Hinweis: Dieser Bericht beschreibt eine Reise im Februar 2011. Preise, Verkehrsverbindungen, Unterkünfte und politische Einschätzungen sind historische Angaben.
Mit einer Fokker 100 der Solomon Airlines fliege ich in drei Stunden von Fidschi auf die Salomonen. Es ist ein Oneway-Ticket, denn zurück fliege ich nicht über Fidschi, sondern nach Vanuatu. Solomon Airlines kostet 350 AUDWährungseinordnung350 AUDReferenzkurs 14.02.2011259,56 €Stand 08.10.2026217,11 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert. Das Flugzeug ist schon alt, und das Essen schmeckt nicht wirklich. Später erzählen mir einige Leute, dass sie die Fluggesellschaft nicht wählen würden, weil sie die Sicherheit der Maschinen für miserabel halten. In den Safety Instructions fallen mir außerdem die sehr traditionellen Geschlechterrollen auf: Der Mann krabbelt am Boden und öffnet die Tür, die Frau darf zuerst die Rutsche benutzen.
Die Salomonen waren mir bisher als Insel oder Land nie groß aufgefallen. Natürlich vermutete ich, dass es hier genau aussieht wie auf Fidschi, Tonga oder Samoa. Stimmt aber nicht. Als ich aus dem Flugzeug aussteige, kommt es mir eher wie Afrika vor. Die Menschen sind viel dunkelhäutiger und alles ist ein wenig einfacher. Anders als Tonga und Samoa liegen die Salomonen kulturell und geografisch überwiegend in Melanesien. Kinder stehen oben auf der Aussichtsplattform, und ein paar Sekunden später sehe ich grimmig schauende weiße Beamte: Es sind Australier von der RAMSI.1kurs1Die von Australien geführte Regional Assistance Mission to Solomon Islands kam 2003 nach jahrelangen Unruhen ins Land. Sie stabilisierte Polizei, Justiz und staatliche Institutionen und endete erst 2017.
Mit einer Frau aus Fidschi teile ich ein Taxi nach Honiara. Mein erstes Ziel ist der Touristeninformationspunkt neben dem NPF Plaza. Eine richtige Inselkarte gibt es nicht; wie sich später herausstellt, kann man Guadalcanal ohnehin nicht umrunden. Im NPF Plaza gibt es Internetcafés, Restaurants und einen Supermarkt. Die Stadt ist keine Schönheit, doch von der Veranda des Resthouses genieße ich den Blick auf den Hafen. In der Lime Lounge, einem liebevoll eingerichteten Café, wirkt alles wie eine andere Welt. Lebensmittel und einfaches Essen sind günstig; besonders gut esse ich im Central Market und später im chinesischen Restaurant neben dem Pacific Casino Hotel.
Betelnuss ist eine Volksdroge. Zusammen mit einer Frucht und Kalkpulver wird sie gekaut; Mund, Speichel, Zähne und Zahnfleisch färben sich rot. Der Saft wird ausgespuckt, weshalb rote Flecken an vielen Orten sichtbar sind.22Die auffälligen roten Spuckflecken gehörten damals zum Stadtbild. In den Gästehäusern war Betelnuss ausdrücklich verboten.
Guadalcanal
Mit einem Toyota RAV fahre ich über GuadalcanalGuadalcanalInselHoniara · Salomonen9,6000° S · 160,2000° OHauptinsel der Salomonen und Schauplatz der Guadalcanal-Kampagne 1942/43.Google Maps . Die Straßen sind oft holprig, doch der Wagen ist dafür genau richtig. Östlich von Honiara liegen mehrere Schauplätze des Zweiten Weltkriegs. Guadalcanal war 1942/43 Schauplatz einer der entscheidenden und blutigsten Kampagnen des Pazifikkriegs; der Meeresarm vor Honiara heißt wegen der vielen gesunkenen Schiffe bis heute Iron Bottom Sound.
Das US War MemorialUS War MemorialKriegsdenkmalHoniara · Salomonen9,4010° S · 160,0040° ODenkmal für die alliierten Soldaten der Guadalcanal-Kampagne.Google Maps ist ohne Wegbeschreibung kaum zu finden. Das Denkmal erinnert an die amerikanischen und alliierten Soldaten der Guadalcanal-Kampagne; mehr als die Marmortafeln beeindruckt mich der Blick über das Meer. Über Kola Ridge fahre ich weiter zum japanischen Friedensdenkmal, einem eher unscheinbaren und beschmierten weißen Steingebilde. Am Red BeachRed BeachHistorischer StrandGuadalcanal · Salomonen9,3970° S · 160,1390° OLandungsabschnitt der US-Marines am 7. August 1942.Google Maps ist der Sand nicht rot: Der Name war ein militärischer Codename für den Landungsabschnitt der US-Marines am 7. August 1942.
Malaita und die Langa-Langa-Lagune
Nach einigen Tagen in Honiara fahre ich mit der 360 Discovery nach Auki auf MalaitaMalaitaInselAuki · Salomonen8,9500° S · 160,9700° OGroße, östlich von Guadalcanal gelegene Insel der Salomonen.Google Maps . Ich will zur Serah's Lagoon Hideaway. Nach langem Warten holt Sarah mich ab, und nach 45 Minuten im kleinen Boot erreichen wir die Unterkunft auf einer künstlichen Insel in der Langa-Langa-LaguneLanga-Langa-LaguneLaguneAuki · Salomonen8,8070° S · 160,6800° OLagune bei Auki, bekannt für künstliche Inseln und traditionelles Muschelgeld.Google Maps . Solche Inseln wurden über Generationen aus Korallensteinen und anderem Material auf den Riffen aufgebaut und müssen wegen des steigenden Meeresspiegels immer wieder aufgefüllt werden.
Die künstliche Insel ist winzig; bei Regen, ohne Strom und ohne Internet gibt es kaum etwas zu tun. Nur bei Ebbe kann ich über matschige Pfade zum Dorf gehen. Einmal schwimme ich zur Nachbarinsel, paddele mit einem Kanu und sehe morgens und abends Riffhaie im Wasser. In Auki gibt es ein Internetcafé über der ANZ Bank. Bei einem kulturellen Programm zeigen Einheimische, wie traditionelles Muschelgeld hergestellt wird. Es wird in der Langa-Langa-Lagune bis heute unter anderem bei Hochzeiten, Landgeschäften, als Geschenk und zur Beilegung von Konflikten verwendet.3wiederkehr3Muschelgeld war keine touristische Kulisse, sondern Teil gelebter sozialer Beziehungen – und machte den Aufenthalt auf Malaita besonders eindrücklich.
Nach vier Tagen fahre ich mit der Fähre zurück nach Honiara. Am nächsten Morgen nehme ich zwei Minibusse zum Flughafen und fliege mit Air Pacific, mit etwas Verspätung, weiter nach Vanuatu.