Reisen mit dem Wohnmobil

Vor rund 20 Jahren verkaufe ich meine Mercedes-E-Klasse und kaufe mir ein Wohnmobil, einen TEC. Ein paar Jahre später geht das Unternehmen insolvent.

Was mich damals geritten hat, weiß ich nicht mehr genau. Vom Prestige her ist das ein überschaubarer Fortschritt, vom Volumen her ein enormer. Ein Fazit lässt sich nach zwei Jahrzehnten jedenfalls ziemlich belastbar ziehen.

Ein Auto mit Bett und Toilette

Als fahrendes Hotel benutze ich das Wohnmobil nie ernsthaft. Unterwegs begegne ich immer wieder Leuten, die mir erklären, welche Route besonders schön sei, die Atlantikroute zum Beispiel. Gefahren bin ich sie nie. Für mich ist das Wohnmobil im Wesentlichen ein Auto mit Bett und Toilette. Die häufigste Route führt dann wohl zum Campingplatz in Zandvoort in den Niederlanden.

Ich fahre ohnehin nicht besonders gerne Auto, und Hunderte Kilometer durch Europa machen die Sache nicht besser. Die praktischste Eigenschaft ist deshalb das Bett an Bord: Wenn ich keine Lust mehr habe weiterzufahren, kann ich mich einfach hinlegen. Ein Komfort, den selbst die bessere Ausstattungslinie einer E-Klasse nicht bietet.

Übernachten und improvisieren

Auf Campingplätzen übernachte ich selten, meistens irgendwo in einer 30er-Zone. In Deutschland ist das in dieser Form nicht unbedingt legal. Erwischt werde ich nie, was vermutlich keine juristisch belastbare Rechtfertigung darstellt.

Der viel gepriesene Vorteil, in landschaftlich schöne Regionen zu fahren und dort einfach zu bleiben, bleibt bei mir weitgehend ungenutzt. Dafür ist das Wohnmobil ein hervorragend übergroßes Auto: Als ich mein Museum aufbaue, lassen sich Kisten voller Computer und Konsolen problemlos transportieren. Ein Wohnmobil ist zwar kein Lieferwagen, aber mit genügend Pragmatismus lässt sich dieser Unterschied erstaunlich lange ignorieren.

Größe, Verbrauch und Tempo

Der größte Nachteil ist, wenig überraschend, die Größe. In viele Parkhäuser komme ich gar nicht erst hinein, in Innenstädten brauche ich schnell zwei Parkplätze hintereinander. Und genau diese beiden freien Parkplätze warten selbstverständlich nur selten geduldig nebeneinander auf ein Wohnmobil. Die größere Fläche bringt auch mit sich, dass es mehr Platz für Beulen gibt.

Dazu kommt der höhere Verbrauch, den ich allerdings nicht überbewerte. Bei etwa 90 km/h komme ich mit rund zehn Litern auf 100 Kilometer aus. Sparsam ist das nicht, für ein rollendes Einzimmerapartment aber vertretbar. Ich merke auch, dass ich mit einer Geschwindigkeit von 90 km/h viele Lkw-Fahrer aufhalte, die gerne 93 km/h fahren möchten und deshalb von meiner festen Tempomat-Geschwindigkeit genervt sind.

Fazit

Bereut habe ich den Kauf trotzdem nicht. Bis auf ein, zwei Jahre mit Firmenwagen ist das Wohnmobil fast immer mein einziges Auto.

Inzwischen bin ich gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, und Reisen jenseits von Europa finde ich schlicht interessanter. Also werde ich es bald verkaufen und mir kein neues mehr kaufen. Ich mag das Fahrzeug, den Grundriss finde ich nach wie vor hervorragend, aber nach 20 Jahren mit Bett, Küche und Toilette auf Rädern darf das nächste Auto vielleicht einfach wieder nur Auto sein.