Meine Aufenthalte in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE, engl. UAE) konzentrieren sich auf DubaiDubaiStadt / OrtVereinigte Arabische Emirate25,2048° N · 55,2708° O16 m ü. NNDubai ist eine internationale Metropole am Persischen Golf, deren Stadtbild von Malls, Hochhäusern, Hotels und einem weitläufigen Verkehrsnetz geprägt ist.Google Maps mit Tagesausflügen nach Abu DhabiAbu DhabiStadt / OrtEmirat Abu Dhabi · Vereinigte Arabische Emirate24,4539° N · 54,3773° O6 m ü. NNGoogle Maps .
Das Land besteht aus sieben Emiraten und dessen Gegensätze zeigen sich schnell: internationale Arbeits- und Reisewelt, konservative Traditionen, Küste, Hitze und eine Infrastruktur, die auf große Entfernungen eingestellt ist.
Dubai ist dabei nicht mit dem ganzen Land gleichzusetzen. Abu Dhabi zeigt ein dichteres, ruhigeres Stadtbild und macht die föderale Struktur zumindest als Reiseeindruck greifbar.
Für und Wider
Dubai ist faszinierend. Die Architektur ist spektakulär, die Infrastruktur funktioniert, der Komfort ist hoch und selbst sehr gute Hotels sind teilweise erstaunlich günstig. Hat man Geld auf dem Konto, kann man in den Emiraten eine großartige Zeit haben. Nur sollte man sich nichts vormachen: Diese glitzernde Fassade steht nicht außerhalb von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Dubai selbst lebt heute keineswegs hauptsächlich vom Öl. Die Wirtschaft des Emirats ist stark diversifiziert; Bergbau und Rohstoffgewinnung machten 2024 nur einen kleinen Teil seiner Wirtschaftsleistung aus. Dubai ist aber Teil der Vereinigten Arabischen Emirate, und die gehören weiterhin zu den großen Erdölproduzenten der Welt. 2025 förderten die VAE rund 3,8 Millionen Barrel Rohöl und Kondensat pro Tag.
Auch ökologisch ist das Modell schwer als bescheiden zu bezeichnen. Klimatisierte Hochhäuser, künstliche Inseln, gewaltige Straßeninfrastruktur, Flugverkehr und ein enormer Wasserbedarf verschwinden nicht dadurch, dass irgendwo ein paar Solarpaneele glänzen. Die CO₂-Emissionen der VAE lagen 2024 bei rund 18,3 Tonnen pro Einwohner, gegenüber etwa 4,7 Tonnen im weltweiten Durchschnitt. Das ist kein kleiner Schönheitsfehler einer ansonsten nachhaltigen Wüstenmetropole.
Noch schwerer wiegt die politische Seite. Die VAE sind keine liberale Demokratie. Politische Parteien sind verboten, die wesentliche politische Macht liegt bei den sieben erblichen Herrschern der Emirate. Menschenrechtsorganisationen dokumentieren erhebliche Einschränkungen der Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit. Regierungskritiker wurden zu langen Haftstrafen verurteilt, unter anderem in Verfahren, deren Fairness Human Rights Watch und Amnesty International massiv infrage stellen.
Und dieses Thema ist für Touristen nicht vollkommen abstrakt. Ein aktueller Fall ist der 23-jährigen Britin Brooke George. Sie wurde 2026 in Dubai wegen Mordes angeklagt, nachdem sie einen Mann mit einem Messer tödlich verletzt hatte. George bestreitet die Tat als solche nicht, sagt aber, sie habe nach einem gewaltsamen Angriff in Notwehr gehandelt. Forensische Befunde dokumentierten Verletzungen in ihrem Gesicht, die mit ihrer Darstellung eines vorausgegangenen Angriffs vereinbar sind. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Im Fall einer Mordverurteilung können ihr eine lebenslange Freiheitsstrafe oder die Todesstrafe drohen. Der Fall beweist für sich genommen natürlich kein systematisches Justizversagen. Er zeigt aber ziemlich eindrucksvoll, dass das Instagram-Dubai und das Dubai des Strafrechts zwei sehr unterschiedliche Welten sein können.
Noch offensichtlicher wird der Widerspruch beim Arbeitsmarkt. Dubai wäre ohne ausländische Arbeitskräfte schlicht nicht Dubai. Das betrifft den Banker im klimatisierten Büro genauso wie Verkäufer, Reinigungskräfte, Lieferfahrer, Hausangestellte und Bauarbeiter. Hochhäuser wachsen schließlich auch bei 45 Grad nicht durch Magie aus dem Sand.
Die Dimension ist enorm. Ende 2025 hatte Dubai rund 4,58 Millionen Einwohner. Schon die vorherigen Bevölkerungsstatistiken zeigten, dass Emiratis nur einen kleinen Teil der Bevölkerung stellen; für 2024 wurden rund 300 000 emiratische Staatsbürger dokumentiert. Landesweit spricht die Internationale Arbeitsorganisation von etwa 8,7 Millionen Arbeitsmigranten, die mehr als 80 Prozent der Wohnbevölkerung ausmachen.
Bevölkerungsentwicklung in den Emiraten
| Jahr | Emiratis | Ausländische Bevölkerung | Gesamt |
|---|---|---|---|
| 2010 | 962 348 | 6 003 140 | 6 965 488 |
| 2011 | 992 898 | 6 250 690 | 7 243 588 |
| 2012 | 1 024 316 | 6 514 991 | 7 539 307 |
| 2013 | 1 055 978 | 6 790 777 | 7 846 755 |
| 2014 | 1 087 864 | 7 184 260 | 8 272 124 |
| 2015 | 1 120 010 | 7 618 340 | 8 738 350 |
| 2016 | 1 152 057 | 7 979 782 | 9 131 839 |
| 2017 | 1 183 086 | 8 131 525 | 9 314 611 |
| 2018 | 1 213 794 | 8 164 997 | 9 378 791 |
| 2019 | 1 244 638 | 8 268 140 | 9 512 778 |
| 2020 | 1 274 435 | 8 014 862 | 9 289 297 |
| 2021 | 1 303 383 | 8 557 624 | 9 861 007 |
| 2022 | 1 331 683 | 8 957 263 | 10 288 946 |
Diese Menschen sind nicht bloß Statisten im Hintergrund der Skyline. Viele verdienen in den Golfstaaten Einkommen, das ihre Familien in Indien, Bangladesch, Nepal, auf den Philippinen und in anderen Herkunftsländern mitfinanziert. Die ILO bezeichnet solche Rücküberweisungen ausdrücklich als wichtige Einnahmequelle für Familien und Gemeinden. Die VAE waren 2024 mit rund 58 Milliarden US-Dollar sogar die zweitgrößte Quelle grenzüberschreitender Rücküberweisungen weltweit. Ein pauschales „Niemand sollte mehr nach Dubai fahren“ löst dieses Geflecht deshalb nicht automatisch zugunsten der Menschen, um die es angeblich geht.
Woher die Migranten in den Emiraten kommen
- Indien39,8 %
- Bangladesch12,6 %
- Pakistan11,4 %
- Ägypten10,3 %
- Philippinen6,5 %
- Indonesien3,7 %
- Weitere15,7 %
| Herkunft | Personen | Anteil |
|---|---|---|
| Indien | 3 248 545 | 39,8 % |
| Bangladesch | 1 024 949 | 12,6 % |
| Pakistan | 932 356 | 11,4 % |
| Ägypten | 841 883 | 10,3 % |
| Philippinen | 528 527 | 6,5 % |
| Indonesien | 298 351 | 3,7 % |
| Weitere | 1 282 389 | 15,7 % |
| Gesamt | 8 157 000 | 100 % |
Aber daraus folgt genauso wenig, dass mit dem Arbeitsmarkt alles in Ordnung wäre. Human Rights Watch und Amnesty International dokumentieren weiterhin Lohnraub und ausbleibende Lohnzahlungen, hohe illegale Vermittlungsgebühren, einbehaltene Reisepässe, problematische Arbeitsbedingungen bei extremer Hitze und schwache Möglichkeiten, sich kollektiv zu organisieren. Das Kafala, genauer gesagt das Sponsorship-System, wurde in den vergangenen Jahren reformiert, ist aber nicht einfach verschwunden. Menschenrechtsorganisationen kritisieren weiterhin die starke Abhängigkeit vieler Arbeitsmigranten von ihren Arbeitgebern und erhebliche Defizite bei der Durchsetzung vorhandener Arbeitnehmerrechte.
Genau deshalb ist auch die Boykottfrage komplizierter, als sie zunächst klingt.
Ich halte es für vollkommen legitim, aus politischen, sozialen oder ökologischen Gründen nicht nach Dubai zu reisen. Denn natürlich fließt Geld aus dem Tourismus an den Staat. In Dubai wird beispielsweise eine staatliche „Tourism Dirham Fee“ von 7 bis 20 Dirham pro Hotelzimmer und Nacht erhoben. Hinzu kommt die bundesweite Mehrwertsteuer von grundsätzlich fünf Prozent auf steuerpflichtige Waren und Dienstleistungen. Und ganz unabhängig von der direkten Besteuerung ist Tourismus ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells: Volle Hotels, volle Restaurants und Millionen Besucher machen den Standort attraktiver und produzieren genau jene Bilder, mit denen Dubai international für sich werben kann.
Wer nach Dubai reist, finanziert damit nicht persönlich einen politischen Gefangenen. So simpel funktioniert ein Staat nicht. Aber zu behaupten, der eigene Konsum habe überhaupt nichts mit dem System zu tun, wäre die andere Form der Selbsttäuschung. Man übernachtet, konsumiert, bezahlt Gebühren und Steuern und trägt gleichzeitig zur Attraktivität eines Standorts bei, dessen internationale Selbstdarstellung politisch gewollt ist.
Andererseits sollte man die Wirkung des persönlichen Boykotts nicht überschätzen. Die Vorstellung, die Herrscherfamilien würden ihr politisches System ändern, weil einige Europäer ihren Winterurlaub künftig auf Gran Canaria verbringen, ist nicht besonders realistisch. Dubai hat sich gleichzeitig zu einem der wichtigsten Standorte für internationales Privatvermögen entwickelt. Nach einer Erhebung von Henley & Partners lebten dort 2025 rund 81 200 Dollar-Millionäre, darunter 20 Milliardäre. Die VAE verzeichneten zudem einen starken Zuzug vermögender Personen. Ein Rückgang einzelner Touristen wäre für ein solches System eher ein Imageproblem als eine unmittelbare Existenzfrage.
Auch der Krieg mit Iran hat diesen Zuzug bis September 2026 nicht umgekehrt. Wie The National am 27. September 2026 berichtet, fließt nach Einschätzung der befragten Privatbanken weiterhin Vermögen in die Emirate. Der Kapitalabfluss fiel geringer aus, als in den ersten Kriegstagen befürchtet worden war.
Und selbstverständlich bedeuten weder eine Urlaubsreise nach Dubai noch ein Wohnsitz dort automatisch Zustimmung zum politischen System. Genauso wenig macht ein Urlaub in den USA, China oder der Türkei einen Menschen zum Unterstützer ihrer jeweiligen Regierung. Aber gerade bei Dubai sollte man auch die umgekehrte Behauptung vermeiden: dass die Hochglanzwelt vollkommen unabhängig von den politischen und wirtschaftlichen Bedingungen existiere, die sie hervorgebracht haben.
Für mich gehören deshalb beide Seiten zusammen. Dubai kann ein faszinierendes Reiseziel sein. Man darf beeindruckt vor dem Burj Khalifa stehen, ein 5*-Hotel zum erstaunlich niedrigen Preis genießen und sich fragen, wie eine Stadt in wenigen Jahrzehnten so gebaut werden konnte.
Aber dann sollte man auch hinschauen, wer sie gebaut hat, unter welchen Bedingungen sie gebaut wurde, wie politische Macht dort organisiert ist und welche ökologischen Kosten dieses Modell verursacht. Die Skyline gehört zur Wahrheit über Dubai genauso wie die Bauarbeiter.
Einige Beiträge, die dazu interessante und teilweise unbequeme Perspektiven liefern:
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Amnesty International: United Arab Emirates 2025 https://www.amnesty.org/en/location/middle-east-and-north-africa/middle-east/united-arab-emirates/report-united-arab-emirates/
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UAE Flights, Carrying Arms For Sudan's RSF, Line Up Chad Airstrip, Say UN Experts | Firstpost Africa https://www.youtube.com/watch?v=Yj8AsOJl6p0, auch https://www.youtube.com/watch?v=lkT8wbhTNAo