Am Roten Meer beginnt und endet unsere Ägyptenreise 2025: Hier landen wir, übernachten vor dem Transfer zum Nil im Hotel Coral Sun und verbringen nach der Nilkreuzfahrt noch einige Tage am Strand.
Anreise
Unser Flug geht laut Plan mit Air Cairo. Ein Online-Check-in ist nicht möglich: Die Website zeigt zwei Buttons “Bestätigen” oder “Ablehnen” aber ohne jeglichen Text. Und unabhängig davon, worauf man klickt, landet man immer wieder auf derselben Seite. Es gibt eine App im App-Store, doch deren Bewertung ist mit 1,1 Sternen miserabel, und das zu Recht: fast alle Rezensionen kritisieren, dass die App nicht funktioniert. Zum Glück verläuft der Check-in am Flughafenschalter in Flughafen Düsseldorf problemlos. Es ist wenig los, und wir kommen zügig durch. Paare werden vom Bodenpersonal automatisch in Dreierreihen der 3-3-Sitzanordnung platziert, eine aufmerksame Geste.
Wir gehen zum Flugzeug und stellen fest, dass wir in eine Maschine von SkyUp Airlines mit der Bemalung “Gloria Hotels & Resorts” (ein 5-Sterne-Hotel in Antalya) steigen. SkyUp Airlines ist eine ukrainische Billigairline. Eine Boeing 737-800 von SkyUp Airlines wird auch uns später wieder zurückfliegen. Im Internet berichten einige Reisende, dass sie bei Air Cairo spezielle Sitzplätze reserviert hatten, diese jedoch nicht mit der Sitzkonfiguration der tatsächlich eingesetzten SkyUp Airlines-Maschinen übereinstimmten.
Der Abflug verzögerte sich um etwa 30 Minuten. An Bord gibt es gelegentlich Wasser in Bechern ausgeschenkt. Snacks, Essen oder andere Getränke gibt es nicht, auch nicht gegen Bezahlung. Da die Sitze über keine Bildschirme verfügen, gibt es auch kein Unterhaltungsprogramm.
Ankunft am Flughafen Hurghada
Kurz vor Mitternacht deutscher Zeit setzt unser Flieger zur Landung am Flughafen Hurghada an. In Ägypten ist es eine Stunde später, also ungefähr 1 Uhr nachts. Nach dem Aussteigen bringt uns ein Bus zum Terminalgebäude. Dort erwartet uns eine lange Schlange für das Visum. Das Visa on Arrival kostet für deutsche Reisende 25 USDWährungseinordnung25 USDReferenzkurs 23.06.202521,72 €Stand 08.10.202622,28 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert; alternativ verkauft unser Reiseveranstalter die Marke am eigenen Stand für 30 USDWährungseinordnung30 USDReferenzkurs 23.06.202526,07 €Stand 08.10.202626,73 €12 Monate bis 08.10.2026Kursquelle: Frankfurter · lokal gespeichert. Der Aufpreis kauft vor allem Bequemlichkeit – eine andere erkennbare Funktion hat der Stand nicht.
Wir stellen uns also an. Hinter dem Visumsschalter sitzt nur ein einziger Beamter. Plötzlich kommt es zu einem Streit zwischen einem weiteren Beamten und einem Gast. Der Beamte wird laut, öffnet eine zweite Schlange und verschwindet. Nun stehen wir in zwei Reihen, weiterhin kümmert sich nur eine Person um die Abwicklung. Chaotisch. Deutsche Staatsangehörige können auch mit Personalausweis einreisen; dafür sind zwei biometrische Passfotos nötig. Das Visum wird dann auf ein gesondertes Blatt geklebt, das während des Aufenthalts aufbewahrt werden muss.
Alternativ lässt sich das Visum bereits vor der Reise online beantragen.
Die eigentliche Passkontrolle geht schnell. Kurioserweise sitzt wenige Meter später noch ein weiterer Beamter auf einem Stuhl und überprüft erneut jedes Visum im Reisepass. Am Gepäckband geht es ruhig zu: Es warten keine aufdringlichen Personen, die einem die Koffer abnehmen wollen.
Beim Verlassen des Terminals wird sehr genau kontrolliert, ob jemand Drohnen im Gepäck hat. Drohnen sollte man ohne vorherige Genehmigung nicht nach Ägypten einführen; die Vorschriften sind streng. Über die Motive dahinter lässt sich viel spekulieren – für Reisende ist vor allem die praktische Konsequenz wichtig: Die Drohne besser zu Hause lassen, sofern die nötigen Genehmigungen nicht vorliegen.
Gegen 1:30 Uhr Ortszeit verlassen wir schließlich das Flughafengebäude und warten draußen auf eine weitere Familie, die mit uns im gleichen Hotel untergebracht ist. Es dauert, da die Mitreisenden noch SIM-Karten kaufen. Ärgerlich. Wir steigen in einen Minivan, und als wir alle beisammen sind, informiert uns ein Mitarbeiter des Reiseveranstalters darüber, dass die Abfahrt zur Nilkreuzfahrt bereits um 5:30 Uhr erfolgen soll. Im Hotel gibt es keine weiteren Informationen zum Reiseverlauf; eine sichtbare Repräsentanz des Veranstalters finden wir dort nicht, stattdessen wird immer wieder auf Sonnenklar verwiesen.
Nach einer knappen Dreiviertelstunde im Auto durch dunkle Leere erreichen wir das Hotel Coral Sun HotelCoral Sun HotelHotelanlageHurghada · Ägypten27,2550° N · 33,8100° OHotelanlage in Hurghada mit direktem Strandzugang.Google Maps . Links und rechts nur Wüste.
Erste Nacht im Hotel
Die Hotelanlage wirkt nachts wie ausgestorben. Niemand zu sehen, keine Stimmen, kein Leben. An der Rezeption sitzt ein einzelner Mann, nimmt unsere Namen auf, reicht den Zimmerschlüssel und begleitet uns durch die stillen Flure. Das Zimmer ist eine Suite mit Meerblick. Kurz darauf bringt jemand einen Teller mit Brot und etwas Aufschnitt, eine schöne Geste.
Wir bleiben einen Tag. Das Hotel wirkt auch bei Tageslicht recht leblos. Am Montag um 5:30 Uhr holt uns der Transfer zur Nilkreuzfahrt ab.
Das Hotel
Nach der Kreuzfahrt kehren wir für die zweite Reisehälfte ins Coral Sun zurück.
Dreimal am Tag ruft das Buffet: Frühstück von 7 bis 9, Mittagessen zwischen 13 und 15 Uhr, Abendessen ab 19 Uhr. Das Brot? Langweilig nach deutschem Standard. Der Schafskäse ist geschmacklos, und der gelbe Käse erinnert an Analogkäse aus dem Labor. Insgesamt kann das Essen hier qualitativ nicht mit dem an Bord der M/S Magic 1 mithalten. Der Kaffee kommt aus dem Vollautomaten und ist kräftig, aromatisch. Die bunten, zuckrigen Getränke erinnern eher an flüssigen Bonbon als an Saft.
Man hat die Wahl zwischen einem Platz im klimatisierten Innenraum oder draußen auf der Terrasse. An manchen Tagen wird das Buffet im Freien aufgebaut, und gelegentlich steht ein Grill etwas abseits. Dort brutzeln allerlei Spezialitäten wie Hühnchen, Krebse und Leber. Der Rauch zieht langsam über die Sitzplätze, und nach einer halben Stunde hat man selbst den Geruch vom Grillgut angenommen.
Gegen 21 Uhr legt der DJ auf, und ein kleines Unterhaltungsprogramm beginnt. An einem Abend spielen die Gäste ein Musikratespiel. An einem anderen Abend erscheint ein Fakir. Ein anderes Mal gibt es Tänze. Für 5 € kann man bei der Tombola mitmachen; zu gewinnen gibt es unter anderem kleine Taschen und Kufiyas, also die als „Palästinensertuch“ bekannten Tücher. Je nach Kontext sind sie Modeaccessoire, traditionelles Kleidungsstück oder politisches Symbol – eine pauschale Bewertung wäre zu simpel. Daneben steht auch eine Wasserpfeife, doch die gehört offenbar nicht zu den Preisen, sondern ist ganz profan käuflich zu erwerben.
Die Anlage hat ihre besten Jahre hinter sich. An einigen Stellen blättert die Farbe ab, stellenweise ziehen sich Risse durch die Wand. Trotzdem ist alles sauber und gepflegt.
Unser Zimmer gefällt mir. Beim ersten Aufenthalt wohnen wir in der zweiten Etage. Die Wände sind in einem gleichmäßigen Champagnerton gestrichen; das ist eintönig, alles in derselben Farbe. Es kann sein, dass das der Zustand vor der Renovierung ist. Es gibt einen Balkon. Beim zweiten Besuch sind wir im Erdgeschoss untergebracht. Das Zimmer ist in Weiß gehalten, mit blauen Akzenten und Holzelementen, insgesamt deutlich wohnlicher. Auf dem Balkon stehen zwei Stühle und ein kleiner Tisch. Man kann dort angenehm sitzen und direkt zum Strand gehen. Einziger Nachteil: Die Balkontür lässt sich von außen nicht abschließen.
Am Pool finden wir problemlos eine freie Liege unter einem Schirm. Neben einer einzigen Zimmerkarte bekommen wir zwei Handtuchkarten, womit wir Handtücher abholen können. Später tauscht man die Handtücher wieder mit den Karten aus. Kaum haben wir uns gesetzt, kommen zwei Hotelmitarbeiter. Der erste bietet Ausflüge an, der zweite möchte uns die Spa-Nutzung verkaufen.
Zwei Männer liefern sich währenddessen ein Ballspiel im Wasser. Einer bildet mit den Armen einen Kreis, der andere versucht, den Ball hindurchzuwerfen. Es gibt wenig Programm – also macht man eben irgendwas.
Viele zieht es wegen der faszinierenden Unterwasserwelt nach Ägypten. Schon beim ersten Schritt ins Meer tummeln sich bunte Fische um die Füße. Wer sich sicher im Wasser bewegt, kann die Gelegenheit zum Schnorcheln oder Tauchen nutzen. Die Ausrüstung dafür lässt sich vor Ort ausleihen. Der Strand besteht nicht aus feinem Sand, sondern aus kleinen, rund geschliffenen Kieseln. Diese Kiesel wirbeln kaum Sediment auf, was eine gute Sicht auf den Meeresboden erlaubt.
WLAN gibt es nur an der Rezeption und auch das nicht schnell. Am Pool und im Restaurant ist der Empfang lückenhaft bis nicht vorhanden. Um auch im Zimmer online zu sein, nutzen wir einen eigenen Hotspot mit ägyptischer SIM-Karte. Das funktioniert einwandfrei.
Die Freizeitmöglichkeiten sind begrenzt. Es gibt einen gut ausgestatteten Spa-Bereich mit Sauna, Dampfbad, Bädern und Massageräumen. Hier sehe ich zum ersten Mal weibliche Angestellte, denn im Restaurant und Empfangsbereich besteht das Personal ausschließlich aus Männern.
Der Fitnessraum bietet Laufbänder, stationäre Geräte und einen Crosstrainer – letzterer ist leider defekt und eiert. Ich weiche auf ein Laufband aus. Die Luft ist stickig, obwohl mehrere Klimaanlagen im Raum installiert sind. Nur: keine läuft. Ein Schild am Pfeiler weist auf die AC-Fernbedienung hin, doch die fehlen. Die Mitarbeiterin schaltet auf Nachfrage eine Klimaanlage ein, doch der Effekt ist kaum spürbar. Ein anderer Mitarbeiter reicht mir schließlich eine ölige Fernbedienung, die wohl schon durch viele massierende Hände gewandert ist. Nach der Benutzung fühle ich mich selbst wie frisch eingeölt. Einen Wasserspender gibt es im Gym nicht, auch eine Dusche fehlt. Immerhin: Abgesehen vom Crosstrainer sind die Geräte im guten Zustand und tun, was sie sollen, vermutlich werden sie kaum genutzt.
Für 2 € pro Stunde kann man Billard spielen.
Ausflug nach Safaga
Im Hotel lassen sich problemlos Ausflüge, Transfers und Taxis buchen, etwa nach Hurghada oder ins nahegelegene SafagaSafagaStadt / OrtRotes Meer · Ägypten26,7575° N · 33,93667° OHafenstadt an der ägyptischen Küste des Roten Meeres südlich von Hurghada, mit Fährhafen und Tauchrevieren.Google Maps . Zunächst versuchen wir es über Uber. Die App ist in Ägypten zwar grundsätzlich verfügbar, doch in unserer abgelegenen Hotelregion nimmt niemand die Anfrage an. Also wenden wir uns an die Rezeption. Die Fahrt nach Safaga – hin und zurück – kostet 15 € pro Person. Unser Fahrer bringt uns zunächst in die Neustadt, dann in die Altstadt.
Wir spazieren durch die Straßen von Safaga und nehmen die Szenerie auf. Vereinzelt begegnen uns Bettler. Zwischen den Läden tauchen immer wieder Kinder auf und rufen „Money! Money!“. Eine Frau im Rollstuhl fällt uns auf; mehrere Kinder laufen gezielt zu ihr, ihre Körpersprache lässt vermuten, dass sie zusammengehören. Ein älterer Mann in Dschallabija tritt an sie heran und hebt mahnend den Finger. Was genau zwischen ihnen besprochen wird, können wir nicht verstehen – mehr als unsere Beobachtung wäre Spekulation.
Ich spaziere am Strand entlang. Ein Jugendlicher wirft zweimal Steine in meine Richtung. Warum, bleibt unklar, Beschimpfungen gibt es nicht und getroffen werde ich auch nicht.
Abreise: Rückflug nach Düsseldorf
Um 7:45 Uhr werden wir vom Hotel abgeholt und zum Flughafen in Hurghada gebracht. Schon am Eingang des Terminals müssen wir unsere Tickets vorzeigen. Es folgt ein erster Sicherheitscheck. Der Check-in bei der Airline und die Kofferabgabe verlaufen zügig. Etwas unpraktisch: Wir müssen ein Formular ausfüllen, stellen jedoch fest, dass der Kugelschreiber längst im Koffer verschwunden ist – ein klassischer Anfängerfehler.
Anschließend folgt die Passkontrolle, dann ein zweiter Sicherheitscheck. Kontrolle und Check-in wirken ruppig.
Mit etwa zwei Stunden verbleibender Wartezeit suchen wir uns einen Sitzplatz. Der Duty-Free-Bereich erinnert optisch an einen Basar unter Zeltdächern. Zahlreiche kleine Läden bieten Taschen, Magnete und Souvenirs an.
Das WLAN ist theoretisch kostenlos – allerdings nur für 15 Minuten und nur gegen Herausgabe der eigenen Telefonnummer. Ein zweifelhafter Deal.
Wer Hunger hat, kann sich in eines der Cafés setzen oder bei Burger King etwas holen. Die Sitzmöglichkeiten sind immerhin bequem, und so verbringen wir die Zeit zwischen anderen Reisenden, die sich auf ihre Heimreise vorbereiten.