Taiwan: Taipei, Taichung und Tainan

ortTaipei

landTaiwan

datum

lesezeit6 min

höhe10 m

reisezeit
18.10.2005 – 27.10.2005

Dieser Reisebericht beschreibt unseren Aufenthalt in Taiwan vom 18. bis zum 27. Oktober 2005, den Abschluss unserer fünfwöchigen Reise durch Ostasien.

Im Januar 2020 war ich ein zweites Mal in Taiwan, allerdings nur für einen kurzen Zwischenstopp am Flughafen Taoyuan, wo ich in einer kleinen Schlafkabine übernachtete.

Die Reisetage setzen die Zählung unserer gesamten Ostasienreise fort.

Anreise nach Taiwan

Ankunft

Es regnet schon wieder, als wir Japan verlassen, aber diesmal stört uns das kaum: Wir reisen weiter nach Taiwan. Der Flug dauert ungefähr vier Stunden. Nach den kühlen und verregneten Tagen in Tokio wirkt die Ankunft wie ein kleiner Klimasprung. In Taiwan ist es warm und trocken, und schon beim Aussteigen fühlt sich die Reise wieder nach Südostasien an.

Ein Bekannter, Ma, holt uns am Flughafen ab. Eigentlich lebt er in Tübingen, ist aber für einige Wochen bei seiner Familie in Taiwan, weil seine Hochzeit bevorsteht. Wir fahren zur Wohnung seiner Eltern, in der auch sein Bruder mit Frau und Kind lebt. Die Wohnung ist nicht besonders groß, trotzdem gibt es ein Gästezimmer für uns. Nach Hotels, Rezeptionen und ständig wechselnden Zimmern ist es ungewohnt, für einige Tage in einem privaten Haushalt unterzukommen. Gleichzeitig bekommen wir dadurch einen Blick auf den Alltag, den ein klassischer Hotelaufenthalt kaum bieten würde.

Abends auf dem Nachtmarkt

Am Abend schlägt Ma vor, mit uns auf einen Nachtmarkt zu gehen. Akustisch verstehe ich zunächst „Nacktmarkt“ und frage sicherheitshalber nach. Nein: Nachtmarkt. Anders wäre auch interessant. Wenig später stehen wir zwischen Verkaufsständen, Essen, Kleidung, Früchten und dichtem Abendbetrieb.

Nachtmärkte gehören in Taiwan nicht nur zum touristischen Programm, sondern zur Alltags- und Esskultur. Viele Märkte werden erst am späten Nachmittag richtig lebendig. Zwischen kleinen Garküchen, mobilen Ständen und Geschäften wird gegessen, eingekauft und gebummelt. Typische Snacks unterscheiden sich von Region zu Region; gerade deshalb geben Nachtmärkte einen guten Einblick in lokale Gewohnheiten und Geschmäcker.

Bei unserem Besuch zeigt sich aber auch die improvisierte Seite solcher Märkte. Plötzlich geht eine Warnung durch die Reihen. Händler beginnen hektisch, Waren einzupacken und Stände zu räumen. Offenbar ist Polizei oder eine andere Kontrolle im Anmarsch, und nicht jeder Verkauf scheint vollständig legal oder genehmigt zu sein. Innerhalb weniger Augenblicke verändert sich die Szene. Was eben noch dicht belegt ist, wird zusammengeschoben oder verschwindet.

Für uns ist das ein spannender erster Abend. Kleidung ist günstig zu bekommen, bei internationalen Marken sieht es anders aus: Eine Levi’s kostet ungefähr so viel wie in Deutschland. Interessanter sind die Lebensmittel. Zwischen den Ständen liegen Früchte, die ich noch nie gesehen oder gegessen habe. Taiwan beginnt für uns damit nicht mit einem großen Wahrzeichen, sondern mit Gerüchen, Stimmen, Essen und einem Markt, der sich vor unseren Augen immer wieder neu sortiert.

Als grobe Kopfrechnung verwenden wir ein Preisverhältnis von ungefähr 1 € zu 40 TWDWährungseinordnung40 TWDReferenzkurs 18.10.20051,00 €Stand 08.10.20261,12 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert. Das reicht, um beim Blick auf Speisekarten und Preisschilder schnell ein Gefühl für die Beträge zu bekommen.

Alltag statt Pflichtprogramm (Reisetage 25–26)

Frühstück und erste Eindrücke

Am nächsten Morgen beginnt der Tag anders als in unseren Hotels: Zum Frühstück gibt es Reis. Nach mehreren Wochen in Asien überrascht uns das eigentlich nicht mehr, aber es markiert trotzdem den Wechsel. Frühstück ist hier nicht automatisch Brot, Käse oder Cornflakes, sondern kann genauso gut aus warmem Reis und herzhaften Speisen bestehen.

In den öffentlichen Verkehrsmitteln und an Stationen begegnen uns englische Hinweise: „Mind the gap!“. Solche kleinen Details erleichtern die Orientierung, auch wenn wir sprachlich ansonsten deutlich stärker auf Ma und andere Helfer angewiesen sind.

Taichung (Reisetage 27–28)

Ein Tag auf dem Campus

Wir fahren nach TaichungTaichungStadt / OrtTaiwan24,1477° N · 120,6736° O84 m ü. NNGroßstadt im Westen Taiwans.Google Maps und verbringen den Tag an einer Universität. Und wir treffen andere Deutsche. Nach den vielen Tagen, an denen wir fast ausschließlich mit Einheimischen, Reisenden oder Guides unterwegs sind, ist es ungewohnt, plötzlich wieder mehrere deutsche Stimmen um uns herum zu hören.

TaichungTaichungStadt / OrtTaiwan24,1477° N · 120,6736° O84 m ü. NNGroßstadt im Westen Taiwans.Google Maps liegt im Westen der Insel und ist eines der großen urbanen Zentren Taiwans. Die Stadt entwickelt sich besonders im 20. Jahrhundert zu einem wichtigen Verkehrs-, Wirtschafts- und Kulturstandort. Ihre zentrale Lage macht sie zu einem natürlichen Knotenpunkt zwischen dem Norden und dem Süden der Insel.

Der Universitätsbesuch verändert auch unsere Art zu reisen. Wir laufen nicht nur Sehenswürdigkeiten ab, sondern sehen Vorlesungsgebäude, studentischen Alltag und Unterkünfte. Für uns ergibt sich sogar die Möglichkeit, in einem Studentengästezimmer zu übernachten. Damit tauschen wir die private Familienunterkunft gegen eine zweite Form des Alltagslebens: Campus statt Hotel.

Den folgenden Tag verbringen wir weiter in Taichung.

Tainan (Reisetag 29)

Die historische Seite Taiwans

Unsere nächste Station ist TainanTainanStadt / OrtTaiwan22,9998° N · 120,2269° O19 m ü. NNHistorische Stadt im Süden Taiwans.Google Maps ; sie gilt als die älteste Stadt der Insel und war über lange Zeit das politische und wirtschaftliche Zentrum Taiwans. Im 17. Jahrhundert befand sich hier die niederländische Kolonialbasis Fort Zeelandia; nach der Vertreibung der Niederländer durch Zheng Chenggong, im Westen meist als Koxinga bekannt, blieb die Region ein zentrales Machtzentrum. Auch unter der Qing-Herrschaft war Tainan lange Verwaltungssitz.

Damit unterscheidet sich die Bedeutung Tainans stark von der moderneren Hauptstadt Taipei. Wer Tainan besucht, bewegt sich in einer Stadt, in der viele Schichten taiwanischer Geschichte dicht beieinanderliegen: niederländische Kolonialgeschichte, chinesische Einwanderung, Tempelkultur und die spätere Entwicklung unter japanischer Herrschaft.

Für unseren Reiseverlauf bedeutet Tainan zugleich den südlichsten Punkt. Innerhalb weniger Tage haben wir damit von der Hauptstadtregion über das zentrale Taichung bis in den historischen Süden sehr unterschiedliche Seiten der Insel gesehen.

Zurück nach Taipei (Reisetag 30)

Rückkehr in den Norden

TaipeiTaipeiStadt / OrtTaiwan25,0330° N · 121,5654° O10 m ü. NNHauptstadt und politisches Zentrum Taiwans.Google Maps ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Taiwans. Die Stadt ist im Vergleich zu Tainan natürlich deutlich moderner und stärker von ihrer Rolle als Hauptstadt geprägt. Gerade dieser Gegensatz macht die Route interessant: Tainan steht für die lange historische Entwicklung der Insel, Taipei für Verwaltung, Wirtschaft und die moderne Metropole.

Nach Hotelketten in China und dem strukturierten Großstadtalltag Japans fühlt sich Taiwan persönlicher an. Ma und seine Familie geben uns einen direkten Zugang zum Alltag, in Taichung lernen wir das studentische Umfeld kennen, und Tainan fügt der Reise die historische Perspektive hinzu. Gerade weil nicht jeder Tag minutiös festgehalten ist, bleibt dieser Teil der Reise eher als Folge von Situationen und Begegnungen im Gedächtnis als als klassische Besichtigungstour.

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Taipei auf der Karte

Übersichtskarte auf OpenStreetMap-Basis.

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