Varanasi: Sarnath, Ghats und Ganges

landIndien

datum

lesezeit8 min

höhe500 m

reisezeit
20.09.2006 – 10.10.2006

VaranasiVaranasiStadt / OrtIndien25,318889° N · 83,012778° O76 m ü. NNPilgerstadt am Ganges in Uttar Pradesh, auch Kashi und Benares genannt.Google Maps gehört zu den ältesten bis heute bewohnten Städten der Welt. Wir kommen im Herbst 2006 aus Agra und bleiben zwei Tage. Nach den Palästen des Goldenen Dreiecks stehen hier religiöses Leben, Pilger und der Ganges im Mittelpunkt.

Dieser Abschnitt gehört zu unserer fünfwöchigen Reise durch Indien, China, Hongkong und Macau.

Ankunft mit dem Nachtzug

Nur eine Strecke unserer Indienreise fahren wir mit dem Zug: Agra–Varanasi. Die Bahnhöfe wirken ziemlich verdreckt, im Inneren sitzen Vögel, zwischen den Gleisen laufen Ratten. Für Reisende der ersten Klasse gibt es eigene Warteräume, getrennt nach Frauen und Männern – im Raum für Frauen sitzen allerdings auch indische Männer. Sobald ein Zug hält, kommen Verkäufer mit Getränken und Essen.

Das Ticket haben wir im Reisebüro gebucht; unser Taxifahrer händigt es uns später aus. Wir zahlen 1500 INRWährungseinordnung1500 INRReferenzkurs 20.09.200625,70 €Stand 08.10.202613,85 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert pro Person. Um 20 Uhr geht es los. Im Erste-Klasse-Abteil ist Platz für zwei Personen, Bettzeug ist dabei: Kissen, eine dickere Decke und zwei Laken. Es ist angenehm, nur etwas kühl, wie in einem Laster mit Frischfleischtransport. Von den ungefähr acht Stunden Fahrt schlafen wir vielleicht vier.

Unser klimatisiertes Zweierabteil entspricht der AC First Class (1A) der indischen Eisenbahn. Ein solches Abteil mit zwei Schlafplätzen heißt „Coupe“; daneben gibt es in dieser Klasse auch Viererabteile. Die Abteile lassen sich mit einer Tür schließen. Die Wagenklasse sagt allerdings noch nichts darüber aus, welchen konkreten Nachtzug wir genommen haben.

In einem anderen Schlafwagen sehen wir eine Gruppe Japaner. Auch dort sieht es ordentlich aus. Die Liegen sind durch Vorhänge statt durch abschließbare Abteiltüren getrennt. Für unsere eine Nacht sind wir mit dem Zweierabteil zufrieden.

Um vier Uhr morgens kommen wir am Bahnhof Mughal SaraiBahnhof Mughal SaraiBahnhofIndien25,2767° N · 83,1173° OEisenbahnknoten außerhalb Varanasis an der Delhi–Howrah-Hauptstrecke; seit 2018 Pandit Deen Dayal Upadhyaya Junction. Die Bezeichnung im Bericht entspricht dem Besuch von 2006.Offizielle Website Google Maps an. Er liegt zwanzig Kilometer außerhalb des Stadtzentrums, und man nimmt für die Fahrt ins Hotel besser ein Taxi, denn mit dem Tuktuk kann es unkomfortabel werden.

Mughal Sarai ist ein Eisenbahnknoten an der Delhi–Howrah-Hauptstrecke, die Nordindien mit dem Raum Kolkata verbindet. Im Raum Agra liegt Tundla Junction an dieser Achse und verbindet sie mit den Bahnhöfen der Stadt. Ob wir dort oder an einem Bahnhof in Agra eingestiegen sind, können wir rückblickend nicht sicher zuordnen. Auch der Zugname bleibt offen. Unser Ankunftsbahnhof ist dagegen eindeutig: Mughal Sarai, seit 2018 offiziell Pandit Deen Dayal Upadhyaya Junction. Für unseren Besuch von 2006 bleiben wir beim damaligen Namen.

Unser Taxifahrer hat keine wirkliche Ahnung, wo das RadissonRadissonUnterkunftVaranasi · Indien25,338575° N · 82,980784° ORadisson Hotel Group · Radisson (heutige Zuordnung)Offizielle Website Google Maps liegt. Wir halten erst an einem anderen „good hotel“, wecken dort zwei Schlafende auf und fahren dann zwei Kilometer weiter, was sofort 100 INRWährungseinordnung100 INRReferenzkurs 20.09.20061,71 €Stand 08.10.20260,92 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert mehr kostet. Das Hotel finden wir schnell, doch weil es Schwierigkeiten beim Checkin gibt, klappern wir noch ein paar weitere Häuser ab. Dabei gesellt sich ein unbekannter Taxifahrer zu uns, der für die nächsten zwei Tage unser Führer werden soll.

Varanasi heißt auch Kashi, „die Leuchtende“, und gilt als Stadt Shivas. Nach hinduistischer Überlieferung kann der Tod hier die Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten bringen. Dieser Glaube gehört zum Hintergrund der Pilgerfahrten und der Bestattungen am Fluss.

Sarnath

Der private Fahrer kommt um elf, und wir fahren nach SarnathSarnathArchäologische StätteVaranasi · Indien25,3780° N · 83,0251° OOffizielle Website Google Maps , einem Vorort von Varanasi und einem der bedeutendsten buddhistischen Orte überhaupt.

Unser Besuch beginnt an einem tibetischen Tempel. Er gehört zu den buddhistischen Einrichtungen, die hier neben den historischen Stätten bestehen. Die Verbindung zu Tibet hat auch einen indischen Hintergrund: Seit 1959 lebt der Dalai Lama im indischen Exil.

Das nächste Ziel ist der Main Shrine, eine vergleichsweise unscheinbare Anlage für einen Ort von solcher Bedeutung. Nach buddhistischer Überlieferung hielt Buddha in Sarnath nach seiner Erleuchtung die erste Lehrrede vor fünf früheren Gefährten.1kurs1Bezirksverwaltung Varanasi: Sarnath. Vor dem Gebäude bieten uns Verkäufer Buddhafiguren an.

Die Lehrrede behandelt unter anderem das Leiden und den Weg zu seiner Überwindung. Das „Drehen des Rades der Lehre“ bezeichnet den Beginn der Weitergabe dieser Lehre. Sarnath ist damit ein Erinnerungsort an ein Ereignis; Varanasi erleben wir dagegen als Stadt, in der religiöse Rituale unmittelbar zum Alltag gehören. Die beiden Orte liegen nahe beieinander, und trotzdem erklären sie sich nicht gegenseitig.

Angeschlossen ist der Deer Park, ein Zoo mit Wellensittichen, Papageien, Krokodilen und anderen Tieren. Wir können geschnittene Gurken kaufen und an die Tiere verteilen. Der Name ist keine Erfindung der Zoobetreiber: Der Ort hieß schon in den ältesten Überlieferungen Hirschhain, und dort soll die Predigt stattgefunden haben.

Im Ausgrabungsgelände sehen wir die Reste der Ashoka-SäuleAshoka-SäuleDenkmal oder GedenkstätteVaranasi · Indien25,381666° N · 83,022712° OReste einer Säule Ashokas im Ausgrabungsgelände von Sarnath. Das zugehörige Löwenkapitell befindet sich im Sarnath-Museum.Google Maps . Das Löwenkapitell, das sie ursprünglich krönte, steht im Archäologisches Museum SarnathArchäologisches Museum SarnathMuseumVaranasi · Indien25,379601° N · 83,023081° OOffizielle Website Google Maps . Der Eintritt kostet uns 2 INRWährungseinordnung2 INRReferenzkurs 20.09.20060,03 €Stand 08.10.20260,02 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert pro Person, der niedrigste Betrag unserer Reise. Das Museum ist gut gekühlt und einen Blick wert.

Die vier Rücken an Rücken stehenden Löwen aus dem 3. Jahrhundert vor Christus bilden die Vorlage des indischen Staatswappens. Das Rad auf dem Sockel gehört zum selben buddhistischen Symbolkreis wie das Rad in der indischen Flagge. Was uns im Museum begegnet, reicht damit weit über die Geschichte eines einzelnen Tempels hinaus: Ein buddhistisches Denkmal ist Teil der staatlichen Bildsprache des modernen Indien geworden.

Wir sehen außerdem einen thailändischen Tempel. Die verschiedenen Klöster zeigen, dass Sarnath für buddhistische Gemeinschaften weit über Indien hinaus Bedeutung hat.

Die Ghats und der Ganges

Von fünf bis acht sind wir am Fluss unterwegs, davon zwei Stunden auf dem Ganges zum Sonnenuntergang. Es ist sehr dunstig. Eigentlich, sagt man uns, muss man sich den Sonnenaufgang anschauen – die Sonne steht dann über dem flachen Ostufer und beleuchtet die Stadt frontal, während man abends gegen den Dunst schaut.

Der Ganges riecht an diesem Abend nicht unangenehm, und an der Oberfläche erscheint er uns relativ sauber. Über die Wasserqualität sagt dieser Eindruck nichts aus. Die Ufertreppen heißen Ghats. Viele wurden von Fürstenhäusern und anderen Stiftern gebaut oder erneuert; manche sind privat, andere haben eine andere Trägerschaft.2kurs2Bezirksverwaltung Varanasi: Ganga Ghat. Unterschiedliche Namen und Baustile erzählen von diesen Verbindungen.

Unser Bootsfahrer erzählt, dass er 1500 INRWährungseinordnung1500 INRReferenzkurs 20.09.200625,70 €Stand 08.10.202613,85 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert im Monat verdient. Unsere zweistündige Fahrt kostet zu zweit 1000 INRWährungseinordnung1000 INRReferenzkurs 20.09.200617,13 €Stand 08.10.20269,23 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert. Wie viel davon bei ihm bleibt, wissen wir nicht. Schon deshalb lässt sich der Preis der Fahrt nicht einfach mit seinem Einkommen gleichsetzen.

Abends werden Kerzen aufs Wasser gesetzt, wenn auch nicht sehr viele. Es gibt Feuerwerk. Immer wieder kommen Fahrzeuge mit Statuen aus den umliegenden Orten, begleitet von lauter Musik. Nach einigen Worten werden die Figuren ins Wasser gelassen. Wir bringen das mit den Durga-Feiern am Ende von Navaratri in Verbindung, die zeitlich zu unserer Reise gehören. Die Versenkung steht für die Rückkehr der Göttin nach ihrem Besuch. Aus der Ferne können wir nicht erkennen, aus welchem Material die einzelnen Figuren bestehen.

Die Verbrennungen

An den Verbrennungsghats finden Bestattungen rund um die Uhr statt. Wir sehen, wie die Körper ins Feuer gebracht werden. Dort, wo wir stehen, riechen wir wenig; der Rauch zieht in die andere Richtung.

Für eine Verbrennung mit Holz nennt man uns etwa 5000 INRWährungseinordnung5000 INRReferenzkurs 20.09.200685,65 €Stand 08.10.202646,15 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert, für eine im elektrischen Krematorium 450 INRWährungseinordnung450 INRReferenzkurs 20.09.20067,71 €Stand 08.10.20264,15 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert. Gegenüber dem Monatsverdienst, den unser Bootsfahrer angegeben hat, ist schon der Unterschied groß.

Nicht alle Verstorbenen werden nach denselben Ritualen bestattet. Uns wird erklärt, dass es in bestimmten religiösen Traditionen Ausnahmen von der Feuerbestattung gibt, etwa für kleine Kinder oder Asketen. Die Regeln unterscheiden sich nach Gemeinschaft und örtlichem Brauch; aus unseren Beobachtungen lässt sich keine verlässliche allgemeine Liste ableiten.

Wir sehen Körper am Ufer und wie sie mit einem Boot weiter in den Fluss gebracht werden. Wer die Verstorbenen sind und warum diese Form gewählt wurde, wissen wir nicht. Insbesondere können wir daraus nichts über ihre Kastenzugehörigkeit schließen. Die Vorgänge sind für uns nicht einzuordnen.

In der Stadt

Wir sehen den Tempel mit der goldenen Kuppel. Die Eingangskontrolle erfolgt wieder mit Abtasten. Direkt daneben liegt eine Moschee, abgegrenzt durch einen riesig hohen Zaun mit Stacheldraht obendrauf.

Der Tempel ist Kashi VishwanathKashi VishwanathTempel oder SchreinVaranasi · Indien25,310775° N · 83,010614° OOffizielle Website Google Maps , eines der wichtigsten Shiva-Heiligtümer. Sein vergoldeter Turm geht auf eine Stiftung des Sikh-Herrschers Ranjit Singh im 19. Jahrhundert zurück. Unmittelbar daneben steht die Gyanvapi-MoscheeGyanvapi-MoscheeMoscheeVaranasi · Indien25,311229° N · 83,010461° OOffizielle Website Google Maps aus der Zeit Aurangzebs. Das räumliche Nebeneinander und der umstrittene historische Ort bilden den Hintergrund der Sicherheitskontrollen, die wir 2006 erleben.

Wir kommen außerdem kurz an der Banaras Hindu UniversityBanaras Hindu UniversityHochschuleVaranasi · Indien25,2677° N · 82,9891° OOffizielle Website Google Maps vorbei. Sie wurde 1916 gegründet und besitzt einen großen Campus mit eigenem Tempel. Unser kurzer Blick reicht nicht aus, um mehr über den Universitätsalltag zu erfahren.

Unser Taxifahrer bringt uns auch zu einem Seidenverkäufer, und der tischt viel auf. Varanasi ist für seine Brokatweberei und Benares-Saris bekannt. Ob Qualität und Preis der angebotenen Stücke stimmen und was der Fahrer daran verdient, können wir nicht beurteilen.

Radisson

Nach den Schwierigkeiten beim Check-in am frühen Morgen bleiben wir schließlich doch im RadissonRadissonUnterkunftVaranasi · Indien25,338575° N · 82,980784° ORadisson Hotel Group · Radisson (heutige Zuordnung)Offizielle Website Google Maps und verbringen hier unsere zwei Tage in Varanasi. Die Reservierungsbestätigung kommt sehr spät.

Zum ersten Mal auf der Reise gibt es WLAN – 125 INRWährungseinordnung125 INRReferenzkurs 20.09.20062,14 €Stand 08.10.20261,15 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert für eine halbe Stunde. Im Internetcafé nebenan kostet die ganze Stunde 50 INRWährungseinordnung50 INRReferenzkurs 20.09.20060,86 €Stand 08.10.20260,46 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert, aber es ist warm dort.

Der Vorhang bleibt bei uns immer zu, weil nebenan eine Bauruine steht. Das Frühstück ist schön, mit recht nettem Geschirr; Raucher sitzen allerdings nicht getrennt. Es gibt zwei kostenlose Wasserflaschen pro Person, keine Kerzen, dafür zwei Klopapierrollen. An einigen Stellen im Haus sind Sperrholzplatten verbaut.

Auffällig ist der Kontrast zum neu eröffneten Ramada, in das wir bei unserer Hotelsuche am Morgen geraten sind. Dort war der Mann an der Rezeption um vier Uhr früh hoch motiviert. Im Radisson ist davon nichts zu spüren.

Weiterfahrt

Vom Flughafen Varanasi (Babatpur) fliegen wir über den Indira-Gandhi-Flughafen Delhi weiter nach Mumbai. In Delhi steht die Maschine rund 40 Minuten am Boden, der Weiterflug nach Mumbai dauert dann noch einmal gut zwei Stunden.

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Erwähnte Orte in Indien

10 Positionen aus den Reiseberichten.

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  1. Bahnhof Mughal SaraiOrt
  2. RadissonOrt
  3. SarnathOrt
  4. Ashoka-SäuleOrt
  5. Archäologisches Museum SarnathOrt
  6. Kashi VishwanathOrt
  7. Gyanvapi-MoscheeOrt
  8. Banaras Hindu UniversityOrt
  9. Flughafen Varanasi (Babatpur)Ort
  10. Indira-Gandhi-Flughafen DelhiOrt