{"id":858,"date":"2011-11-07T08:05:53","date_gmt":"2011-11-07T07:05:53","guid":{"rendered":"http:\/\/ullenboom.de\/reiseblog\/?p=858"},"modified":"2013-11-12T19:11:45","modified_gmt":"2013-11-12T18:11:45","slug":"amerikanisch-samoa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ullenboom.de\/reiseblog\/amerikanisch-samoa\/","title":{"rendered":"Amerikanisch-Samoa"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr eine Unterbringung in Amerikanisch-Samoa surfe ich Vortag im Internet, bis ich das <a href=\"http:\/\/www.tradewinds.as\/\"><b>Tradewinds Hotel<\/b><\/a> (149 USD) fand. Zwar konnte man meine E-Mail nicht rechtzeitig beantworten, aber als ich am Airport nach etwa 30 Minuten ankomme, f\u00e4hrt schon ein Dicker-Ami-Schlitten vor und sammelt mich ein. Wirklich weit liegt das Hotel vom Airport nicht entfernt, aber es ist schon ein St\u00fcck zur Stadt und zum Laufen viel zu weit. (Im Rechnungskopf steht Pago Pago, was definitiv falsch ist.) Da es am Nachmittag regnet, bleibe ich im Hotel, was mit Wifi im Caf\u00e9 und LAN-Kabel im Raum freien Internetzugang bietet. Der Raum ist gro\u00df und gut eingerichtet. Da, wie in Amerika 110 Volt und somit auch in Samoa (und Neuseeland) ein inkompatibles Stromnetz und Steckersystem verwendet wird, kann ich gl\u00fccklicherweise auf einen Transformator vom Hotel zur\u00fcckgreifen, sodass ich mein Laptop laden kann. Das Hotel hat auch einen Pool und ein Fitnessstudio. Ich bestelle mir Essen aufs Zimmer und bin verbl\u00fcfft, wie g\u00fcnstig das ist. Der Preis vom Men\u00fc ist zwar um 2 USD nach oben gerutscht, aber f\u00fcr 8,50 (plus 2 USD \u201eroom-service\u201c) ein Men\u00fc mit Salat, Fisch und Reis ist immer noch g\u00fcnstig. Da die Espressomaschine defekt ist, kann ich leider keinen Capuccino bestellen und es gibt auch ein kleines Missverst\u00e4ndnis mit dem Bett \u2013 da die Bettlaken verknittert sind frage ich den Zimmerservice, ob das vielleicht nicht frisch ist. Die waren sich nicht sicher, wechselten alles und sagen mir dann, dass seit Monaten die gro\u00dfe B\u00fcgelmaschine defekt sei, daher gibt es keine ordentlichen Laken, sondern \u201ees sieht eben so aus\u201c.<\/p>\n<p>Der Regen h\u00f6rt auf und ich suche ein Cafe. Die Mitarbeiterin erkl\u00e4rt mit kurz den Weg und mahnt, ich sollte mich in Acht nehmen vor den streunenden Hunden \u2013 das \u00a0verunsichert mich \u00a0etwas, aber schlussendlich habe ich keinen Hund in meiner Umgebung gesehen. Auf dem Weg liegt ein \u201eCafe\u201c, aber sie m\u00f6chten mir Fertig-Cappuccino aus der Dose andrehen \u2013 ich danke ab. Ein Mitarbeiter kommt zu mir und erkl\u00e4rt, dass ich im Westwind Hotel Cappuccino bekommen kann \u2013 nein, die Maschine ist kaputt \u2013 oder auch bei McDonald\u2019s. Das ist ein guter Tipp und ich versuche so schnell wie m\u00f6glich aus dem Cafe zu kommen, denn ich platze fast vor innerem Lachanfall. Der Mitarbeiter, der mir das erkl\u00e4rte, ist schwul, und hat die Gesten und Sprache so \u00fcberzeichnet wie in einem Film. Als ich drau\u00dfen stehe kann ich beherzt lachen. (Nicht nur Schwule, sondern Transsexuelle sind nicht ungew\u00f6hnlich in Samoa. Der\/die MitarbeiterIn des Jahres im Hotel ist zum Beispiel TS.)<\/p>\n<p>Auf dem Weg zu McDonald\u2019s wird mir bewusst, wie sehr in Amerikanisch-Samoa der amerikanische Lebensstil mit dem pazifischen verschmilzt. Die Superm\u00e4rkte sind voll von XXL-Paketen und Schokoriegel, welche so billig sind, wie schon lang nicht mehr gesehen. Im Kiosk neben dem Hotel kostet ein Milky Way nur 75 Cent. Die Autos geben ein \u00e4hnliches Bild: gef\u00fchlte 50 % Pickups (meist mit dicken Moms und Dads), 48 % andere SUVs, 2 % Sonstige. Die Pickups werden, wie im sonstigen Pazifikraum f\u00fcr Personentransporte benutzt und l\u00e4ssig h\u00e4ngen die Menschen auf der Ladefl\u00e4che ab. Einige Autos sind getunt, und man merkt vielen Autos den gigantischen Hubraum an, der ein tiefes <i>Brrrrrrrum<\/i> aus dem Motor holt.<\/p>\n<p>Mein Spatzierweg wird von Joggern flei\u00dfig benutzt. Das ist das erste Mal, dass ich im Pazifikraum (von den Sportst\u00e4dten in Suva einmal abgesehen) ernsthaft Menschen bei sportlicher Bet\u00e4tigung sehe. Einige sind schlanker, doch die meisten haben \u201eschwere Knochen\u201c. Ich komme an einem Laufplatz vorbei und in einer anderen Halle nebenan gibt es Gymnastik und Tanz. Viele Gr\u00fc\u00dfen mich mit \u201eHi\u201c, einige auch mit \u201eHello Sir\u201c. Unglaublich freundlich werde ich empfangen. Bei McDonald\u2019s bestelle ich mir den gr\u00f6\u00dften Cappuccino und kann es gar nicht glauben, das der nur 3 USD kostet soll \u2013 g\u00fcnstiger habe ich das glaube ich noch nie irgendwie bekommen. Ich frage die Mitarbeiterin, ob die Preise identisch mit denen in den USA sind, aber sie wei\u00df es nicht. Und w\u00e4hrend ich das alles g\u00fcnstig finde, teilt sie meine Auffassung nicht. Doch auch in einem gro\u00dfen Department-Store das gleiche Bild: g\u00fcnstige Preise, vor allen Dingen wenn man bedenkt, das alles aufw\u00e4ndig importiert werden muss. Neben McDonald\u2019s ist auch der Pizza Hut, allerdings vers\u00e4ume ich es, hier auch einmal auf die Preise zu schauen.<\/p>\n<p>Am Morgen werde ich fr\u00fcher wach als gedacht. Vielleicht liegt das am Radio, das etwas zu laut den Flur beschallt. Im Fr\u00fchst\u00fccksraum ist das Angebot kleiner als gedacht und wenn ich die Kalorien z\u00e4hle wundert mich nicht, warum in Amerikanisch-Samoa das Land der meisten \u00dcbergewichtigen ist: Toast, Marmelade, Erdnussbutter, Erdnussbutter mit Marmelade gemischt (!), Cerealien, ein paar Fr\u00fcchte, das war\u2019s. Der \u201eHouse Blend Gourmet Coffee\u201c ist schlecht, aber ich kann ja wieder zu Mc Kaffee gehen\u2026 Man kann zum Fr\u00fchst\u00fcck extra etwas bestellen, etwa Ei oder W\u00fcrstchen, und die Preise sind in Ordnung.<\/p>\n<p>Um 10 Uhr bin ich mit einem Taxifahrer verabredet, der im Hotel Nachtdienst hatte und mich f\u00fcr 50 USD um die Insel fahren m\u00f6chte. Den Tipp habe ich von seiner Frau, die im Hotel als Zimmerm\u00e4dchen arbeitet \u2013 wir kamen ins Gespr\u00e4ch, ich erz\u00e4hlte ihr, was ich vorhabe und dass das Hotel einen Fahrer f\u00fcr 20 USD\/Stunden h\u00e4tte. Sie meinte dann, ihr Mann k\u00f6nnte das mich auch fahren und g\u00fcnstiger. Er ist ein netter Typ und w\u00e4hrend wir \u00fcber die Insel fahren erz\u00e4hlt er mir einige Geschichten zum Hotel (5-Sterne \u2013 ist mir nicht aufgefallen \u2013 und das der Eigent\u00fcmer Deutscher ist, aber ein Kiwi das Hotel f\u00fchrt, jedoch mehr am Umsatz interessiert ist, als das Hotel wirklich auf hohem Niveau zu halten). Es ist interessant zu sehen, was die Gegenseite denkt, aber aus den Gespr\u00e4chen von beiden Seiten h\u00f6re ich raus, dass beide L\u00e4nder gerne enger verbunden sein wollen (eine Wiedervereinigung ist wohl ausgeschlossen). Die amerikanische Seite macht aber gewaltige Probleme und l\u00e4sst aus Western Samoa die B\u00fcrger nicht so einfach auf ihre Seite; es gab hier schon mehrmals Diskussionen mit den Gouverneur.<\/p>\n<p>Riesengro\u00df ist die Insel selbst nicht, daher reicht ein Tag, nein, sogar ein halber Tag aus. Das Hotel hat mir eine kleine Karte gegeben, die f\u00fcr eine schnelle Orientierung ausreicht. Amerikanisch-Samoa besteht aus f\u00fcnf vulkanischen Inseln: Tutuila, Aunu\u2019u, Ofu, Olosega und Ta\u2019u. Ich befinde mich auf der Hauptinsel Tutuila. Vom Hotel, fahren wir zun\u00e4chst bis in den \u00e4u\u00dfersten Zipfel Tutuilas in den Westen. Kreuz und quer kann man nicht fahren, denn die Insel ist sehr h\u00fcgelig und noch immer (und dabei wird es wohl auch bleiben) sind 90% von tropischen Regenwald bedeckt. Im Prinzip ist es eine Strasse die in den Westen f\u00fchrt und irgendwann einfach aufh\u00f6rt bei Fagamalo. Wir sind nicht ganz hoch gefahren, aber irgendwann wieder umgedreht, denn die gleiche Strasse muss man sowieso wieder zur\u00fcck. Wie auch Samoa ist hier die traurige Vergangenheit in den D\u00f6rfern abzulesen, denn der Tzunami hat auch hier zugeschlagen und viele Menschen in den Tod gerissen (Siehe auch den <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/verwuestung-auf-samoa-tsunami-ueberflutet-suedsee-paradies-a-652183.html\">Spiegel-Beitrag<\/a>). Immer noch kann ich die Fundamente der H\u00e4user sehen und die Fliesen, aber oben fehlt alles.<\/p>\n<p>Vom Westen fahren wir in die Inselmitte, in die Hauptstadt Pago Pago. Hier gibt es ein paar mehr Gesch\u00e4fte, den zweiten McDonald\u2019s, das Regierungsgeb\u00e4ude (das h\u00f6chste Geb\u00e4ude des Landes), die chice Hawaii Bank. Im Hafen legen gro\u00dfe Schiffe an und auch f\u00fcr die USA ist die Insel immer noch ein wichtiger St\u00fctzpunkt der Marine. F\u00fchrt man den Pago Pago Harbour weiter, kann man Richtung Aua den Berg hochfahren und von dort die Aussicht auf den Hafen genie\u00dfen. Sehr sch\u00f6n. Weniger sch\u00f6n ist die Fischverarbeitung, es stinkt hier m\u00e4chtig. Mein Fahrer kl\u00e4rt mich auf, dass hier viele Chinesen arbeiten.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend fuhren wir zur\u00fcck zum Hotel, das Hoteltaxi brachte mich nach 30 Minuten zum Flughafen. Bl\u00f6d ist, dass mein Polynesian Airlines Flug eine Stunde Versp\u00e4tung hat. Ich frage zur Information am Flughafen einen Autovermieter und 65 USD soll es kosten. In der inneren Wartehalle l\u00e4uft im Fernsehen Rocky II gefolgt von Rocky III. Der Flug ist dieses Mal ruhiger, es regnet nicht. Nach 30 Minuten Flug geht es auch an der Passkontrolle ratzfatz und ein Taxi bringt mich 10 F$ wieder zur\u00fcck in die Stadt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr eine Unterbringung in Amerikanisch-Samoa surfe ich Vortag im Internet, bis ich das Tradewinds Hotel (149 USD) fand. Zwar konnte man meine E-Mail nicht rechtzeitig beantworten, aber als ich am Airport nach etwa 30 Minuten ankomme, f\u00e4hrt schon ein Dicker-Ami-Schlitten vor und sammelt mich ein. 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