İznik-Fliesen geschmückt. Auch die sechs Minarette machen sie unverwechselbar. Ich komme allerdings zur Unzeit: Es ist Gebetsstunde, für Besucher ist die Moschee vorübergehend geschlossen.
Direkt davor liegt der ehemalige Hippodrom-PlatzHippodrom-PlatzHistorische StätteIstanbul · Türkei41,0058° N · 28,9751° OGoogle Maps , im antiken Konstantinopel die große Pferderennbahn und ein Zentrum des öffentlichen Lebens. Heute stehen hier mehrere Monumente aus völlig unterschiedlichen Epochen. Der Deutscher BrunnenDeutscher BrunnenBrunnenIstanbul · Türkei41,0058° N · 28,9769° OGoogle Maps , ein Geschenk Kaiser Wilhelms II., wird gerade renoviert. Daneben ragt der Obelisk des TheodosiusObelisk des TheodosiusObeliskIstanbul · Türkei41,0057° N · 28,9755° OGoogle Maps auf: Der Granitobelisk stammt ursprünglich aus Ägypten und wird bereits unter Pharao Thutmosis III. aufgestellt, bevor Kaiser Theodosius I. ihn im 4. Jahrhundert nach Konstantinopel bringen lässt. Wenige Schritte weiter steht die SchlangensäuleSchlangensäuleAntikes DenkmalIstanbul · Türkei41,0058° N · 28,9753° OGoogle Maps , ein antikes Siegesdenkmal aus Delphi. Schon auf diesem einen Platz liegen Jahrtausende Geschichte dicht nebeneinander.
Von der Blauen Moschee sehe ich bereits die Hagia SophiaHagia SophiaMuseum und BauwerkIstanbul · Türkei41,0086° N · 28,9802° OGoogle Maps . Der heutige Bau entsteht in erstaunlich kurzer Zeit zwischen 532 und 537 unter Kaiser Justinian I. und wird zur Hauptkirche des Byzantinischen Reiches. Nach der osmanischen Eroberung Konstantinopels 1453 wird sie zur Moschee. In den 1930er-Jahren erfolgt die Umwandlung in ein Museum; genau als solches besuche ich sie jetzt. Der Eintritt kostet 25 TRYWährungseinordnung25 TRYReferenzkurs 19.11.20139,17 €Stand 08.10.20260,45 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert.
Die Dimensionen sind schwer zu erfassen. Die riesige Kuppel spannt sich über einem Innenraum, der gleichzeitig massiv und erstaunlich leicht wirkt. Besonders faszinieren mich die byzantinischen Mosaiken, die zwischen den späteren osmanischen Elementen sichtbar werden. Ohne Führung bleiben viele Details allerdings abstrakt. Unten läuft auf einem Fernseher eine Dokumentation, die etwas hilft. Und immer wieder ziehen deutschsprachige Reisegruppen vorbei. Ich stelle mich gelegentlich dazu und schnappe ein paar zusätzliche Informationen auf.
Hinter der Hagia Sophia beginnt das Gelände des Topkapı-PalastTopkapı-PalastPalastmuseumIstanbul · Türkei41,0115° N · 28,9833° OGoogle Maps . Der Palast entsteht nach der osmanischen Eroberung Istanbuls und ist rund vier Jahrhunderte lang Residenz und Verwaltungszentrum der Sultane. Schon die Anlage mit ihren vier großen Höfen wirkt eher wie eine kleine Stadt als wie ein einzelnes Schloss. Der Eintritt kostet wieder 25 TRYWährungseinordnung25 TRYReferenzkurs 19.11.20139,17 €Stand 08.10.20260,45 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert. Ich will den Automaten nutzen, um die Schlange zu umgehen, doch der nimmt maximal 50 TRYWährungseinordnung50 TRYReferenzkurs 19.11.201318,33 €Stand 08.10.20260,91 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert-Scheine und keinen Hunderter. Ein Schokokuchen löst das Problem: Ich kaufe einen, bekomme Wechselgeld und kann endlich mein Ticket ziehen.
In den Räumen und Pavillons sehe ich Schmuck, Porzellan, Gewänder, Handschriften, Porträts und Waffen aus dem Osmanischen Reich. Besonders bekannt ist die Schatzkammer; außerdem werden in den sogenannten Heiligen Reliquien Gegenstände aufbewahrt, die der islamischen Überlieferung nach mit dem Propheten Mohammed und anderen religiösen Gestalten verbunden sind. Dazu gehören auch Haare, die als Barthaare des Propheten verehrt werden. Die Mischung aus Regierungssitz, Wohnbereich, Schatzhaus und religiösem Symbolort macht den Palast spannender, als ich zunächst erwarte.
Mit der T1 fahre ich anschließend bis KabataşKabataşStraßenbahn- und FährstationIstanbul · Türkei41,0318° N · 29,0056° OGoogle Maps und laufe die kräftige Steigung hinauf zum TaksimTaksimMetrostationIstanbul · Türkei41,0369° N · 28,9850° OGoogle Maps und zum Gezi-ParkGezi-ParkStadtparkIstanbul · Türkei41,0390° N · 28,9870° OGoogle Maps . Seit den Protesten im Sommer 2013 ist der kleine Park weltweit bekannt. Die Auseinandersetzung entzündet sich an Plänen, an dieser Stelle eine Rekonstruktion der früheren osmanischen Topçu-Kaserne zu errichten und das Gelände kommerziell zu nutzen. Wenn man hier steht, fällt vor allem auf, wie wenig Grün es im dicht bebauten Zentrum gibt. Der Park selbst ist nicht groß, aber gerade deshalb wirkt die Vorstellung, ihn weiter zu bebauen, ziemlich absurd.
Am Taksim-Platz beginnt die İstiklal Caddesi, eine der bekanntesten Fußgängerstraßen der Stadt. Rundherum reihen sich Geschäfte, Lokale und erstaunlich viele Dönerstände aneinander. Gefühlt steht alle paar Meter ein Spieß, meist für 5 TRYWährungseinordnung5 TRYReferenzkurs 19.11.20131,83 €Stand 08.10.20260,09 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert. Ich laufe bergab Richtung Karaköy und weiter zur Galatabrücke.
Die Galatabrücke überspannt das Goldene Horn und verbindet Karaköy mit Eminönü. Oben stehen Angler dicht an dicht am Geländer, darunter liegen Restaurants und Cafés mit Blick aufs Wasser. Rund um die Anlegestellen fahren Fähren und Ausflugsboote ab. Auf der Eminönü-Seite liegen außerdem die schwimmenden Küchen, an denen Balık Ekmek, also Fisch im Brot, verkauft wird. Das wird offenbar gern genommen.
Auf dem Weg zurück Richtung Hotel liegen der Ägyptische Basar beziehungsweise Gewürzbasar und später der Große Basar. Der Gewürzbasar ist kompakter und stärker auf Gewürze, Süßigkeiten, Tee und Trockenfrüchte ausgerichtet; der Große Basar ist dagegen ein Labyrinth aus überdachten Gassen, Schmuckläden, Teppichhändlern, Lederwaren und Souvenirs. Ganz trennscharf ist das Angebot für mich trotzdem nicht.
Die Dreharbeiten zu Skyfall, dem damals neuesten James-Bond-Film, sind hier noch Gesprächsthema. Ein Teil der Verfolgungsjagd entsteht im und am Großen Basar sowie auf den Dächern der Altstadt. Händler beklagen, dass Geschäfte für Dreharbeiten schließen müssen, und auch beschädigte Dachziegel sorgen für Ärger. Ob alle Geschichten genau so stimmen, kann ich nicht prüfen; zum Charakter des Basars passen sie jedenfalls ausgezeichnet.
Marmaray und die Einkaufszentren
Für die Wege dieses Tages nutze ich Marmaray, die M4 und M2 sowie die Metrobüs.
Auf dieser Route liegen außerdem die Einkaufsziele KozzyKozzyEinkaufszentrumIstanbul · Türkei40,9784° N · 29,0932° OGoogle Maps , KanyonKanyonEinkaufszentrumIstanbul · Türkei41,0800° N · 29,0100° OGoogle Maps , Istanbul SapphireIstanbul SapphireWolkenkratzerIstanbul · Türkei41,0850° N · 29,0060° OGoogle Maps und Forum IstanbulForum IstanbulEinkaufszentrumIstanbul · Türkei41,0460° N · 28,8960° OGoogle Maps .
Heute wird mein Tag für Metro und Malls. Vor allem möchte ich Marmaray ausprobieren, die gerade erst eröffnete Bahnverbindung unter dem Bosporus. Der neue Abschnitt verbindet Europa und Asien durch einen Eisenbahntunnel unter der Meerenge. Dass das System noch frisch ist, merke ich sofort: Nicht einmal alle Netzpläne zeigen die Verbindung zuverlässig.
Auf meinem Plan steht SirkeciSirkeciBahnhof und MetrostationIstanbul · Türkei41,0140° N · 28,9760° OGoogle Maps als Station, und dorthin komme ich von Sultanahmet bequem mit der T1. Als ich ankomme, ist es allerdings merkwürdig still. Die neue Marmaray-Station ist noch nicht für Fahrgäste geöffnet. Die Touristeninformation nebenan erklärt mir, dass ich zurück Richtung AksarayAksarayMetrostationIstanbul · Türkei41,0119° N · 28,9490° OGoogle Maps fahren und von dort zum Bahnhof YenikapıYenikapıMetrostationIstanbul · Türkei41,0054° N · 28,9520° OGoogle Maps laufen soll. Also wieder in die T1. Die Ausschilderung hilft, aber ein wirklich eleganter Anschluss sieht anders aus.
Für Marmaray brauche ich ein neues Ticket; meine roten Jetons gelten hier nicht. Die Strecke kostet nur 3 TRYWährungseinordnung3 TRYReferenzkurs 19.11.20131,10 €Stand 08.10.20260,05 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert. Die Züge sind neu, sauber und fahren zügig. Unter dem Bosporus bekomme ich von der eigentlichen technischen Leistung natürlich wenig mit, aber genau das ist das Bemerkenswerte: In wenigen Minuten verschwindet Europa hinter mir und ich bin in Asien.
Mir gegenüber sitzt ein kleiner Junge, der sich ungeniert in der Hose kratzt. Ich frage mich kurz, ob eine Beschneidung noch nicht lange zurückliegt. Auf der asiatischen Seite steige ich an der damaligen Endstation AyrılıkçeşmeAyrılıkçeşmeMetrostationIstanbul · Türkei40,9974° N · 29,0450° OGoogle Maps aus. Monitore im Bahnhof erklären das Marmaray-Projekt, und auf Satellitenbildern ist die Tunnelroute unter dem Bosporus eingezeichnet.
In AyrılıkçeşmeAyrılıkçeşmeMetrostationIstanbul · Türkei40,9974° N · 29,0450° OGoogle Maps steige ich in die Metro M4 um und fahre Richtung KozyatağıKozyatağıMetrostationIstanbul · Türkei40,9928° N · 29,0965° OGoogle Maps . Mein Ziel ist das Einkaufszentrum Kozzy. Von der Metrostation ist es weiter entfernt, als ich erwarte, und ich muss eine ganze Weile laufen. Besonders aufregend finde ich die Mall nicht. Das Kino im oberen Bereich ist dafür auffällig präsent und hat eine gute Posterwand.
Mit der M4 fahre ich zurück nach ÜnalanÜnalanMetrostationIstanbul · Türkei41,0008° N · 29,0662° OGoogle Maps und laufe zum Metrobüs-Anschluss UzunçayırUzunçayırMetrobüsstationIstanbul · Türkei40,9953° N · 29,0627° OGoogle Maps . Auch hier gilt wieder ein eigenes Tarifsystem. Für die Fahrt Richtung Şişli/Mecidiyeköy zahle ich 4 TRYWährungseinordnung4 TRYReferenzkurs 19.11.20131,47 €Stand 08.10.20260,07 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert. Der Metrobüs ist im Grunde ein Bussystem mit weitgehend eigener Fahrspur und deshalb trotz des dichten Verkehrs erstaunlich schnell. Ein Bus folgt auf den nächsten. Weil die Linie den Bosporus überquert und wichtige Wohn- und Geschäftsviertel verbindet, ist sie entsprechend voll.
In MecidiyeköyMecidiyeköyMetrostationIstanbul · Türkei41,0678° N · 29,0005° OGoogle Maps wechsle ich zur Metro M2 und fahre nach LeventLeventMetrostationIstanbul · Türkei41,0796° N · 29,0120° OGoogle Maps . Dort liegen gleich mehrere große Einkaufszentren. Das Metrocity finde ich eher langweilig. Deutlich interessanter ist Kanyon. Der Komplex ist kein klassischer geschlossener Kasten, sondern öffnet sich in geschwungenen Ebenen wie eine künstliche Schlucht. Für diese Architektur erhält Kanyon 2006 den Cityscape Architectural Review Award in der Kategorie „Commercial Built“. Die Rundungen erinnern mich stellenweise an den Todesstern aus Star Wars. Unten sitzt natürlich auch ein Starbucks. Die Kette ist in Istanbuls Malls kaum zu übersehen.
Etwa einen Kilometer weiter liegt Akmerkez in Etiler. Das Einkaufszentrum wird 1995 vom International Council of Shopping Centers als bestes Shoppingcenter Europas ausgezeichnet und erhält 1996 auch eine internationale Auszeichnung als weltweit bestes Center. Wenn ich heute durch die Gänge laufe, kann ich die Begeisterung kaum nachvollziehen. Es wirkt auf mich wie eine ziemlich normale, eher gehobene Mall. Aber wahrscheinlich muss man die Architektur mit den Augen der frühen 1990er-Jahre betrachten.
Danach laufe ich zurück Richtung Levent. Laut TripAdvisor soll hier ein Hochhaus mit guter Aussichtsplattform stehen. Ich suche und suche, finde aber nichts. Das gesuchte Gebäude dürfte das Istanbul Sapphire sein; der Turm mit Aussichtsplattform steht bei 4. Levent, also eine Metrostation weiter. Meine Karte ist an dieser Stelle jedenfalls keine große Hilfe. Schade.
Also fahre ich zurück nach Şişli/Mecidiyeköy zum Istanbul Cevahir. Bei seiner Eröffnung 2005 gilt es nach vermietbarer Fläche als größtes Einkaufszentrum Europas; inzwischen gehört es immer noch zu den großen Malls der Stadt. Das zentrale Atrium, die Glasdecke und die riesige Uhr machen deutlich mehr Eindruck als Metrocity oder Akmerkez.
Mit der M2 will ich anschließend Richtung ŞişhaneŞişhaneMetrostationIstanbul · Türkei41,0286° N · 28,9744° OGoogle Maps zurückfahren. In TaksimTaksimMetrostationIstanbul · Türkei41,0369° N · 28,9850° OGoogle Maps steigen jedoch alle aus. Ich überlege kurz und bleibe sitzen. Schlechte Idee: Der Zug fährt wieder zurück. Mist. Also raus, Bahnsteig wechseln und noch einmal nach Taksim. Warum die Verbindung an diesem Tag nicht durchgehend fährt, verstehe ich nicht.
Von Taksim nehme ich die F1-Standseilbahn hinunter nach KabataşKabataşStraßenbahn- und FährstationIstanbul · Türkei41,0318° N · 29,0056° OGoogle Maps . Sie überwindet die starke Steigung zwischen Bosporusufer und Taksim in wenigen Minuten. Nicht zu verwechseln ist sie mit dem historischen Tünel auf der anderen Seite des Hügels: Diese kurze unterirdische Bahn verbindet Karaköy mit Beyoğlu und ist bereits seit 1875 in Betrieb. Damit gehört sie zu den ältesten unterirdischen Stadtbahnen der Welt. Eigentlich schade, dass ich sie heute nicht mehr schaffe.
Von Kabataş fahre ich wie gewohnt mit der T1 zurück nach Sultanahmet. Die Bahn ist so voll, dass kaum noch jemand hineinpasst. Als ich endlich im Hotel ankomme, reicht es mir mit öffentlichen Verkehrsmitteln für diesen Tag.
Ein oder zwei Stunden später gehe ich trotzdem noch einmal um den Block und bestelle in einem kleinen Restaurant einen Salat. Der Wirt hat eine Familie zu Gast, die offenbar gut gegessen hat, und zeigt sich ausgesprochen spendabel. Er klettert auf einen Stuhl, holt kleine Figuren und andere Gimmicks von der Decke und schenkt sie dem Kind. Den Eltern ist diese Geschenkorgie sichtbar unangenehm. Mir wäre sie es auch.
Auch ich bekomme ungefragt eine kleine Vorspeise, später eine Süßigkeit und zum Abschluss Tee. Die Familie möchte längst zahlen, doch der Wirt ignoriert die Rechnung erst einmal und legt lieber noch ein Geschenk nach. Schließlich verabschiedet er Mann und Kind mit Küssen, die Frau nicht, kassiert und lässt sie ziehen. Bei mir fällt diese ausführliche Abschiedszeremonie zum Glück aus.
Letzter Tag: Zisterne, Bosporus und Forum İstanbul
Auf diesem letzten Tag besuche ich die BosporusBosporusMeerengeIstanbul · Türkei41,0600° N · 29,0500° OGoogle Maps und sehe vom Wasser aus den Dolmabahçe-PalastDolmabahçe-PalastPalastIstanbul · Türkei41,0391° N · 29,0006° OGoogle Maps , die Rumeli HisarıRumeli HisarıFestungIstanbul · Türkei41,0847° N · 29,0560° OGoogle Maps und den MädchenturmMädchenturmTurm auf einer InselIstanbul · Türkei41,0211° N · 29,0041° OGoogle Maps .
Es ist Samstag, mein letzter voller Tag, und drei Punkte stehen noch auf meiner Liste. Die Stadt ist deutlich voller, viele Touristen sind unterwegs. Mein erstes Ziel ist die Basilika-Zisterne, auf Türkisch Yerebatan Sarnıcı und oft „Versunkener Palast“ genannt. Sie liegt nur wenige Schritte von Hagia Sophia und Sultanahmet entfernt. Der Eintritt kostet 10 TRYWährungseinordnung10 TRYReferenzkurs 19.11.20133,67 €Stand 08.10.20260,18 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert.
Die riesige unterirdische Zisterne stammt aus der Zeit Kaiser Justinians I. und ruht auf 336 Marmorsäulen. Das gedämpfte Licht, die Spiegelungen im Wasser und die scheinbar endlosen Säulenreihen erzeugen eine Kulisse, die tatsächlich eher wie ein Palast als wie ein Wasserspeicher wirkt. Berühmt sind die beiden Medusenhäupter, die als Säulenbasen verwendet werden. Eines liegt seitlich, eines steht auf dem Kopf.
Leer ist es hier keineswegs. Das merke ich spätestens am permanenten Blitzlicht. Fotografieren ist zwar untersagt, aber weder Besucher noch Aufsicht nehmen das besonders ernst. Ich kenne die Zisterne vor allem aus James Bond: Sie spielt eine Rolle in „Liebesgrüße aus Moskau“. Im Film wirkt der Raum durch Kameraführung und Schnitt noch größer als in Wirklichkeit.
Ein Aufenthalt in Istanbul ohne Fahrt auf dem Bosporus fühlt sich unvollständig an. Rund um Eminönü und die Galatabrücke legen regelmäßig Ausflugsboote ab; meine Fahrt kostet 10 TRYWährungseinordnung10 TRYReferenzkurs 19.11.20133,67 €Stand 08.10.20260,18 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert und dauert ungefähr zwei Stunden. Vom Wasser aus sortiert sich die Stadt plötzlich neu. Auf der europäischen Seite ziehen der Dolmabahçe-Palast, der Çırağan-Palast und die Ortaköy-Moschee vorbei. Danach geht es unter der ersten Bosporusbrücke hindurch weiter nach Norden.
Je weiter wir fahren, desto grüner werden die Ufer. Villen und Holzhäuser ziehen sich die Hänge hinauf, in kleinen Buchten liegen Boote und Jachten. Stellenweise erinnert mich das an den Zürichsee, stellenweise sogar an eine Hangstraße in Heidelberg. Vor der zweiten Bosporusbrücke liegt die mächtige Festung Rumeli Hisarı, die Sultan Mehmed II. 1452 zur Vorbereitung der Eroberung Konstantinopels errichten lässt. In diesem Bereich dreht unser Boot um.
Die Paläste und Uferhäuser sehen vom Wasser großartig aus. Von hier wirken manche Anlagen schwer erreichbar, auch wenn viele natürlich über Straßen, Busse oder Fähren angebunden sind. Im Wasser treiben Quallen; außerdem sehe ich Boote, die Müll aus dem Bosporus sammeln. Auf dem Rückweg passieren wir den Mädchenturm beziehungsweise Kız Kulesi vor Üsküdar. Er steht auf einer winzigen Insel am südlichen Bosporuseingang. Hübsch ist die Lage auf jeden Fall; mehrere Stunden müsste ich dort trotzdem nicht verbringen.
Nach der Ankunft auf der anderen Seite der Galatabrücke kaufe ich mir für 5 TRYWährungseinordnung5 TRYReferenzkurs 19.11.20131,83 €Stand 08.10.20260,09 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert ein Fischbrot und fahre anschließend mit Metro und Straßenbahn zum Forum İstanbul. Der riesige Einkaufs- und Freizeitkomplex gehört zu den größten Malls der Stadt. Schon auf dem Weg sehe ich IKEA und die damals dort vertretenen Großmärkte. Wenn man in Istanbul nur eine moderne Megamall sehen möchte, ist das Forum für mich die bessere Wahl als Metrocity oder Akmerkez. Die Dimensionen sind tatsächlich beeindruckend.
Abreise
Mein Rückflug nach Düsseldorf kostet 200 € und startet am nächsten Morgen um 11 Uhr. Ich verlasse das Hotel um 8 Uhr. Es gibt günstige Airport-Shuttles für 7 €, die ich gern nehmen würde, aber die Zeiten passen nicht: Einer fährt um 7 Uhr, der nächste erst um 10 Uhr. Ein Taxi soll etwa 50 TRYWährungseinordnung50 TRYReferenzkurs 19.11.201318,33 €Stand 08.10.20260,91 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert kosten, ein Privattransfer 90 TRYWährungseinordnung90 TRYReferenzkurs 19.11.201333,00 €Stand 08.10.20261,63 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert. Also nehme ich wieder den öffentlichen Nahverkehr. Für ungefähr 6 TRYWährungseinordnung6 TRYReferenzkurs 19.11.20132,20 €Stand 08.10.20260,11 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert komme ich zurück zum Atatürk Airport, die Fahrt dauert etwa eine Stunde.
Am Flughafen entdecke ich bei Turkish Airlines einen separaten Schalter für Reisende mit Handgepäck. Natürlich steht der ganz hinten und ist nicht besonders auffällig. Zeit sollte man am Atatürk Airport ohnehin einplanen: Passkontrolle, Sicherheitskontrolle und die Wege zum Gate dauern in diesem großen Terminal eine Weile.
Ich habe noch genau 11 TRYWährungseinordnung11 TRYReferenzkurs 19.11.20134,03 €Stand 08.10.20260,20 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert und möchte sie loswerden. In einem Laden entdecke ich Pralinen mit einem Preisschild „11“ und denke: perfekt. An der Kasse stellt sich heraus, dass 11 € gemeint sind, nicht 11 TRYWährungseinordnung11 TRYReferenzkurs 19.11.20134,03 €Stand 08.10.20260,20 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert. Warum in einem türkischen Flughafen ausgerechnet nur Euro am Schild stehen, verstehe ich nicht. Beim Airport-Shuttle ist mir dasselbe aufgefallen. Also wandern die Pralinen zurück ins Regal. Stattdessen kaufe ich einen Kaffee für 9 TRYWährungseinordnung9 TRYReferenzkurs 19.11.20133,30 €Stand 08.10.20260,16 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert. 2 TRYWährungseinordnung2 TRYReferenzkurs 19.11.20130,73 €Stand 08.10.20260,04 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert bleiben übrig. Damit kann ich leben.
Was ich bei einem nächsten Besuch noch ansehen würde
Rüstem-Pascha-Moschee: Die kleine Moschee liegt nahe dem Gewürzbasar in Tahtakale und ist ein Werk des osmanischen Stararchitekten Mimar Sinan. Von außen wirkt sie vergleichsweise unscheinbar; berühmt ist vor allem ihr Innenraum mit außergewöhnlich vielen İznik-Fliesen.
Haseki Hürrem Sultan Hamamı: Das historische Bad liegt direkt zwischen Hagia Sophia und Blauer Moschee. Mimar Sinan entwirft es im 16. Jahrhundert im Auftrag von Hürrem Sultan, der Ehefrau Süleymans des Prächtigen. Wer ein traditionelles Hamam in historischer Umgebung erleben möchte, findet kaum eine zentralere Adresse.
Süleymaniye-Moschee: Sie fehlt mir auf dieser Reise ebenfalls. Die große Moschee von Mimar Sinan liegt auf einem der Hügel über dem Goldenen Horn und verbindet monumentale osmanische Architektur mit einem weiten Blick über die Stadt.