Gran Canaria ist eine Insel mit vielen Gesichtern – auf den ersten Blick überwiegen Touristenburgen, und man muss schon ein wenig suchen, um die andere Seite zu finden. Ein Auto ist das Beste, was man tun kann, wenn man eine Woche gebucht hat. Denn hinter MaspalomasMaspalomasStadt / OrtKanarische Inseln · Spanien27,76056° N · 15,58602° W32 m ü. NNFerienort im Süden Gran Canarias.Google Maps und Playa del InglésPlaya del InglésStadt / OrtKanarische Inseln · Spanien27,7567° N · 15,5787° W49 m ü. NNTouristisch geprägter Ort im Süden Gran Canarias.Google Maps beginnt schnell eine ganz andere Insel: kurvige Straßen, tiefe Barrancos, kleine Orte, der raue Westen und schließlich das Bergland in der Mitte. Genau diese Gegensätze machen Gran Canaria interessanter, als es nach der Ankunft im touristischen Süden zunächst wirkt.
1. Tag – Anreise und das Dunagolf
Bei ITS-JAHN-TJAEREBORG (REWE Touristik) buchen wir bei Expedia eine Woche im DunagolfDunagolfUnterkunftMaspalomas · Spanien27,751697° N · 15,584444° WHotelanlage im Campo de Golf von Maspalomas; heute Dunagolf Suites.Offizielle Website Google Maps in Maspalomas. Pro Person zahlen wir 760 Euro, dabei geht der Flug mit Air Berlin von Flughafen Leipzig/Halle über Flughafen Nürnberg nach Flughafen Gran Canaria. Um 6:30 Uhr geht es los, mittags kommen wir an. Am Flughafen ist noch ein Gepäckband defekt, daher warten wir länger im Bus. Der fährt schließlich nur halb voll los, weil nicht abzusehen ist, wann das Band wieder einsatzbereit ist.
Das Hotel
Das DunagolfDunagolfUnterkunftMaspalomas · Spanien27,751697° N · 15,584444° WHotelanlage im Campo de Golf von Maspalomas; heute Dunagolf Suites.Offizielle Website Google Maps ist insgesamt in Ordnung, verdient aber keinen Stern. Es gibt einige freie Fernsehkanäle, aber für mehr Auswahl muss man 3 Euro extra pro Tag bzw. 2 Euro ab einer Woche zahlen, inklusive 20 Euro Deposit für die Fernbedienung. Die Zimmer haben Bungalow-Charakter, was nett ist; so fühlt es sich eher wie zuhause an. Eine kleine Küche ist eingebaut und hat auch einen Kühlschrank, nur eine Kaffeemaschine oder ein Wasserkocher fehlen.
Zwar hatte ich ausdrücklich eine ruhige Wohnung gewünscht, aber diese Meldung ist wohl beim Hotel nicht angekommen. Wir bekommen ein Zimmer nah am Eingang; fahren Autos auf den Hof, kann man das hören. Zum Glück hatte ich den Nachbarn im angeschlossenen Nebenhaus nicht ewig, denn er schnarchte und wegen der dünnen Wände verzögerte das mein Einschlafen.
An sich ist die Anlage in Ordnung, der Pool ist groß. In der Lobby gibt es freies Wifi, das aber sehr unzuverlässig ist. Immer wieder muss der Router resettet werden. Das dauert manches Mal, weil kein Mitarbeiter da ist, der den Schlüssel zum Büro hat. Aber immerhin ist das Wifi frei. Es sind auch ein paar Internet-Computer da, die kosten allerdings.
Im Restaurant kann man immer etwas essen, ein kleiner Laden hat grundlegende Dinge des täglichen Bedarfs. Etwa zehn Minuten zu Fuß entfernt liegt das Einkaufszentrum Faro 2Faro 2EinkaufsortMaspalomas · Spanien27,75689° N · 15,592082° WEinkaufszentrum im Campo de Golf von Maspalomas.Google Maps mit einem größeren Supermarkt. Faro 2 hatte 2012 schon bessere Zeiten gesehen und viele Läden standen leer, aber für die Versorgung reichte es. Eine 5-Liter-Flasche Wasser ist dort nur 40 Cent billiger als im Hotel (1,20 Euro statt 1,60 Euro); dafür lohnt sich das Tragen nicht. Das Frühstück ist nicht besonders abwechslungsreich, der Kaffee unterdurchschnittlich. Es wäre außerdem gut, wenn die Reinigungskräfte sich regelmäßig dranmachten, die Zimmer auf Vordermann zu bringen, doch eine Reinigung fand nicht jeden Tag statt.
2. Tag – Mit dem Fahrrad durch den touristischen Süden
Unser Dunagolf liegt mit anderen Anlagen im Campo de GolfCampo de GolfStadtgebietMaspalomas · Spanien27,753233° N · 15,587455° WStadtgebiet von Maspalomas rund um den Golfplatz.Google Maps von Maspalomas, direkt in der Gegend um den Maspalomas GolfMaspalomas GolfGolfplatzMaspalomas · Spanien27,751252° N · 15,590497° WGolfplatz im Süden Gran Canarias.Google Maps . Um beweglich zu sein, wollen wir uns zunächst einen Scooter mieten, doch bei zwei Anbietern soll er um die 34 Euro kosten. Das ist inakzeptabel, und ein Auto ist sogar billiger. Also holen wir uns im Faro 2 für einen Tag Fahrräder, 10 Euro pro Person.
Wir fahren zu den Dünen von MaspalomasDünen von MaspalomasNaturdenkmalMaspalomas · Spanien27,743883° N · 15,582899° WGeschützte Dünenlandschaft im Süden Gran Canarias.Offizielle Website Google Maps , spazieren dort und bleiben vielleicht zwei Stunden. Die Dünen liegen direkt zwischen den großen Feriengebieten Maspalomas und Playa del Inglés, sind aber selbst ein geschützter Naturraum.11Die Dünen von Maspalomas stehen seit 1987 unter Naturschutz, seit 1994 als Reserva Natural Especial; offiziell darf man sich nur auf den ausgewiesenen Wegen bewegen. Hinter der Hotelkulisse beginnt auf einmal Sand, dazu die Charca de MaspalomasCharca de MaspalomasSeeMaspalomas · Spanien27,738477° N · 15,594204° WKüstenlagune am Rand der Dünen von Maspalomas.Google Maps als kleine Lagune am Rand des Dünensystems. Gerade dieser Kontrast ist ziemlich typisch für Gran Canaria: dicht bebaute Ferienorte und wenige Meter weiter eine Landschaft, die überhaupt nicht dazu passen will.
Mittags besuchen wir kurz eines der Riu-Hotels, fahren weiter nach Playa del InglésPlaya del InglésStadt / OrtKanarische Inseln · Spanien27,7567° N · 15,5787° W49 m ü. NNTouristisch geprägter Ort im Süden Gran Canarias.Google Maps und anschließend bis San AgustínSan AgustínStadt / OrtKanarische Inseln · Spanien27,77098° N · 15,53467° W10 m ü. NNKüstenort im Süden Gran Canarias.Google Maps . Damit vergeht der Tag sehr gut, aber im Grunde sehen wir fast nur Touristen, Apartmentanlagen und Hotels. Für einen ersten Tag auf Rädern ist das okay, nur ist damit eben auch klar: Wenn wir die andere Seite der Insel sehen wollen, brauchen wir ein Auto.
An der Rezeption stellen wir schließlich fest, dass ein Mietwagen kaum mehr kostet als der Scooter. Also nehmen wir für drei Tage ein Auto direkt über das Hotel. Damit beginnt der interessantere Teil der Woche.
3. Tag – Der Westen und Nordwesten
Unsere erste große Runde führt in den Westen und Nordwesten der Insel. Von Maspalomas fahren wir zunächst die touristisch stark erschlossene Südwestküste entlang nach Puerto Rico de Gran CanariaPuerto Rico de Gran CanariaStadt / OrtKanarische Inseln · Spanien27,78943° N · 15,71045° W10 m ü. NNFerienort an der Südwestküste Gran Canarias.Google Maps und weiter nach Puerto de MogánPuerto de MogánStadt / OrtKanarische Inseln · Spanien27,81792° N · 15,7654° W11 m ü. NNKüstenort mit Fischerei- und Sporthafen im Südwesten Gran Canarias.Google Maps . Puerto de Mogán ist mit seinem kleinen Hafen von Puerto de MogánHafen von Puerto de MogánHafenPuerto de Mogán · Spanien27,816353° N · 15,764119° WFischerei- und Sporthafen im Südwesten Gran Canarias.Offizielle Website Google Maps , den niedrigen Häusern, schmalen Gassen und Kanälen deutlich überschaubarer als die großen Ferienorte rund um Playa del Inglés.
Danach geht es ins Inselinnere und weiter in Richtung La Aldea de San NicolásLa Aldea de San NicolásStadt / OrtKanarische Inseln · Spanien27,9891° N · 15,78126° W57 m ü. NNOrt im abgeschiedenen Westen Gran Canarias.Google Maps . Ab hier wird die Fahrt selbst zum Ziel. Der Westen Gran Canarias ist viel schroffer als der Süden: Berge und Barrancos fallen dicht zur Küste ab, die Straßen müssen sich entsprechend durch die Landschaft winden. La Aldea liegt so abgeschieden, dass die Verbindung nach Norden jahrzehntelang ein eigenes Thema war.
2012 können wir noch die komplette alte GC-200GC-200StraßeLa Aldea de San Nicolás · Spanien28,028197° N · 15,768734° WKüstenstraße im Westen Gran Canarias; der historische Abschnitt am Andén Verde ist gesperrt.Google Maps von La Aldea in Richtung AgaeteAgaeteStadt / OrtKanarische Inseln · Spanien28,10023° N · 15,69998° W55 m ü. NNOrt im Nordwesten Gran Canarias.Google Maps fahren. Das ist im Rückblick bemerkenswert: Der spektakuläre Abschnitt am Andén VerdeAndén VerdeNaturdenkmalLa Aldea de San Nicolás · Spanien28,027749° N · 15,769118° WSteilküstenabschnitt an der alten GC-200 zwischen La Aldea und El Risco.Google Maps wurde 2016 nach Felsstürzen endgültig für den Verkehr gesperrt und später teilweise durch eine neue Trasse mit Tunneln ersetzt. Unsere damalige Inselrunde lässt sich deshalb heute nicht mehr exakt auf derselben Straße nachfahren.
Weiter geht es über Agaete nach GáldarGáldarStadt / OrtKanarische Inseln · Spanien28,14701° N · 15,6502° W148 m ü. NNHistorischer Ort im Norden Gran Canarias mit dem Archäologiepark Cueva Pintada.Google Maps und BarrialBarrialStadtgebietGáldar · Spanien28,14012° N · 15,665617° WStadtgebiet von Gáldar im Norden Gran Canarias.Google Maps . Spätestens hier ist von den großen Ferienanlagen des Südens kaum noch etwas übrig. Gáldar gehört zu den historisch wichtigen Orten der Insel; hier liegt unter anderem die Cueva PintadaCueva PintadaArchäologische StätteGáldar · Spanien28,143507° N · 15,654986° WArchäologische Stätte mit bemalter Höhle und Resten einer vorspanischen Siedlung.Offizielle Website Google Maps , eine der bedeutendsten archäologischen Fundstätten zur vorspanischen Bevölkerung Gran Canarias. Wir sind an diesem Tag allerdings auf Rundfahrt und nicht auf Museumsprogramm. Nach Barrial schließt sich die Runde wieder Richtung Süden. Ein langer Tag im Auto, aber genau für solche Fahrten hat sich der Mietwagen gelohnt.
4. Tag – Ostküste und Las Palmas
Am vierten Tag nehmen wir die andere Richtung. Von Maspalomas fahren wir wieder Richtung Flughafen und folgen der Straße weiter nach Las Palmas de Gran CanariaLas Palmas de Gran CanariaStadt / OrtKanarische Inseln · Spanien28,10178° N · 15,41573° W122 m ü. NNInselhauptstadt an der Nordostküste Gran Canarias.Google Maps . Das ist die schnelle Seite der Insel: Die GC-1GC-1StraßeLas Palmas de Gran Canaria · Spanien27,943166° N · 15,389557° WAutobahn zwischen Las Palmas, dem Flughafen und dem Süden Gran Canarias.Google Maps verbindet den touristischen Süden mit dem Flughafen und der Hauptstadt und ist entsprechend weniger romantisch als die kurvige Westküste. Dafür kommt man zügig voran.
Las Palmas ist wiederum ein deutlicher Gegenentwurf zu Maspalomas. Es ist keine Ferienanlage, sondern eine richtige Großstadt und Inselhauptstadt mit Hafen, Geschäftsvierteln, Altstadt und Stadtstrand. Der historische Kern VeguetaVeguetaStadtgebietLas Palmas de Gran Canaria · Spanien28,099365° N · 15,414467° WHistorischer Stadtkern von Las Palmas de Gran Canaria.Google Maps reicht bis in die Gründungszeit der Stadt im 15. Jahrhundert zurück; auf der anderen Seite liegt mit Las CanterasLas CanterasStrand oder KüsteLas Palmas de Gran Canaria · Spanien28,139552° N · 15,436633° WStadtstrand an der Westseite von Las Palmas de Gran Canaria.Google Maps ein mehrere Kilometer langer Stadtstrand mitten im urbanen Gebiet. Allein dieser Wechsel zeigt, wie wenig Gran Canaria auf die Hotelzonen im Süden reduziert werden kann.
5. Tag – Der Berg ruft
Der dritte Mietwagentag wird die klassische Runde durch das Inselzentrum. Von Maspalomas fahren wir Richtung FatagaFatagaStadt / OrtKanarische Inseln · Spanien27,88718° N · 15,56454° W608 m ü. NNDorf im Bergland von San Bartolomé de Tirajana.Google Maps und folgen der Straße immer weiter hinauf. Schon nach relativ kurzer Strecke ist der Küstentourismus weg. Fataga liegt in einem tief eingeschnittenen Tal mit Palmen, danach windet sich die Straße weiter ins Bergland. Auf Gran Canaria reichen wenige Dutzend Kilometer, um vom Meer in eine Landschaft zu kommen, die mit dem Süden kaum noch etwas gemeinsam hat.
Das zentrale Ziel ist der Roque NubloRoque NubloNaturdenkmalTejeda · Spanien27,970815° N · 15,612597° WVulkanischer Felsmonolith im Zentrum Gran Canarias.Offizielle Website Google Maps . Der Fels steht auf rund 1813 Metern Höhe und ragt selbst rund 80 Meter aus seinem Sockel heraus. Er ist eines der Wahrzeichen Gran Canarias und ein ziemlich gutes Symbol für den vulkanischen Ursprung der Insel. Von hier geht es weiter nach TejedaTejedaStadt / OrtKanarische Inseln · Spanien27,99508° N · 15,61543° W1046 m ü. NNBergdorf im Zentrum Gran Canarias.Google Maps , das auf etwa 1050 Metern in der Berglandschaft liegt. Die Straßen sind entsprechend kurvig; Entfernungen sehen auf der Karte klein aus, brauchen aber deutlich länger als an der Küste.
Danach fahren wir weiter nach TerorTerorStadt / OrtKanarische Inseln · Spanien28,06062° N · 15,54909° W634 m ü. NNWallfahrtsort im Norden Gran Canarias.Google Maps . Der historische Ortskern mit seinen kanarischen Holzbalkonen gruppiert sich um die Basilika Nuestra Señora del PinoBasilika Nuestra Señora del PinoKircheTeror · Spanien28,059302° N · 15,547811° WWallfahrtskirche im historischen Zentrum von Teror.Google Maps , einen der wichtigsten Wallfahrtsorte der Insel. Schließlich kommen wir wieder in Las Palmas heraus. Im Katalog wird so eine Runde gerne „Große Inseltour“ genannt. Der Name passt ausnahmsweise: Süden, Bergland, Dörfer und Hauptstadt an einem Tag sind tatsächlich eine ziemlich komplette Gran-Canaria-Zusammenfassung.
Große Inseltour mit dem Mietwagen: Maspalomas → Fataga → Roque Nublo → Tejeda → Teror → Las Palmas de Gran Canaria.
6. Tag – Rumgammeln
Nach drei Tagen mit Mietwagen und einigen hundert Kilometern Inselstraße ist am sechsten Tag kein Programm mehr vorgesehen. Der Wagen ist wieder abgegeben. Keine Rundfahrt, kein Berg, keine Sehenswürdigkeit: rumgammeln. Muss auch mal sein.
7. Tag – Rückreise
Dann ist die Woche auch schon vorbei und es geht zurück. Mein Eindruck vom Anfang hat sich bestätigt: Wer in Maspalomas bleibt, sieht vor allem die touristische Seite Gran Canarias. Mit einem Auto wird daraus aber schnell eine andere Insel. Besonders der Westen und das Bergland unterscheiden sich so stark von Playa del Inglés und den Hotelzonen, dass man innerhalb weniger Tage das Gefühl bekommt, mehrere völlig verschiedene Landschaften gesehen zu haben.
Für eine Woche war der Mix damit ziemlich passend: erst der touristische Süden, dann mit dem Fahrrad die nähere Umgebung und schließlich drei Tage mit dem Auto einmal durch die verschiedenen Gesichter der Insel. Gran Canaria ist eben interessanter, sobald man die Touristenburgen hinter sich lässt.