Der Flughafen Istanbul-Sabiha Gökçen (Kürzel: SAW) wirkt insgesamt ziemlich abgewohnt und ist gleichzeitig absurd teuer. Für eine 1-Liter-Flasche Wasser werden in einem Shop rund 13 Euro verlangt. Immerhin gibt es kostenlose Wasserspender, nur tröpfelt das Wasser dort so langsam heraus, dass sich lange Schlangen bilden, die sich gefühlt nie auflösen. Anzeigetafeln für die Flugzeiten sind rar und schlecht aktualisiert, und überhaupt ist alles sehr beengt.
Die Rolltreppe in die eine Richtung ist außer Betrieb. Etwas später gibt auch die in die Gegenrichtung den Geist auf, und der Aufzug daneben funktioniert auch nicht.
Als ich den Haribo-Shop entdeckt habe, war ich kurz begeistert: Endlich Lakritz! Die Enttäuschung folgte prompt, denn Lakritz gab es keins. Stattdessen kommen mir nacheinander zwei Männer entgegen, die sich offensichtlich gerade die Haare haben transplantieren lassen, beide mit einem ordentlich vereiterten, blutdurchtränkten Verband als Turban. Ein weiterer läuft ganz ohne Kopfverband.
Die Toiletten sind für die Menge an Passagieren knapp bemessen, und teilweise fehlen Papiertücher zum Händetrocknen. Unangenehm sind auch die Sitzbereiche: Stoffpolster voller Flecken, sichtbar durchgesessen und teilweise so dreckig, dass man sich zweimal überlegt, ob man sich wirklich hinsetzen will.
Fürs WLAN muss man sich mit seiner Telefonnummer registrieren, einfach so ins Internet geht nicht.
Ganz überraschend ist das Chaos allerdings nicht, denn der Flughafen platzt schlicht aus allen Nähten. 2025 wurden hier rund 48,4 Millionen Passagiere abgefertigt, 2019 waren es rund 35,5 Millionen, und im Corona-Jahr 2020 knapp 17 Millionen. Damit lag das Aufkommen 2025 rund 36,5 % über dem Vorkrisenniveau.
Das Terminal ist seit dem 31. Oktober 2009 in Betrieb. Pegasus Airlines nutzt Sabiha Gökçen als Hauptdrehkreuz: Billigflieger bringt Massen, wie uns.
Wichtig: Istanbul hat einen zweiten Flughafen, den Istanbul Airport (Kürzel: IST) auf der europäischen Seite. Der ist neu, riesig und modern. Mit rund 84,4 Millionen Passagieren im Jahr 2025 war er nach London-Heathrow der zweitverkehrsreichste Flughafen Europas, und trotzdem wirkt er nicht annähernd so überfordert. Mein Rat deshalb: Wer beim Umsteigen in Istanbul die Wahl zwischen den beiden Flughäfen hat, sollte sich nicht, nennen wir es mal, vertun. Ein kurzer Blick auf das Flughafenkürzel erspart einem eine Menge Leid: IST statt SAW!
Wer jetzt denkt, an SAW gäbe es gar nichts Gutes, dem sei gesagt: Doch, der Name! Sabiha Gökçen war die erste türkische Kampfpilotin und gilt als eine der ersten Kampfpilotinnen der Welt. Eine Frau, die in den 1930ern in ein Militärflugzeug gestiegen ist, als das für Frauen praktisch undenkbar war. Ich glaube, ihr wäre es ziemlich peinlich, dass dieser Flughafen nach ihr benannt ist.