Namibia ist 2010 nur eine Durchgangsstation meiner zweiten großen Rundreise durch Afrika: Ich komme aus Südafrika und warte in Windhoek auf den Bus nach Sambia. Es ist mein dritter Besuch in Namibia nach April 2008 und Dezember 2008.
Die Route: UpingtonUpingtonStadt / OrtSüdafrika28,44776° S · 21,25612° O808 m ü. NNOrt in Südafrika.Google Maps → Nachtbus → WindhoekWindhoekStadt / OrtNamibia22,55941° S · 17,08323° O1700 m ü. NNHauptstadt in Namibia.Google Maps → Nachtbus nach Livingstone
Mit dem Intercape nach Windhoek
Der Bus von Intercape aus Upington kommt um 8 Uhr morgens in Windhoek an. Die Fahrt ist okay, denn der Intercape ist ein „Sleepliner“, in dem man die Sitze schön nach hinten klappen kann. Wirklich genervt hat an der Grenze ein Südafrikaner, der für die Mehrwertsteuererstattung zuständig ist. Der Bus ist ohnehin verspätet, sodass wir erst gegen Viertel nach zehn abends an der Grenze sind, und der Beamte macht um 22 Uhr Schluss. Als ich meinen Pass bei der Immigration vorzeige, sitzt er noch da; als ich meine Quittungen hole und ein paar Minuten später zurückkomme, ist er weg. Klar hat er gesehen, dass gerade ein voller Bus angekommen ist, aber in dem Moment zu gehen ist alles andere als serviceorientiert.
Unterkunft
Ich habe für zwei Tage ein Einzelzimmer in der Chameleon Backpackers LodgeChameleon Backpackers LodgeUnterkunftWindhoek · Namibia22,573669° S · 17,081653° OGoogle Maps gebucht, aber trotz meiner ausdrücklichen Reservierung ist das Zimmer vergeben – angeblich hat man meine E-Mail so spät nicht mehr gelesen. Die erste Nacht muss ich deshalb im Zelt schlafen. Das ist gar nicht so schlecht: Im Zelt gibt es Strom, und es kostet nur 9 Euro. Die Lodge ist komplett ausgebucht, viele Deutsche sind da, einige schlafen auf dem Sofa. Nach zwei Nächten muss ich umziehen, weil andere reserviert haben, und bleibe zwei Nächte in einer christlich geführten Unterkunft, nur ein paar Gehminuten entfernt. Das Zimmer richtet sich an Selbstversorger und hat einen Fernseher (mit satten drei Programmen) und einen Kühlschrank. Danach kann ich für einen Tag zurück ins Chameleon, was wegen des Internets einfach praktischer ist. Einige Mitarbeiter sind wirklich supernett, und es macht Spaß, sich mit ihnen zu unterhalten. Das ist das Besondere an guten Backpackern: Es sind immer Leute da, und am Tresen entstehen schnell Gespräche.
Eigentlich will ich gar nicht so lange in Windhoek bleiben, aber der Bus nach Sambia fährt nicht jeden Tag. Das Ticket kaufe ich am Samstag: 50 Euro bis LusakaLusakaStadt / OrtSambia15,40669° S · 28,28713° O1277 m ü. NNHauptstadt in Sambia.Google Maps , 35 Euro bis LivingstoneLivingstoneStadt / OrtSambia17,84194° S · 25,85425° O969 m ü. NNOrt in Sambia.Google Maps – nach Lusaka ist der Bus fast 24 Stunden unterwegs. Die nächste Verbindung ist am Montag, also heißt es warten.
Abends in Windhoek
Windhoek ist ein Nest, und die städtischen Höhepunkte sind rar. Wenn es dunkel wird, leert sich die Stadt, und immer weniger Menschen sind auf der Straße. Bei meinem Abendspaziergang fällt mir ein voller Park mit Popmusik auf. Dort treffen sich ausschließlich Schwarze, es wird gegrillt, und die Jugendlichen zeigen stolz ihre zum Teil aufgemotzten Autos – die Einstiegsklasse mit Vertretern wie dem VW Polo. Ich bin der einzige Weiße, und mir geht wieder durch den Kopf, wie sehr Farbige und Weiße hier noch nebeneinander leben. Auf dem Rückweg komme ich an einem Restaurant vorbei, in dem nur Weiße essen – bis auf ein farbiges Paar, das bezeichnenderweise in der äußersten Ecke sitzt.
Das Land quälen seit Langem dieselben Probleme: hohe Arbeitslosigkeit, hohe registrierte Kriminalität, und Frauen sind genervt von ihren Männern, die permanent fremdgehen. Bis zur Gleichberechtigung ist es ein langer Weg. Oft haben Männer mehrere Frauen, und die Frauen haben nicht die Macht, sich unabhängig zu machen. Andererseits suchen sich Männer arbeitende Frauen und lassen sich aushalten. Das Phänomen des Sugar Daddys ist bekannt: Männer bezahlen nicht für Sex, sondern spendieren der Dame eine neue Burberry-Handtasche. Hier in Namibia berichten Frauen vom umgekehrten Verhältnis: Junge Männer suchen reiche Frauen, die sie aushalten.
Kontaktanzeigen in der Daily Sun
Dazu ein paar Anzeigen aus der Daily Sun vom 15. Oktober 2010. Die Anzeigen sind im Original zitiert, die Schreibweise ist nicht korrigiert:
- „A 21 yrs vambo boy lukng 4 a cute sugar mammy if u are th 1 …“
- „Hi ths ur boy Romanus 21 yrs luking 4 a sugar mummy or serious lvr 2 be wt I am a student…“ Ob er das „er“ exklusiv benutzt?
- „A 32 yrs old man lkng 4 a btfl and actve sger mammy mstly in Whk…“ Mit 32 immer noch kein Job?
- „Hi am a guy or 25 yrs lukng 4 a sugar mumy hu s srious en rady 2settlw dwn she must hvng hr own house, car en financially stable no jks“. Hier will sich jemand absolut ins gemachte Nest setzen. An seiner Stelle hätte ich noch schnelles Internet hinzugefügt.
- „Hi dis ur guy Cindsley 4rm Gobs 21 yrs lucking 4 suggar mummies with 30-35 years u can hala me at dis # …“ Cindsley mag mit seinen 21 Jahren reifere Frauen. (mummies = Mumien?) Und gleich mehrere parallel?
- „Hi, I’m 23 yrs of age, I’m lukng 4 a sugar mummy or any girl out thr of my age any tribe, colour, gendr I’m in Tsumeb…“ Jedes Geschlecht? Bisexuelle sind in Afrika noch exotischer als Homosexuelle. Aber auch für die ist etwas dabei:
- „Halla out there, I’m 30 yrs, str8 actin botm gay guy, lucking 4 str8 action top gay guys 2 flirt with…“ Beim Flirt wird es wohl nicht bleiben.
- Oder durcheinander: „3 Tall black guys n a 2 sexy girls nid company of gals, lesbians, marid man or wman. Our service if free. Buk us via sms…“
- „Hi a gl o4 22 stys nrth bt mst n ndagwa lkng 4 a lvly al orw da cntry he mst nw hw to lv wrk own plc en able to mt anglisans en vamhs wlcom…“ Eine 22-Jährige sucht einen Mann, der sie so richtig … lieb hat.
- „Hi, I’m a boy of 19 yz wrkg, ad I’m lukg 4 a beatful grl she mast be 15-20. She must be in Whk nd she must be now hw 2 love…“ Bei dieser Altersangabe fallen die meisten Mädchen in die Kategorie verbotener Sex mit Minderjährigen. Und mit 15 schon „know how to love“? Da stimmt doch was nicht …
- Frauen sind auch nicht besser: „Hi I’m 25 yrs and I’m lucking for mturd white or foreigner man for discrete fun“. Weiße und andere „Randgruppen“ sind auch immer mal im Spiel.
- „I’m wmn 38 old HIV+ lking a man vambo or white man an status sme, u mst hv own plce nce jb, car and bhve, me hv drvr lsnce no jks…“ Im Ernst: Welcher Mann lässt sich darauf ein?
- „Hi I’am 18 handsum, honest gal lucking 4 white guy he must be age 19-20, wth your own place & work…“ Benutzt man „handsome“ nicht nur bei Männern? Sucht da Mann Mann? Dann passt „gal“ nur nicht. Ladyboy?
- „Am 27 yrs beautfl vambo lady lukn 4 handsome, mst be white/colord hiv free ed ready 4 test single only ed non smokers pls“. Schlauerweise hinterlässt als Einzige diese Anzeige keine Kontaktdaten. Und was bitte schön gibt es neben weiß und „colored“ noch für Hautfarben? Also für alle Gesunden …
- „Hi I’m 21 and I’m lucking 4 sweet guyz all over Namibia mstly Angolians nd colourds…“ Jeder hat seine Vorlieben, hier für Männer aus Angola. Aber ganz Namibia? Das kann eine ganz schöne Fahrerei werden – kein Wunder, dass Treue so schwerfällt …
- Herr Naughty ist spitz und steht auf dicke Dinger: „I’m in need of a girl, my name is Naughty, I’m from Whk n Diva n I’m the nastiest of al … text if u wana have fun. NB al ages, no thin girls pls.“
Wem das alles noch nicht reicht, der geht zu den Kleinanzeigen und findet dort zum Beispiel: „Traditional Doctor Kito: Love affairs and marriages, sexual power problems, weak erection, bad luck, witchcraft protection and success charm in business, financial cases, educational and pregnancy problems…“ oder Baba Moosha: „A herbalist who helps people, especially in financial problems, penis enlargement (all sizes) M, L, XL, XXL, result on 30 min, to get married quick, lost lover, promotion, gambling, short boys …“ Lümmellängenprobleme zählen wohl zu den Standards. Auch Dr. Kasipa hilft: „… bring back lost lovers, enlargement 15 cm to 25 cm…“ Sind 25 cm nicht schon ein bisschen zu lang und unpraktisch? Naja, vielleicht spricht das die Wünsche lokaler Männer an. Zum Schluss King Chinsandi: „The strongest man who can help. Bring back lost lovers in 8 hrs, course cases, pines (sic!) enlargements, financial problems, pregnancies, lost goods, competition, soccer, etc.“ Sehr breit aufgestellt, der Gute. Ein echter Philanthrop, der von Schwangerschaft bis Fußball alles versteht. Bemerkenswert.
Am Montag geht es dann endlich mit dem Bus weiter nach Livingstone in Sambia.
Alles Wichtige zu Namibia auf einen Blick: Namibia – was sich lohnt.