Mehrere Reisen brachten mich schon nach London. Die letzte Reise war im September 2019. Wir besuchen die Harry-Potter-Studios in Leavesden, fahren auf der Themse an Tower Bridge und Parlament vorbei und verbringen einen Nachmittag zwischen historischen Computern und den geschwungenen Formen der Mathematikgalerie im Science Museum. Abends geht es in einen Comedy Club. Weniger erfreulich ist unser Hotel: Es sieht schick aus, riecht aber modrig, und im Teppich wächst Schimmel.
Über Stansted nach London
Wir fliegen mit Ryanair direkt nach London und landen am London Stansted Airport. Mit der Landung ist die Anreise noch nicht zu Ende: Wir nehmen den Bus und steigen anschließend in die London Underground um, die uns zu unserem Hotel bringt.
Schon diese Kombination macht deutlich, wie weit sich London ausdehnt. Stansted liegt nordöstlich außerhalb der Stadt; zwischen Flughafen und Unterkunft liegen noch zwei verschiedene Verkehrsmittel. Für uns beginnt der Aufenthalt entsprechend mit einer Busfahrt und dem Wechsel in die Tube. London ist das Ziel dieser Reise, und von hier fliegen wir später auch direkt wieder zurück.
Ein schickes Hotel mit einem unangenehmen Detail
Unser Hotel macht zunächst einen schicken Eindruck. Bei genauerem Hinsehen und vor allem beim Betreten des Zimmers bleibt davon allerdings wenig übrig. Es riecht leicht modrig. In den Ecken sitzt Schimmel, und aus dem Teppich wächst stellenweise ein flaumiger Belag. Die schöne Aufmachung des Hotels hilft da wenig. Es ist ein sehr unangenehmer Teil dieses Aufenthalts.
Zwischen Filmkulissen in Leavesden (24. September)
Unser Ausflug führt zur Warner Bros. Studio Tour – The Making of Harry PotterWarner Bros. Studio Tour – The Making of Harry PotterVeranstaltungsortLeavesden · Vereinigtes Königreich51,6904° N · 0,41805° WBegehbare Ausstellung mit Harry-Potter-Filmsets, Requisiten und Modellen auf dem Studiogelände in Leavesden außerhalb Londons.Google Maps . Im Namen steht London, tatsächlich liegt die Ausstellung in Leavesden außerhalb der Stadt. Hier lassen sich die Räume, Requisiten und Modelle aus der Filmwelt aus der Nähe betrachten.
Ein Teil des Reizes liegt schon im Blick hinter die Oberflächen. In der Studiohalle stehen aufwendige Kulissen, daneben sieht man Holzgerüste, Treppen und Stützkonstruktionen. Die Räume brauchen auf der einen Seite eine überzeugende Fassade und auf der anderen Seite Platz für die Arbeit am Film. Gerade diese sichtbaren Übergänge machen den Rundgang interessant.
Im Fuchsbau, dem Zuhause der Weasleys, wirkt alles enger und wohnlicher. In der Küche stehen Tisch und Stühle, ringsherum verteilen sich Küchenutensilien und kleine Gegenstände. Die vielen Einzelheiten geben dem Raum seinen Charakter. Es ist eine Kulisse, die davon lebt, dass sie nach einem benutzten Familienhaushalt aussieht.

Ganz anders ist das Wohnzimmer der Dursleys im Privet Drive. Hier fliegen die Briefe durch den Raum. Der bekannte Moment aus Harrys Geschichte wird zu einer Installation, die sich von verschiedenen Seiten anschauen lässt. Zwischen den vertrauten Möbeln hängt plötzlich dieser ganze Schwarm aus Papier.
In Gringotts öffnet sich ein großer, heller Banksaal. Hohe Säulen, glänzende Oberflächen und Kronleuchter geben ihm etwas Feierliches. Hinter den Schaltern sitzen die Kobolde. Bei den näheren Ansichten bleiben besonders ihre Gesichter und die sorgfältig eingerichteten Arbeitsplätze hängen.
Die Beschreibung der Filmsets durch Warner Bros. erklärt, wie gezielt die Bankhalle gestaltet ist: Marmorsäulen, Kristallleuchter und Messingoberflächen erzeugen den Eindruck von Reichtum und Macht. Vor Ort lässt sich gut nachvollziehen, wie stark ein Raum die Wirkung einer Szene prägt, bevor überhaupt jemand etwas sagt.

Es folgen eine Schatzkammer voller goldener Pokale und die Winkelgasse. Am Laden Wiseacre’s Wizarding Equipment stehen astronomische Instrumente im Schaufenster. Solche Geschäfte funktionieren auf zwei Ebenen: als wiedererkennbare Filmorte und als kleine, bis ins Fenster hinein ausgestaltete Welten.
Beim Hogwarts-Modell wird aus der einzelnen Einrichtung schließlich eine ganze Landschaft. Das Schloss steht im blauen Licht, mit seinen Türmen, Dächern und steilen Felsen. Von einem Modell spricht man leicht so, als sei es nur eine verkleinerte Fassung. Hier steckt aber so viel Architektur darin, dass der Blick immer wieder an einem anderen Gebäudeteil hängen bleibt.

Butterbier und ein Zauberstab als Souvenir
Wir trinken auch Butterbier, das alkoholfreie Getränk aus der Harry-Potter-Welt. Den Becher nehmen wir als Souvenir mit.
Im Souvenirladen kaufen wir außerdem einen Zauberstab. Funktionieren tut er allerdings nicht.
An der Tower Bridge auf die Themse (25. September)
Am folgenden Tag stehen wir an der Tower BridgeTower BridgeBrückeLondon · Vereinigtes Königreich51,5056° N · 0,0753° W1894 eröffnete Themsebrücke mit zwei Türmen und aufklappbarem Mittelteil.Google Maps . Die beiden Türme, die blauen Tragteile und die hoch liegenden Verbindungen sind eines der bekanntesten Londoner Motive. Vom Ufer aus lassen sich die vielen Bauteile noch einzeln betrachten; später auf dem Fluss rücken sie zu der vertrauten Silhouette zusammen.
Die Türme lassen die Brücke älter aussehen, als sie ist. Sie entsteht zwischen 1886 und 1894, also im viktorianischen London. Der historisierende Entwurf soll zum benachbarten Tower of LondonTower of LondonBurg oder SchlossLondon · Vereinigtes Königreich51,50806° N · 0,07611° WHistorische Festungs- und Palastanlage am nördlichen Themseufer, deren Zentrum der normannische White Tower bildet.Offizielle Website Google Maps passen. Dahinter steckt eine ausgesprochen praktische Ingenieuraufgabe: Der Verkehr soll den Fluss überqueren, während große Schiffe weiter in den Hafen gelangen können. Dafür lassen sich die beiden mittleren Fahrbahnteile hochklappen. Die Geschichte der Brücke im London Museum beschreibt diesen Zusammenhang zwischen Stadtverkehr, Hafen und Gestaltung.
Wir fahren auf der Themse weiter in Richtung Westminster. Das ist eine gute Art, mehrere Seiten der Stadt nacheinander zu sehen. Die Gebäude stehen frei am Ufer, Brücken schieben sich ins Blickfeld, und die Perspektive verändert sich mit jedem Stück Fluss.
Vor uns liegt die HMS BelfastHMS BelfastMuseumLondon · Vereinigtes Königreich51,50667° N · 0,08139° WEhemaliger Kreuzer der Royal Navy, seit 1971 als Museumsschiff an einem festen Liegeplatz auf der Themse.Google Maps , dahinter ragt The ShardThe ShardTurmLondon · Vereinigtes Königreich51,5045° N · 0,0865° WGläsernes Hochhaus am Bahnhof London Bridge, im Stadtbild an seiner schmalen Spitze erkennbar.Google Maps auf. Das graue Kriegsschiff und die schmale gläserne Spitze gehören zu ganz unterschiedlichen Zeiten.

Die Belfast läuft 1938 vom Stapel und wird kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs in Dienst gestellt. Später schützt sie unter anderem die arktischen Geleitzüge und unterstützt die Landung in der Normandie. Seit 1971 liegt sie als Museumsschiff in London. Der Überblick des Imperial War Museums zur Schiffsgeschichte gibt dem stillliegenden Schiff einen Hintergrund, der weit über das Fotomotiv hinausgeht. Wir sehen es bei dieser Fahrt vom Wasser aus.
London Eye und das eingerüstete Wahrzeichen
An der Waterloo BridgeWaterloo BridgeBrückeLondon · Vereinigtes Königreich51,50861° N · 0,11694° WDenkmalgeschützte Straßenbrücke über die Themse zwischen Strand und South Bank.Offizielle Website Google Maps verändert sich das Panorama erneut. Weiter flussaufwärts erscheint das London EyeLondon EyeWahrzeichenLondon · Vereinigtes Königreich51,5033° N · 0,1194° W135 Meter hohes Aussichtsrad am südlichen Themseufer neben der County Hall, seit März 2000 für Besucher geöffnet.Google Maps , daneben die lang gezogene Fassade der County HallCounty HallGebäudeLondon · Vereinigtes Königreich51,50194° N · 0,11889° W1922 eröffnetes ehemaliges Verwaltungsgebäude der Londoner Stadtverwaltung am südlichen Themseufer neben dem London Eye.Offizielle Website Google Maps . Vom Boot aus bleibt das Riesenrad ein großes, offenes Gerüst gegen den Himmel, an dessen Rand die Kapseln sitzen.
Das 135 m hohe Rad öffnet im März 2000 für das Publikum. Es gehört also zu einer viel jüngeren Schicht der Stadt als die Brücken und Parlamentsgebäude, wirkt aber längst selbstverständlich an diesem Ufer. Diese Entstehungszeit nennt auch der Betreiber in seinem Rückblick auf die ersten Besucherjahre.

Gegenüber liegt der Palace of WestminsterPalace of WestminsterÖffentliches GebäudeLondon · Vereinigtes Königreich51,4995° N · 0,1248° WSitz des britischen Parlaments am Themseufer mit Victoria Tower und Elizabeth Tower.Google Maps . Der Elizabeth TowerElizabeth TowerTurmLondon · Vereinigtes Königreich51,5007° N · 0,1245° W96 Meter hoher Uhrturm am nordöstlichen Ende des Palace of Westminster. Im Turm hängt die als Big Ben bekannte große Glocke.Offizielle Website Google Maps ist während unseres Besuchs eingerüstet. Das vertraute Bild des Uhrturms lässt sich deshalb nur eingeschränkt sehen. 2019 fällt mitten in die große Restaurierung, für die der Turm ab 2017 eingerüstet wird. Das britische Parlament dokumentiert die Arbeiten von 2017 bis 2022. Für unseren Besuch gehört dieses Gerüst genauso zur Ansicht wie die Türme und Fassaden dahinter.
Von Lochkarten und Zahnrädern zu Computern
Am Nachmittag sind wir im Science MuseumScience MuseumMuseumLondon · Vereinigtes Königreich51,4975° N · 0,17472° WTechnik- und Wissenschaftsmuseum in South Kensington mit Sammlungen zur Computer-, Kommunikations- und Mathematikgeschichte.Google Maps in South Kensington. Hier bekommt die Reise einen deutlichen Technikschwerpunkt. Zwischen einer Nintendo 64, frühen Heimcomputern und großen Rechenanlagen lässt sich verfolgen, wie verschieden Geräte aussehen können, mit denen Menschen Informationen verarbeiten.
Ein interaktives Modell erklärt die Abtastung von Lochkarten. Löcher in Papier werden zu maschinenlesbaren Informationen. Ein Stück weiter zeigen frühe Computermäuse, wie viel sich an der Bedienung verändert. Die hölzernen Modelle sind ausdrücklich Nachbauten des Vorbilds von 1963. Die Form wirkt einfach, die Idee dahinter steckt bis heute auf fast jedem Schreibtisch.
Bei Charles Babbages Analytical Engine führen die Überlegungen noch weiter zurück. Vor uns steht ein Versuchsmodell mit dicht angeordneten Zahnrädern und Metallteilen. Die Maschine wird im 19. Jahrhundert als programmierbare Rechenanlage entworfen. Nur ein Teil ist zu Babbages Lebzeiten fertiggestellt. Der Museumskatalog zum Versuchsmodell unterscheidet diese Analytical Engine von seiner früheren Difference Engine.

Es ist bemerkenswert, wie vertraut die grundsätzliche Frage dabei bleibt: Wie lassen sich Rechenschritte so beschreiben, dass eine Maschine sie ausführt? Die sichtbaren Mechanismen machen daraus etwas Greifbares. Bei einem modernen Rechner verschwindet fast alles, was hier noch als Metallteil vor uns steht, in winzigen Bauteilen.
Apple Lisa, frühe Heimcomputer und große Rechenanlagen
Die nächste Gruppe von Geräten rückt näher an den heutigen Computerarbeitsplatz. Da sind ein MITS Altair 8800b, ein NorthStar Horizon und ein IBM 5150. Beim Altair dominieren noch Schalter und Anzeigen auf der Front. Der Xerox Alto II fällt mit seinem hochkant stehenden Bildschirm auf. Daneben steht die Apple Lisa.

In einer Vitrine stehen Apple Newton MessagePad und eMate 300. Daneben geht es um Prozessoren und die ARM1-Architektur. Später sehen wir eine Apple-I-Platine, ein frühes Google Corkboard Server Rack und den großen Cray-1S.
Auf einer Medienstation erscheint Tim Berners-Lee, an einer anderen wird Alan Turings Pilot ACE erklärt. Der Rundgang verbindet Geräte mit den Ideen dahinter: Rechnen, Bedienen und Vernetzen gehören zur selben Geschichte, obwohl die Ausstellungsstücke ganz unterschiedlich aussehen.
Mathematik unter geschwungenen Formen
In Mathematics: The Winton Gallery verändert sich der Raum deutlich. Über den Vitrinen hängen große, geschwungene Formen, die im farbigen Licht beinahe weich wirken. Dazwischen ist ein Flugzeug aufgehängt, eine Handley Page Gugnunc von 1929.
Der Entwurf der Galerie stammt von Zaha Hadid Architects. Die Kurven greifen die Luftströmung um das Flugzeug auf. Damit wird eine mathematische Idee zur Architektur des Ausstellungsraums. Die Beschreibung des Museums erklärt diesen Bezug zwischen Aerodynamik und Gestaltung.

Nach den vielen Gehäusen, Platinen und Zahnrädern bleibt hier der ganze Raum im Blick. Die Mathematik steckt sowohl in den ausgestellten Gegenständen als auch in der Art, wie die Galerie um sie herum gebaut ist. Gerade das macht diesen Abschnitt besonders anschaulich.
Naturgeschichte an der Fassade
Nach dem Science Museum fällt draußen der Blick auf das benachbarte Natural History MuseumNatural History MuseumMuseumLondon · Vereinigtes Königreich51,49611° N · 0,17639° WNaturkundemuseum in South Kensington im 1881 eröffneten, von Alfred Waterhouse entworfenen Terrakottagebäude.Google Maps . Die Türme und die gegliederten Fassaden sind schon für sich ein lohnendes Motiv. Ich halte die Außenansicht fest.
Das Gebäude wird nach Plänen von Alfred Waterhouse errichtet und öffnet 1881. Die Verkleidung aus Terrakotta hat auch einen praktischen Hintergrund: Sie soll dem Schmutz des stark verrußten viktorianischen London besser standhalten. Tiere und Pflanzen werden Teil der Bauornamentik. Die Darstellung des Museums zur Architektur Waterhouses zeigt, wie eng das Gebäude mit seinem naturkundlichen Inhalt verbunden ist.

Ein Abend im Top Secret Comedy Club
Am Abend geht es in den Top Secret Comedy ClubTop Secret Comedy ClubVeranstaltungsortLondon · Vereinigtes Königreich51,515414° N · 0,123017° WStand-up-Comedy-Club; der im Reisebericht dokumentierte Besuch von 2019 gehört zum Standort an der Drury Lane.Google Maps . Nach den Filmkulissen, den Ansichten vom Fluss und dem Museumsnachmittag ist das noch einmal eine ganz andere Seite Londons: ein Abend mit Stand-up-Comedy.
Der Club hat eine kleine Erfolgsgeschichte hinter sich. Gegründet hat ihn Mark Rothman, ein früherer Straßenkünstler, damals noch im Africa Centre in Covent Garden. Seit 2013 sitzt der Club hier an der Drury Lane und ist inzwischen einer der bestbewerteten Comedy-Clubs Großbritanniens. Heute ist er dafür bekannt, dass immer wieder große Namen unangekündigt auftauchen, um neues Material zu testen, etwa Chris Rock, Dave Chappelle, Amy Schumer, Trevor Noah oder Jack Whitehall.

Die Tickets kaufen wir direkt vor Ort. Wir sitzen relativ weit vorne, was sich schnell als nicht ganz ungefährlich herausstellt: Die Comedians sprechen immer wieder Leute aus dem Publikum an und bauen sie in ihre Nummern ein. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich erleichtert, dass es mich nicht trifft. Bekannte Gesichter sind an diesem Abend zwar nicht dabei, aber das tut dem Spaß keinen Abbruch. Die Comedians sprechen ein klares Englisch ohne viel Slang.
Zum Schluss wird Geld eingesammelt, und jeder gibt so viel, wie ihm der Abend wert war.
